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Das Luftfahrtjahr 2019 Strategien, Pleiten, Klimadiskussion und neue Flugzeuge

Das abgelaufene Jahr bringt Umwälzungen in der Luftverkehrsbranche. Germania fliegt nicht mehr, Condor fliegt noch, Lufthansa sucht ihre Strategie, Flugzeuge sorgen für Wirbel und die Klimadiskussion überschattet alles. Unser Jahresrückblick.

Das Wichtigste des Luftfahrtjahres 2019 im Überblick © airliners.de

Zu Silvester blickt airliners.de zurück auf das abgelaufene Luftfahrt-Jahr. 2019 hatte für die Luftverkehrsbranche Passagierrekorde und neue Flugzeuge zu bieten, war allerdings auch von etlichen Problemen geprägt. Spätestens nach der Klimadebatte und dem 737-Max-Groundling ist klar: So geht es nicht weiter. Jetzt stehen die Themen nachhaltige Antriebe und alternative Treibstoffe ganz oben auf der Agenda und die Behörden nehmen die Devise "Safety First" wieder stärker selbst in die Hand.

Klimadebatte - Der Luftverkehr am Pranger

Fridays For Future (Symbolbild) Foto: © Adobe Stock Nr. 269592310, Nicola

Das Klima war schlecht. Nicht nur das draußen, sondern auch das in der Branche. Die Umweltdiskussion war das überragende Thema. Es hat das gesamte politische Jahr dominiert und die Branche überrollt. Wichtigster Punkt für die Luftfahrtbranche: Die Erhöhung der Luftverkehrsteuer. Das Bundeskabinett hat nach langen Diskussionen schließlich im Oktober die Erhöhung der Luftverkehrsteuer auf den Weg gebracht: Sie soll ab April 2020 für Flüge bis zu 2500 Kilometer um 74 Prozent auf 13,03 Euro steigen, für Mittelstrecken bis 6000 Kilometer um 41 Prozent auf 33,01 Euro und für Fernflüge auf 59,43 Euro. Mit den Mehreinnahmen soll die Absenkung der Mehrwertsteuer auf Bahntickets auf sieben Prozent finanziert werden.

Die Erhöhung der Flugsteuer zugunsten der Eisenbahn hat scharfe Kritik seitens der deutschen Luftverkehrswirtschaft hervorgerufen. Die Erhöhung im "erneuten nationalen Alleingang" verschärfe massiv die Wettbewerbsverzerrung zu Lasten der deutschen Fluggesellschaften und Flughäfen, so der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL). Mit einer solchen gesetzlichen Schwächung der Investitionskraft der Branchenunternehmen schlage die Bundesregierung einen "völlig falschen Weg" ein. Wege für klimaschützende Investitionen in moderne emissionsärmere Flugzeugflotten und in Kraftstoffe auf Basis von erneuerbaren Energien würden mit der Steuererhöhung verbaut.

Für die Branche bedeutet die Steuererhöhung auch einen Misserfolg der Lobby-Bemühungen. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte sich zwar mehrfach dazu bekannt, die Mehreinnahmen zur Erforschung und Entwicklung klimafreundlicher Innovationen wie synthetischer Treibstoffe nutzen zu wollen. Innerhalb der Bundesregierung konnte sich der bayerische Minister damit allerdings nicht durchsetzen.

© Brützel, Lesen Sie auch: Das Klimakonzept der Bundesregierung – ein Armutszeugnis der Politik Aviation Management

Germania ist am Ende

Ein Passagier vor einem leeren Germania-Schalter. Foto: © dpa, Guido Kirchner

Anfang Februar war die finanzielle Schieflage zu groß: Germania meldete Insolvenz an und stellte den Flugbetrieb ein. Betroffen waren die Germania Fluggesellschaft GmbH, die Germania Technik Brandenburg GmbH sowie die Germania Flugdienste GmbH. Der Geschäftsbetrieb der Schweizer Germania Flug AG und der Bulgarian Eagle ging dagegen weiter.

Vor dem Aus rankten sich schon länger Gerüchte um die angespannte finanzielle Situation der Germania. Anfang Januar teilte die Airline noch mit, man prüfe aktuell verschiedene Optionen prüfe, "um den kurzfristigen Liquiditätsbedarf zu sichern". 2018 sei "mit großen Herausforderungen" verbunden gewesen. Germania nennt schließlich "massive Kerosinpreissteigerungen" während des Sommers bei gleichzeitiger Abwertung des Euros gegenüber dem Dollar sowie eine "außergewöhnlich hohe Anzahl technischer Serviceleistungen" an der eigenen Flotte als Belastungen für das Unternehmen.

Deutschlandweit hatte Germania mit zuletzt rund 3,4 Millionen Fluggästen zwar nur rund zwei Prozent des Angebots ausgemacht, doch an Airports wie Erfurt (72,5 Prozent), Rostock/Laage (46 Prozent) und Friedrichshafen (37,1 Prozent) hatte die Fluggesellschaft weit überdurchschnittliche Marktanteile, die mittlerweile aber fast allerorten neu aufgeteilt wurden.

© AirTeamImages.com, Simone Ciaralli Lesen Sie auch: So reagiert die Branche auf das Germania-Aus

Boeing in der Krise - 737 Max gegroundet, 777X geplatzt

Boeing 737 Max auf dem Boeing Field bei Seattle. Foto: © AirTeamImages.com, Bastian Ding

Nach dem zweiten Absturz einer Boeing 737 Max innerhalb eines halben Jahres wurde das Muster im März weltweit gegroundet. Seitdem ist der Hersteller in eine schwere Krise geraten, das Vertrauen von Behörden, Airlines und Passagieren in Boeing ist schwer beschädigt. Eine Besserung der Lage ist auch nach gut neun Monaten Grounding noch nicht in Sicht. Zuletzt gab die US-Luftfahrtbehörde FAA Boeing zu verstehen, dass sich die Wiederzulassung der 737 Max noch hinziehen kann. Gleichzeitig machte die FAA klar, sich nicht unter Druck setzen zu lassen. Boeing solle sich mit öffentlichen Äußerungen zum Zertifizierungsprozess zurückhalten.

Da offenbar auch Boeing selbst mittlerweile von einem eher monate- als wochenlangen Prozess ausgeht, soll die Produktion des Musters ab Januar sogar ausgesetzt werden. Entlassungen soll es vorerst nicht geben, doch der Zeitplan für die Wiederzulassung ist weiter ungewiss. Konzernchef Dennis Muilenburg ist nach massiver Kritik kurz vor Weihnachten zurückgetreten oder, laut Gerüchten, eher gegangen worden. Der Chef der Verkehrsflugzeugsparte, Kevin McAllister, sowie der Chefingenieur für Zivilflugzeuge, John Hamilton, sind ebenso aus dem Unternehmen ausgeschieden.

Auch bei der neuen Langstrecken-Hoffnung 777X läuft es derzeit nicht rund, bei Strukturtests versagte die Struktur rund um eine Tür - der Rumpf platzte. Außerdem muss General Electric noch bei den Triebwerken nacharbeiten. Die erste 777X soll nun erst 2021 ausgeliefert werden. Ursprünglich war 2019 geplant.

Ende eines Giganten - Airbus beschießt Produktionsende für A380

A380-Produktion bei Airbus. Foto: © AirTeamImages.com, Paul Marais-Hayer

Zum Schluss gab eine Auftragsreduzierung des wichtigsten Kunden Emirates den Ausschlag: Airbus gab im Februar bekannt, 2021 die Produktion der A380 einzustellen.

"Infolge der Emirates-Entscheidung gibt es keinen nennenswerten A380-Auftragsbestand mehr und damit keine Grundlage für eine Fortsetzung der Produktion - trotz aller Bemühungen unseres Vertriebs in den vergangenen Jahren, weitere Airlines als Kunden zu gewinnen", erklärte Konzernchef Tom Enders. Die Einstellung sei schmerzhaft, der Passagierjet werde aber noch viele Jahre lang am Himmel unterwegs sein. "Selbstverständlich werden wir die Betreiber der A380 auch weiterhin uneingeschränkt unterstützen."

Der doppelstöckige Passagierjet hat Airbus schon länger große Sorgen bereitet. In den vergangenen Jahren hatte kaum noch eine Fluglinie ein Modell geordert. Airbus drohten, die Bestellungen auszugehen. Der Konzern fuhr die Jahresproduktion zuletzt von zeitweise bis zu 30 Maschinen auf nur noch sechs Exemplare zurück.

© AirTeamImages.com, Paul Marais-Hayer Lesen Sie auch: Das sind die Reaktion auf das A380-Aus

Airbus mit Rückenwind - A321XLR-Programm sammelt Orders

Airbus A321 XLR Infografik Foto: © Airbus

Mitte Juni auf der Paris Air Show nutzte Airbus seine "Heimat-Messe" zu einer Ankündigung, die Konkurrent Boeing mittlerweile massiv weh tut: Der europäische Flugzeugbauer wird die große Schmalrumpfmaschine A321 zu XLR-Variante (eXtra Long Range) weiterentwickeln.

Das neue Flugzeug soll über 4700 nautische Meilen Reichweite verfügen, was 8700 Kilometer entspricht. Die Indienststellung ist für 2023 geplant. Ermöglicht wird die Reichweitensteigerung von 700 Meilen gegenüber der LR-Version durch eine Anhebung des maximalen Startgewichts auf nun 101 Tonnen mit einem modifizierten Fahrwerk. Außerdem sorgt eine geänderte Klappenkonfiguration für dieselbe Take-Off-Performance wie beim A321 LR. Bei enger Einklassenbestuhlung kann das Flugzeug bis zu 244 Passagiere transportieren.

Als Erstkunde wurde im Juni die Air Lease Corporation vermeldet, danach kamen allein während der Messe noch über 200 mehr oder weniger feste Bestellungen hinzu. Neben American Airlines haben auch Wizz-Air-Mutter Indigo und United mittlerweile große Bestellungen über jeweils 50 Maschinen getätigt, daneben haben auch Qantas, Air Asia und die chilenische Sky XLRs geordert.

© Airbus, Lesen Sie auch: Die A321 XLR kann Game Changer für Airlines und Airbus werden

Lufthansa - Strategieschwenk, Eurowings auf Kurzstrecke, eigenständige Brussels

Der oberste Lufthanseat Carsten Spohr arbeitete 2019 ausgiebig an der Strategie seines Unternehmens. Foto: © dpa, Daniel Bockwoldt

Die Lufthansa hat 2019 neben leichten Personalquerelen in der Kabine, die Personalchefin Bettina Volkens ihren Job kosten, vor allem mit ihren Airline-Töchtern Arbeit. Harry Hohmeister wird im Zuge der Umstrukturierungen zum starken Mann neben dem Kranich-Chefstrategen Carsten Spohr, er koordiniert künftig im Vorstandsressort "Commercial Passenger Airlines" die Netzwerkplanung, das Revenue Management, sowie Distribution und Sales für sämtliche Passagier-Airlines der Lufthansa Group.

Für die Kernmarke, die künftig wohl nur noch eine Airline unter vielen sein wird, berief der Konzern mit Patrick Staudacher ein neues Mitglied in die Chefetage. Er übernimmt zum Mai 2020 die neu ausgerichtete Position des "CFO & Head of Business Development", um der Führung und Weiterentwicklung der Lufthansa neue Impulse geben. Die Besetzung erfolgt laut Unternehmen vor dem Hintergrund der geplanten rechtlichen Verselbständigung der Lufthansa Airline.

Eurowings

Nach anhaltenden Verlusten bei der Punkt-zu-Punkt-Tochter Eurowings zog die Lufthansa bei ihrem Capital Markets Day im Juni die Reißleine. Zwar darf Eurowings als Marke weiter auf der Langstrecke präsent sein, die Airline an sich muss jedoch die kommerzielle Verantwortung für die Flüge an die Mutter abtreten. Operativ werden die Eurowings-Langstreckenflüge weiterhin von Sunexpress und Brussels Airlines durchgeführt. Damit soll sich der "Billigflieger" künftig auf sein Kerngeschäft, die Kurz- und Mittelstrecken, konzentrieren. Dafür soll auch die Flotte komplett auf Airbus A320 vereinheitlicht werden. Zum 1. März 2020 wird außerdem der CEO ausgetauscht: Der bisherige Chef von Sunexpress, Jens Bischof, übernimmt dann den Vorsitz der Geschäftsführung von Eurowings. Bischof bringt mit gut 30 Jahren Lufthansa-Erfahrung deutlich mehr Stallgeruch mit als sein Vorgänger Thorsten Dirks, der aus der IT-Welt zum Kranich kam. Dirks wechselt dafür in den Konzernvorstand und übernimmt das Ressort "IT, Digital & Innovation".

© Lufthansa Group, Lesen Sie auch: Lufthansas Umbau-Pläne für Austrian, Brussels und die Cargo-Sparte

Jens Bischof, Dieter Vranckx, Patrick Staudacher (v.l.n.r) Foto: © Lufthansa

Brussels

Gleichzeitig stoppte die Lufthansa Group auch die Integration von Brussels in Eurowings. Die Airline mit ihrem Hub in Brüssel und dem starken Afrika-Geschäft soll künftig enger mit den Netzwerk-Airlines des Konzerns, also Lufthansa Passage, Swiss und Austrian kooperieren. Hierfür soll die Marke "Brussels Airlines" erhalten bleiben, was viele in Belgien freuen dürfte. Airline-Chefin Christina Förster wird ab Januar ein neues Ressort im Vorstand der Konzernmutter übernehmen: "Customer & Corporate Responsibility". Mit Dieter Vranckx wird dann ein altgedienter Lufthanseat ihr Nachfolger. Der Belgier hatte seit 2001 mehrere leitende Positionen beim Kranich inne.

D328Neu - Große Ankündigungen in Leipzig

Vorstellung des Projekts "D328NEU" in Leipzig am 21.08.2019. Foto: © airliners.de, Dennis Kazooba

Auf der Nationalen Luftfahrtkonferenz in Leipzig wurden wenige Tage vor der Landtagswahl in Sachsen große Pläne verkündet. Die Dornier Do328 soll als "D328Neu" wiederbelebt werden. Das Flugzeug soll technisch modernisiert werden, der Hersteller 328 Support Services GmbH verspricht mehr Kapazität, leisere Propeller und weniger CO2-Emissionen. Die Basis bildet dafür die Dornier 328-100 Turboprop, die von 1992 bis 2005 von Fairchild Dornier in Oberpfaffenhofen gebaut wurde.

Nun soll die Endmontagelinie der D328Neu am Flughafen Leipzig/Halle für 80 Millionen Euro entstehen und 250 neue Arbeitsplätze bringen. Am Standort der 328 Support Services in Oberpfaffenhofen sollen die Entwicklung, Prototypenfertigung und Flugtests der neuen Version stattfinden, wofür weitere 120 Stellen im Engineering- und Technik-Segment geschaffen werden.

In den vergangenen Jahren wurde bereits mehrfach eine Wiederaufnahme der Fertigung des Musters von verschiedenen Firmen angekündigt, passiert ist jedoch nie etwas. Auch dieses Mal bleiben Beobachter skeptisch, denn seit der Leipziger Ankündigung im August gab es keinerlei weiteren Neuigkeiten vom Projekt. Auch auf Anfrage von airliners.de vom 17. Dezember reagierte die 328 Support Services nicht.

© airliners.de, Dennis Kazooba Lesen Sie auch: "D328Neu" soll in Oberpfaffenhofen entwickelt und in Leipzig gebaut werden

Condor nach Thomas-Cook-Pleite - Eine Airline sucht Anschluss

Die derzeitige Condor-Geschäftsführung gibt sich optimistisch, was die Zukunft des Ferienfliegers angeht: (v.l.n.r.) CEO Ralf Teckentrup, Detlef Specovius von der Kanzlei Schultze & Braun, Finanzchef Christoph Debus und der vorläufige Sachwalter Lucas Flöther. Foto: © airliners.de, Dennis Kazooba

Der britische Touristikkonzern Thomas Cook ging im September pleite. Der Konzern hatte weltweit knapp 21.000 Mitarbeiter. Die deutsche Airline-Tochter Condor konnte sich aber durch ein so genanntes Schutzschirmverfahren von der insolventen Mutter lösen. Da die Fluggesellschaft profitabel ist, erhielt Condor vom Bund und dem Land Hessen einen Überbrückungskredit in Höhe von 380 Millionen Euro. Damit kann der Flugbetrieb über den Winter fortgeführt und unter eigener Regie nach Investoren oder Käufern gesucht werden.

Innerhalb der Condor-Belegschaft ist nach dem Schock die Stimmung derweil wieder positiv und der Willen zur Erhaltung des Unternehmens sehr ausgeprägt, alle Flüge werden wie geplant durchgeführt. Auch das alte Logo mit dem stilisierten Kondor kommt zurück, da das Thomas-Cook-Herz aus markenrechtlichen Gründen nicht länger genutzt werden kann. Das Management verhandelt derzeit mit Interessenten und rechnet im besten Fall im Januar mit einer Entscheidung.

© airliners.de, Dennis Kazooba Lesen Sie auch: Warum die Condor-Spitze so optimistisch ist Hintergrund

…und ewig grüßt der BER

Ob es 2020 etwas wird? Blick in Richtung Abflugebene des BER. Foto: © Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, Günter Wicker

Ende November kam die Nachricht, die schon oft kam: Der BER soll mal wieder eröffnet werden. Diesmal ist der 31. Oktober 2020 vorgesehen. Damit würde sich die Eröffnung um neun Jahre verspäten. Zuvor war der Eröffnungstermin immer wieder wegen schwerer Baumängel verschoben worden. Für die fristgerechte Eröffnung des Erweiterungsbaus Terminal 2 will BER-Chef Engelbert Lütke Daldrup nach wie vor keine Garantie abgeben. Auch die Bundesregierung hat derweil ihre Pläne zum Neubau eines Regierungsterminals am BER vorerst gestoppt. Stattdessen soll das als Interimsbau geplante Terminal dauerhaft genutzt werden.

© Flughafen Berlin Brandenburg GmbH; Privat, Günter Wicker Lesen Sie auch: BER will an Halloween eröffnen Die Born-Ansage (125)

Von: hr

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