Airline-Verteilung am BER stößt auf Widerstand

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Nicht alle Fluggesellschaften sind glücklich mit der ihnen zugedachten Platzierung am BER. Vor allem um Schönefeld-alt und das noch nicht fertige Terminal 2 bahnt sich Streit an. Nun wird weiterverhandelt.

Ein Easyjet-A319 fliegt in Berlin-Schönefeld über die A113. © dpa / Bernd Settnik

In rund einem Jahr soll der BER eröffnen. Kürzlich hat der Aufsichtsrat sogar bereits die Planungen der Berliner Flughafengesellschaft zur zukünftigen Verteilung der Fluggesellschaften am Platz abgesegnet. Allerdings ist die Aufteilung der rund 60 Airlines, die Berlin anfliegen, auf die neuen Terminals offenbar noch nicht entgültig.

Wie airliners.de jetzt von verschiedenen Quellen erfuhr, sind bei weitem nicht alle Kunden mit den Planungen des Flughafens zufrieden. Vor allem Vertreter von Fluggesellschaften, die von Schönefeld-alt abheben sollen, äußern hinter vorgehaltener Hand, es gäbe noch deutliche Meinungsverschiedenheiten zum Thema Allokation.

Größter Nutzer der alten Infrastruktur würde laut aktueller Planung Ryanair - derzeit immerhin zweitgrößte Airline am Standort Berlin. Darüber hinaus sollen vor allem Ferienfluggesellschaften wie Sun Express, Tuifly oder Sundair von Schönefeld-alt starten. Von den befragten Airlines hieß es offiziell lediglich, es gäbe noch Bedarf für weitere Verhandlungen.

Streit um Entgelte für Schönefeld-alt

Dabei geht es dem Vernehmen nach insbesondere um die Nutzungsentgelte, die für die Fluggesellschaften im alten Flughafenteil im Wesentlichen genauso ausfallen wie in den neuen Teilen des BER ausfallen sollen. In den Flughafenentgeltordnungen sind alle Start- und Landeentgelte, Passagierentgelte, Positions- und Abstellentgelte geregelt.

Aber das zukünftig "BER Terminal 5" genannte alte Schönefelder Flughafengebäude ist nicht nur bedeutend weniger komfortabel für die Passagiere, es steht auch viel weiter entfernt von den Start- und Landebahnen, was längere Rollzeiten und damit einen insgesamt weniger effizienten Betrieb bedeutet.

Für letzteres sieht die für den BER geplante Flughafenentgeltordnung nach Angaben von Airline-Vertretern, die nicht genannt werden wollen, zwar einen Ausgleich vor - dennoch bringt die Nachnutzung von Schönefeld-alt am BER für die Airlines in dem Bereich weitere wesentliche Nachteile.

So sei nicht klar, wie Passagiere von der Fernbus- und S-Bahn-Haltestelle direkt am neuen BER-Terminal zum alten Schönefelder Flughafen kommen sollen. Zudem gebe es Ungewissheiten rund um die Zukunft des aktuellen Terminal D in Schönefeld.

Fluggesellschaften verhandeln weiterhin

Eine Sprecherin der Lufthansa sagte zu airliners.de, auch die Lufthansa Group sei aktuell noch in Gesprächen mit der Flughafengesellschaft. Spätestens sieben bis acht Monate vor Eröffnung müsse Klarheit herrschen.

Lufthansa selbst ist für das Terminal 1 am BER vorgesehen. Zusammen mit den weiteren Gruppen-Airlines Swiss und Austrian werden die Maschinen dem Vernehmen nach am Hauptpier abgefertigt. Hier werden auch andere Netzwerk-Airlines wie etwa British Airways, Air France und KLM oder Turkish Airlines festmachen.

Verteilung der Airlines am BER. Foto: © Flughafen Berlin Brandenburg GmbH

Eurowings soll den Planungen zufolge derweil im Terminal 2 beheimatet sein. Das ist der BER-Nord-Pier, der für Billigairlines geplant wurde und sich deutlich vom Rest des neuen Flughafens unterscheidet. Hier gibt es lediglich Walk-Boarding. Ein neuer Zugangsbereich für den Check-In direkt ins Terminal 2 soll gleichzeitig mit dem BER eröffnen, wird aktuell aber noch gebaut.

Easyjet soll wohl Air-Berlin-Pier bekommen

Easyjet, mit einem Marktanteil von rund 30 Prozent größter Airline-Kunde in Berlin, soll dagegen im Terminal 1 zu finden sein. In Branchenkreisen wird spekuliert, dass die Point-to-Point-Fluggesellschaft in das ursprünglich für Air Berlin vorgesehene Südpier des BER-Hauptterminals ziehen wird.

Auf Anfrage teilte Easyjet mit, die Planung liege in der Verantwortung des Flughafens. Man arbeite eng mit der Flughafengesellschaft zusammen, "um einen sicheren und effizienten Betrieb zu gewährleisten und unseren Kunden ein gutes und reibungsloses Reiseerlebnis zu ermöglichen".

Fluggesellschaften am Standort Berlin
Airline Anteil
Easyjet 33
Ryanair 15
Lufthansa 10
Eurowings 10
British Airways 2
Diverse 30

Die zehn größten Airlines am Flughafenstandort Berlin (TXL + SXF) nach angebotener Kapazität, Stand Oktober 2019.Quelle: CH-Aviation/OAG

Die Flughafengesellschaft wollte sich auf Nachfrage nicht zu den noch laufenden Verhandlungen mit den Airline-Kunden äußern. Eine Sprecherin verwies auf Anfrage darauf, dass es sich beim aktuellen Stand der Allokation um Planungen handele und die Konsultationen mit den Kunden noch nicht abgeschlossen seien.

Der Flughafen darf im Wesentlichen verteilen wie er will

Die komplette Neuverteilung von Fluggesellschaften an Flughäfen kommt nicht häufig vor. Entsprechend unklar sind die dabei anzuwendenden Regelungen. Von airliners.de dazu befragte Juristen sind unterschiedlicher Meinung, welchen gesetzlichen Bestimmungen die Allokation der Fluggesellschaften am BER unterliegt.

Demnach könne der Flughafen bei der Verteilung von Fluggesellschaften grundsätzlich schalten und walten, wie er möchte. Alles andere sei ansonsten eine Einschränkung seiner Eigentumsrechte. Dennoch könnten bei der Airline-Allokation je nach Größe und Marktposition wettbewerbsrechtliche Beschränkungen und je nach Sachlage im Einzelfall auch weitere Rechtsregeln hinzukommen.

Gleichwohl gelten ebenfalls gewisse Regelungen in Bezug auf die EU-Richtlinien und der deutschen Bodenverkehrsdiensteverordnung, die auch die Vergabe von Flächen und Räumlichkeiten an Flughäfen behandeln, allerdings immer aus dem Blickwinkel auf die Abfertigung sowie weitere Bodenverkehrsdienstleistungen.

Von: dh

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