Airbus will kleine Langstreckenflugzeuge und plant CO2-freies Fliegen

Vor der Paris Air Show hat Airbus einen Ausblick auf kommende Projekte gegeben. So will der neue Konzernchef Faury Fliegen klimaneutral machen. Zunächst aber drückt Airbus einen kleinen Langstreckenflieger in den Markt.

Guillaume Faury. © Airbus

Der neue Airbus-Chef Guillaume Faury schürt angesichts der allgemeinen Klima-Debatte die Hoffnung auf neue Flugzeuge ohne CO2-Ausstoß. "Sehen wir einen Weg dorthin? Ja, das tun wir", sagte der Manager am Freitagabend vor Beginn der weltgrößten Luftfahrtmesse vor Journalisten in Paris.

Der Druck komme bereits von Passagieren, Politikern und Bürgern. "Das ist die Herausforderung dieses Jahrhunderts, und wir wollen dabei mitmachen." Daher müsse das Unternehmen jetzt die notwendigen Technologien entwickeln.

Auf einen möglichen Zeitplan wollte sich Faury aber nicht festlegen. "Wir wissen es nicht wirklich." So müsse die Sicherheit in der Luftfahrt an erster Stelle stehen. Jede Technik müsse reif genug sein, wenn sie auf den Markt komme. Airbus werde solch neue Technik erst bei kleineren Flugzeugen einsetzen und später auf immer größere Maschinen übertragen.

Offen sei noch, ob große Flugzeuge mit CO2-freiem Antrieb riesige Batterien an Bord haben müssten. Vielleicht müsse man stattdessen auf eine andere Energiequelle setzen.

© Airbus, Lesen Sie auch: Eine batteriebetriebene Luftfahrt wäre eine radikal andere

Aktuell erforscht Airbus mit Rolls-Royce und Siemens einen hybrid-elektrischen Antrieb und will dazu einen fliegenden Demonstrator auf Basis eines Avrojets in die Luft bringen. Ursprünglich war der Erstflug für 2020 vorgesehen, ist mittlerweile jedoch für 2021 avisiert.

Airbus erwägt nach Berichten der Nachrichtenagentur Bloomberg, eine hybrid-elektrische Version der A320 einzuführen. In rund 15 Jahren könnte das Flugzeug die Nachfolge für die A320-Neo-Familie antreten. Das Vorhaben hänge aber laut Insidern auch davon ab, was Boeing für die Zukunft plant.

Langstrecken-A321-Neo soll Boeing schnell Konkurrenz machen

Derweil geht es zunächst einmal konventionell weiter. Dabei setzt Airbus auch auf kleinere Langstreckenflugzeuge. In dem Markt hat Airbus aktuell die Nase weit vor Boeing, die mit Problemen bei mit der Weiterentwicklung ihrer Boeing 737 zur Max zu kämpfen haben.

Airbus-Verkaufschef Christian Scherer lockte nun vor der Pariser Luftfahrtmesse mit der Aussicht auf eine Super-Langstreckenversion des Verkaufsschlagers A321 Neo. Die bereits existierende Langstreckenversion A321 LR könne bis zu 4000 Seemeilen (7400 Kilometer) weit fliegen, sagte Scherer. "Sie könnte in naher Zukunft noch eine größere Reichweite bekommen."

Bereits seit Monaten befeuert Airbus Gerüchte über die Entwicklung einer Super-Langstreckenversion A321 XLR (für "Extra Long Range"). Diese würde den Mittelstreckenjet A321 Neo für Flüge aus Mitteleuropa bis in die Mitte der USA hinein rüsten. Damit könnte Airbus einen Markt abdecken, den Rivale Boeing ebenfalls im Auge hat.

© AirTeamImages.com, Lesen Sie auch: Viel Interesse an zusätzlicher Reichweite für den Airbus A321 Neo

Boeing will dafür ein mittelgroßes Flugzeug entwickeln, das größer ist als der Airbus A321 Neo, aber kleiner als Großraumjets wie Boeings 787 "Dreamliner". Allerdings haben die Amerikaner trotz jahrelanger Beratungen noch nicht beschlossen, ob sie das "New Midsize Aircraft" tatsächlich entwickeln und bauen werden. Boeing-Chef Dennis Muilenburg hatte jüngst bekräftigt, dass der Flieger, der inoffiziell bereits den Namen Boeing 797 trägt, bis zum Jahr 2025 fertig sein könnte.

Derzeit ist Boeing aber noch stark mit der Aufarbeitung der Krise um seinen modernisierten Mittelstreckenjet 737 Max beschäftigt, für den nach zwei Abstürzen mit 346 Toten ein weltweites Flugverbot gilt. Der wohl zu schnellen Entwicklung der 737 Max bei Boeing war die Ankündigung von Airbus für eine neue Motorisierung für die A320-Familie vorangegangen.

Von: dh mit dpa

Lesen Sie jetzt
Themen
Airbus Industrie Strategie Management F&E Technik Le Bourget