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Auf der diesjährigen Aircraft Interiors Expo dreht sich viel um das Thema "Passenger Experience". © airliners.de / David Haße
Dieses Sitztablett macht induktives Laden an Bord möglich. © airliners.de / David Haße

Wenn sich die Luftverkehrsbranche einmal pro Jahr in Hamburg zur Aircraft Interiors Expo (AIX) treffen, geht es um die neuesten Entwicklungen und Trends rund um die Gestaltung und Ausstattung von Flugzeugkabinen. In diesem Jahr steht dabei vor allem ein Thema im Vordergrund: Internet an Bord und die damit verbundenen Möglichkeiten in Sachen Digitalisierung und Individualisierung.

Zumindest bei der Lufthansa war Internet im Flugzeug bislang eher ein Thema für die Langstrecke. Das ändert sich jetzt schlagartig: Acht Mittelstreckenflugzeuge gleichzeitig stehen derzeit pro Woche zur Umrüstung, wie airliners.de jetzt auf der AIX erfuhr. Schon nach Ostern sollen die allermeisten Mittelstreckenmaschinen bei Lufthansa und Eurowings "connected" sein.

Die Installation der Satellitenantenne auf dem Flugzeugdach sowie die Verkabelung der Onbord-Technik dauert im Schnitt vier Tage und ermöglicht später neben Passagierservices auch operationelle Online-Funktionalitäten von Live-Wetter bis hin zur "Blackbox in the Cloud", dem automatischen Übertragen von Echtzeit-Flugdaten ins Netz.

Trend zu mehr Individualisierung

Mit der Integration von Internet und WLAN in ihrer gesamten Flotte ist Lufthansa aber nicht allein. Viele Airlines bringen ihre Flugzeuge jetzt mit Nachdruck ins Netz, sagt Panasonic-Marketingchef John Norris: "In fünf Jahren wird Internet an Bord der Normalfall sein." Für die Airlines würden sich daraus bislang ungeahnte Möglichkeiten in Sachen Individualisierung ergeben.

© dpa, Christian Charisius Lesen Sie auch: In Hamburg startet die 16. Aircraft Interiors Expo

Den großen Trend zu immer mehr Personalisierung der Entertainmentprogramme an Bord wird derweil von verschiedenen Anbietern aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet. Traditionelle Inflight-Entertainment-Anbieter wie Panasonic setzen darauf, die Smartphones der Flugpassagiere intelligent mit dem Bord-Entertainment zu verknüpfen.

Passagiere können etwa schon vor dem Flug gewünschte Inhalte auswählen, die dann dynamisch ins Flugzeug geladen werden. An Bord synchronisieren sich dann persönliche Einstellungen wie etwa die Sprache, Schriftgrößen und mehr mit dem eingebauten Bildschirm. Eigene Geräte sollen an Bord als "Second Screen" genutzt werden.

Andere Anbieter setzen derweil auf die pragmatische Lösung "bring your own device". Ein Anbieter dafür ist Boardconnect von Lufthansa Systems. Das System wird derzeit in die Mittelstreckenflugzeuge bei Lufthansa und Eurowings eingebaut. Die von der Airline zur Verfügung gestellten Entertainment-Angebote oder auch die Verbindung zum Internet werden dabei über WLAN in der Kabine angeboten. Der Passagier nutzt zum Streamen oder Surfen sein eigenes Endgerät.

© Onair, Digital Passenger (3): Kein Flugzeugsitz ohne Stromanschluss

Wenn immer mehr Passagiere ihre eigenen Geräte an Bord nutzen, ergibt sich zwangsläufig auch ein anderes Problem: Die Geräte benötigen Strom und müssen aufgeladen werden. Wenn eine Airline Connectivity ins Flugzeug bringt, sollte sie also auch an die Stromversorgung an jedem Sitz denken. In Hamburg vorgestellt wurden hierzu nicht nur neue USB-Buchsen sondern unter anderem auch induktives Laden auf dem Sitztablett.

Laptop-Ban schreckt die Branche auf

Was aber passiert, sollten Laptops, Tablets und Smartphones eines Tages flächendeckend aus den Kabinen verbannt werden? Die USA und Großbritannien hatten zuletzt die Mitnahme von persönlichen Endgeräten auf bestimmten Routen untersagt. Eine abschließende Antwort konnte auch die AIX nicht liefern. Nur eines steht fest: Der Bann ist eine ernsthafte Bedrohung für die digitalen Ambitionen der Branche für mehr Zusatzgeschäft über Onlinedienste.

Denn die technischen Herausforderungen sind mittlerweile gelöst und zertifiziert, was nicht immer trivial war. Denn mehrere Endgeräte müssen im Flugzeug auf engstem Raum gleichzeitig mit dem Netz verbunden werden.

Filme streamen mit hohen Bandbreiten

Das schmälert zwangsläufig die für jeden Passagier zur Verfügung stehende Bandbreite. So wird es auch auf absehbare Zeit nicht unbedingt ohne Weiteres möglich sein, individuell Netflix-Filme in 4K-Auflösung im Flugzeug zu streamen, auch wenn die Bandbreite-Angaben der Satellitenanbieter dies auf den ersten Blick suggerieren.

Aber die Entwicklung in Sachen Verbindungsgeschwindigkeit im Flugzeug geht rasant weiter. Während Lufthansa ihre Flugzeuge aktuell nur mit einer vergleichsweise kleinen Bandbreite über sogenannte Ka-Band-Satelliten versorgt, können Airlines in Europa schon bald die Möglichkeit nutzen, Daten ungleich schneller von Funkmasten am Boden zu den Flugzeugen zu schicken. Das gibt es mit Gogo bereits seit etlichen Jahren in den USA. Jetzt wollen Inmarsat und die Telekom LTE-Signale von rund 300 Bodenstationen und Satelliten kombinieren.

© dpa, Wolfgang Zajc Lesen Sie auch: Lufthansa und Telekom investieren Millionen in Internet an Bord

Mit dem LTE-Signal kommen somit in absehbarer Zeit auch die Telekommunikations-Riesen ins Flugzeug. Ähnlich wie bereits in den USA erscheinen dann auch hierzulande Airline-übergreifende Flatrate-Angebote für den Internetanschluss an Bord für Mobilfunkkunden möglich. Und so sind sich die Experten für Kabinenausstattung in Hamburg allesamt sicher: Internet im Flugzeug wird über kurz oder lang so normal wie der Hotspot im Hotel.

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