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Die Turbofan-Studie für ein Wasserstoffflugzeug © Airbus

Der europäische Luftfahrtkonzern Airbus will bereits in 15 Jahren ein Passagierflugzeug mit Wasserstoffantrieb bauen. "Unser Ehrgeiz ist es, eine solche Maschine als erster Hersteller 2035 in Betrieb zu nehmen", sagte Konzernchef Guillaume Faury im vergangenen September bei der Präsentation einer Wasserstoff-Offensive des Konzerns.

Nun allerdings kommt heraus, dass dieser Zeithorizont allenfalls für ein sehr kleines Kurzstreckenflugzeug realistisch erscheint. Die meisten Verkehrsflugzeuge würden dagegen noch bis mindestens 2050 auf herkömmliche Antriebstechnologie angewiesen sein, zitiert "Reuters" aus einer Präsentation von Airbus vor der EU-Kommision.

Wasserstoff-A320 ab 2035 "ausgeschlossen"

Wie Airbus nun in einem EU-Briefing zum aktuellen Stand der Forschung und Entwicklung wasserstoffbetriebener Flugzeuge schreibt, erscheine es "ausgeschlossen", die Technologie in näherer Zukunft für einen Nachfolger der A320-Mittelstreckenfamilie einzusetzen, zitiert die Nachrichtenagentur aus den EU-Unterlagen.

Dabei hatte Airbus bei der Ankündigung seiner Wasserstoff-Offensive im vergangenen Jahr gleich mehrere Konzepte für ein Flugzeug ab 2035 vorgestellt, darunter eine Turbopropmaschine, ein traditionell aussehendes zweimotoriges Flugzeug mit Hybrid-Wasserstoff-Antrieb und ein radikaleres Nurflügler-Design. Alle Konzepte hatten dabei laut Airbus über 100 Sitze, also deutlich mehr als in einem kleinen Kurzstreckenflugzeug.

"Emissionsfreie Wasserstoff-Flugzeuge werden sich ab 2035 hauptsächlich auf Regional- und Kurzstreckenflugzeuge konzentrieren. Das bedeutet, dass aktuelle und zukünftige Iterationen von hocheffizienten Gasturbinen auf dem Weg zum Jahr 2050 immer noch benötigt werden, insbesondere für Langstreckenflüge", heißt es nun dagegen angeblich in der Präsentation.

Die Turboprop-Studie von Airbus für ein Wasserstoffflugzeug © Airbus

Das klang Ende vergangenen Jahres noch anders. Damals stellte Airbus zum einen ein Turbofan-Flugzeug mit 120 bis 200 Sitzplätzen vor, das heutigen Jets im grundsätzlichen Aufbau sehr ähnlich sieht und anfänglich mit einer Reichweite von 3700 Kilometern auch kurze Interkontinentalflüge schaffen soll. In einem modifizierten Gasturbinentriebwerk soll hier statt Kerosin Wasserstoff verbrannt werden.

Das sollte auch beim zweiten Konzept der Fall sein, einer Turbopropmaschine für den Kurzstreckenverkehr, die in ihrer Konfiguration den heutigen Mustern von ATR ähnelt. Als Schulterdecker mit Turboprop-Triebwerken, in denen ebenfalls Wasserstoff statt Kerosin verbrannt wird, sollen rund 100 Passagiere über 1850 Kilometer transportiert werden.

Der dritte Airbus-Entwurf war der radikalste: ein Nurflügler ("Blended Wing Body") für bis zu 200 Passagiere mit einer Reichweite um 4000 Kilometer. Der besonders breite Rumpf biete neue Optionen für die großen Wasserstofftanks und neue Kabinenkonzepte, so Airbus.

Förderungen in Milliardenhöhe

Bei der Präsentation im vergangenen September teilte Airbus mit, zur Realisierung seien Investitionen im zweistelligen Milliardenbereich notwendig. Das klimaneutrale Fliegen sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. "Nur im Schulterschluss mit Politik, Wissenschaft und Industriepartnern wird die Energiewende in der Luftfahrt gelingen", heißt es dazu in der Preäsentation von September.

Laut Reuters nahm zumindest das französische Finanzministerium einen A320-Nachfolger mit Wasserstoff als primärer Energiequelle, der 2033-2035 in Betrieb gehen könnte, daraufhin in die staatlichen Förderprogramme auf.

Wasserstoff gilt als wichtiger Baustein für eine klimafreundliche Energieversorgung. Denn bei der Nutzung entstehen keine Treibhausgase. Allerdings muss zur Herstellung zunächst mit großem Energieaufwand Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten werden. Klimaschonend ist dies nur, wenn dazu wiederum Strom ohne oder mit nur minimalen Treibhausgas-Emissionen während der Erzeugung verwendet wird, also zum Beispiel aus Sonne oder Wind.

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