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Airbus nach drittem Quartal tief im Minus, aber mit Hoffnung

Airbus verzeichnet im dritten Quartal einen Verlust von knapp 770 Millionen Euro. Eine Prognose wagt der Konzern nicht mehr, doch die A321 XLR ist ein Hoffnungsträger.

Ein Airbus A350 XWB fliegt bei einem Testflug über den Flughafen Hamburg-Finkenwerder, beobachtet von Airbus-Mitarbeitern. © dpa / Airbus B. Lange

Die Corona-Pandemie und der geplante Abbau tausender Jobs haben den Flugzeugbauer Airbus im Sommer tief in die roten Zahlen gerissen. Doch die Airbus-Spitze um Konzernchef Guillaume Faury sieht in der wohl bisher schwersten Krise der Luftfahrtbranche auch Grund zur Hoffnung.

So lieferte Airbus zuletzt wieder mehr Flugzeuge aus. Und es gelang dem Management, den milliardenschweren Geldabfluss vom ersten Halbjahr zu stoppen. Außerdem sollen in Deutschland und Frankreich weniger Jobs wegfallen als zunächst geplant.

Im dritten Quartal zogen vor allem Rückstellungen für den Stellenabbau den Airbus-Konzern tief in die Verlustzone. Weil das Unternehmen für die erwartenden Abfindungen 1,2 Milliarden Euro zur Seite legte, stand unter dem Strich ein Fehlbetrag von 767 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor hatte Airbus hier noch einen Gewinn von 989 Millionen erzielt.

Im laufenden Geschäft brach der Umsatz wegen der gebremsten Auslieferung von Passagierjets im Jahresvergleich um 27 Prozent auf 11,2 Milliarden Euro ein. Der um Sonderkosten bereinigte operative Gewinn (bereinigtes Ebit) sackte um 49 Prozent auf 820 Millionen Euro nach unten, fiel aber höher aus als von Analysten im Schnitt erwartet.

Kurzarbeitergeld rettet viele Jobs

Zudem konnte das Management den Geldabfluss im laufenden Geschäft stoppen. Auf die ersten neun Monate gesehen belief sich das Minus aber immer noch auf 11,8 Milliarden Euro. Für das vierte Quartal peilt Faury hier mindestens eine ausgeglichene Entwicklung an.

Dass es bisher nicht schlimmer kam, lag auch an dem Kurzarbeitergeld in den Airbus-Heimatländern Deutschland und Frankreich. Laut Finanzchef Dominik Asam wird der Konzern deshalb weniger Jobs streichen als ursprünglich geplant.

Weltweit dürften dadurch "ein paar Tausend Stellen" weniger wegfallen als die zunächst genannten 15 000, sagte der Manager. Außerdem werde der Konzern Mitarbeiter etwa bei der Forschung an Wasserstoffantrieben einsetzen, die von den Regierungen finanziell gefördert wird.

Airbus hatte die Verlängerung des Kurzarbeitergelds selbst gefordert und in Aussicht gestellt, dass dadurch 1500 der gefährdeten Jobs in Deutschland erhalten bleiben. Durch Forschungsgelder könnten weitere 500 Stellen gesichert werden, hieß es damals. Asam wollte sich aber noch nicht festlegen, wie es tatsächlich ausgeht.

Von den gefährdeten 15.000 Stellen auf der Liste entfielen 6000 auf die Verkehrsflugzeugsparte in Deutschland, davon 900 auf die Augsburger Konzerntochter Premium Aerotec, die auch in Norddeutschland mehrere Werke betreibt.

Weitere Vorhersagen zum laufenden Geschäftsjahr - etwa zur Zahl der auszuliefernden Flugzeuge, Umsatz oder operativem Ergebnis - wollte die Airbus-Führung nicht abgeben. Das ursprüngliche Ziel, in diesem Jahr 880 Verkehrsflugzeuge auszuliefern, hatte der Vorstand wegen der Krise bereits im Frühjahr gestrichen.

Hohe Barmittel, wenig Verschuldung

Finanzchef Asam sieht den Konzern aber gut aufgestellt, um auch eine lange Krise durchzuhalten. Airbus verfüge derzeit über Barmittel von 18 Milliarden und eine Nettoverschuldung von 0,2 Milliarden Euro, sagte er. Allerdings müsse das Unternehmen seine Kosten in den Griff bekommen für die Zeit, wenn das Kurzarbeitergeld ausläuft. Dies soll in Deutschland Ende 2021 der Fall sein.

Die Airbus-Führung rechnet zwar damit, dass sich die Nachfrage nach Kurz- und Mittelstreckenjets bis dahin etwas erholt. Doch das Geschäft mit Langstreckenflügen und neuen Großraumflugzeugen wie den Airbus-Typen A350 und A330neo dürfte erst später wieder anspringen. Derzeit wollen viele Airlines ihre bestellten Maschinen lieber erst mehrere Monate oder Jahre später abnehmen.

Beim kleinsten Langstreckenjet A321XLR sei dies aber nicht der Fall, sagte Asam. "Die Kunden, die die A321XLR bestellt haben, wollen die Maschine so schnell wie möglich haben." Das erste Exemplar des Jets soll im Jahr 2023 ausgeliefert werden. "Wir glauben, dass auf der Langstrecke erst kleinere Flugzeugtypen eingesetzt werden, um Strecken wieder zu eröffnen."

© dpa, Ted S. Warren/AP Lesen Sie auch: Boeing muss nach schlechtem Quartal weitere Stellen streichen

Von: dk, dpa

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