airliners.de Logo
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Lufthansa-Chef Carsten Spohr. © dpa / Boris Roessler

Personalvertretungen der Lufthansa-Airlines sowie von Condor und Tuifly haben sich in einem offenen Brief an die Bundesregierung, den Bundestag und die EU-Kommission gewandt. Darin beschweren sich Airline-Angestellten, dass die Bundesregierung ihren Einfluss auf das Lufthansa-Management nicht so geltend mache, wie es nach staatlichen Rettung des Unternehmens aus ihrer Sicht angemessen wäre.

Bereits im vergangenen Jahr habe man darauf hingewiesen, dass die Hilfsgelder von dem Konzern in Teilen dazu genützt würden, Tarifflucht zu organisieren "und zur Verdrängung von ebenfalls staatlich gestützten Fluggesellschaften verwendet werden." Dies sei inzwischen in vollem Gange, befindet das Schreiben. 1100 Lufthansa- und 300 Germanwings-Piloten stünden mittlerweile vor dem beruflichen Aus.

Innerhalb der Lufthansagruppe Arbeitsplätze zu untarifierten Konditionen zur Eurowings Discover verlagert "und die Not, der bereits entlassenen oder von Entlassungen unmittelbar bedrohten Kolleg:innen, beispielsweise von Sunexpress Deutschland und Germanwings, ausgenutzt." Das tarifierte Personal der Eurowings werde sich alsbald dem internen Wettbewerb mit der untarifierten Plattform Eurowings Discover stellen müssen.

Auch die mit staatlichen Milliarden gestützte Tui wird in dem Brief kritisiert. 230 Piloten seien entlassen worden, während nahezu zeitgleich eine Kooperation mit der lettischen Smartlynx bekannt wurde, um das Sommerprogramm zu bewältigen. Der Kostendruck wiederum, den Tui zur Begründung heranzöge, beruhe dabei zum Teil auch auf dem von Lufthansa mit der Discover-Gründung begonnen Verdrängungswettbewerb.

Ein offensichtliches Opfer sollte dabei aus Sicht der Angestellten Condor werden, wie die beabsichtigte, existenzbedrohende Aufkündigung des Vertrages über Zubringerflüge gezeigt habe. Nur der Eingriff von Wettbewerbskommissarin Vestager habe dies verhindern können, dennoch plane Lufthansa weiter, mit Discover ab Frankfurt in direkter Konkurrenz zu Condor zu fliegen.

Zudem verfolge man die Diskussion über mögliche Bonus-Zahlungen an das Lufthansamanagement mit Befremden. Für "diesen skandalösen und geschmacklosen Vorstoß" des LufthansaAufsichtsrates fehle den von der Krise hart getroffenen Airline-Mitarbeitern in Deutschland jedes Verständnis.

Diese seien vielmehr verwundert über die bisherige Tatenlosigkeit der Bundesregierung. "Wir als Arbeitnehmervertretung von rund 50.000 Mitarbeiter:innen der Lufthansa AG, Lufthansa Cargo AG, Lufthansa CityLine, Germanwings, Eurowings GmbH, LAT Bremen, Condor und Tuifly bitten Sie, Frau Bundeskanzlerin, Frau Kommissarin Vestager und Minister der Bundesregierung nochmals nachdrücklich, Ihren Einfluss im Aufsichtsrat der Lufthansa, aber auch bei allen anderen staatlich unterstützten Unternehmen zu geltend zu machen, um der rücksichtslosen Ausnutzung dieser Krise zulasten der Arbeitnehmer:innen ein Ende zu setzen", schließt der Brief.