Airbus stellt emissionsarme Flugzeuggeneration in Aussicht

Airbus-Chef Guillaume Faury will bis 2035 ein neuartiges, emissionsarmes Verkehrsflugzeug in die Luft bringen. Die Technologien dafür sollen auch in Deutschland entwickelt werden. Von der Politik fordert Airbus dazu passende Rahmenbedingungen.

Guillaume Faury. © dpa / Sebastian Kunigkeit

Airbus will bis 2035 ein hybrid-elektrisches Verkehrsflugzeug in die Luft bringen. "Es ist an der Zeit, eine neue Generation von Flugzeugen zu bauen", sagte Airbus-CEO Guillaume Faury am Donnerstag auf einer Veranstaltung des Vereins Hamburger Wirtschaftsjournalisten und des Mediennetzwerks Luft- und Raumfahrt.

Die Antriebstechnologien befänden sich aktuell in einem tiefgreifenden Veränderungsprozess, so Faury. Dabei sei auch noch nicht klar, welche Flugzeugdesigns sich schlussendlich durchsetzen könnten. Aber das Ziel sei klar: "Wir wollen die Treibstoffeffizienz durch Innovationen weiter vorantreiben", sagte Faury.

Airbus werde das erste emissionsarme Verkehrsflugzeug bauen, kündigte Faury an und erklärte, dass bei der Erforschung innovativer Antriebe der Forschungsstandort Deutschland und vor allem die Luftfahrt-Metropolregion Hamburg eine besondere Rolle spielen werde. Der Airbus-Chef erwartet, dass sich in der zweiten Hälfte des kommenden Jahrzehnts erste serienreife Ansätze herauskristallisieren werden.

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"Es wird dabei verschiedene Antriebe geben", prognostiziert Faury. Je nach Bedarf könnten bestimmte Fluggeräte dann elektrisch von Brennstoffzellen oder Batterien angetrieben werden, während andere beispielsweise auf Hybrid-Lösungen und die Verbrennung von Wasserstoff oder auch synthetische Kraftstoffe setzen.

Klimadiskussion als Chance für die Branche

Dass die Klimadiskussion die Branche in diesem Jahr mit medialer Wucht getroffen hat, verbucht Faury dabei sogar als Chance. "Wir begrüßen das und sehen das als Gelegenheit, unsere Zukunftsvision eines CO2-neutralen Luftverkehrs vorzustellen." Eine Steigerung der Effizienz und damit auch die Senkung der Umweltauswirkungen stünden bei Airbus bereits seit vielen Jahren ganz oben auf der Agenda.

Aber der Airbus-CEO sieht auch die Politik in der Pflicht. Die Energiewende könne nicht ohne entsprechende politische Rahmenbedingungen umgesetzt werden. "Auch hybrid-elektrische Flugzeuge benötigen Energie", so Faury: "Wir brauchen die Massenproduktion von Wasserstoff oder PTL-Treibstoffen." Dazu benötige es intensiven politischen Willen und Investitionen.

Wichtig sei, dass die neuen CO2-neutrale Technologien auch in der Zulieferkette komplett ohne fossile Primärenergiequellen auskommen. Der Strom für Elektroflugzeuge oder für die Erzeugung von Wasserstoff dürfe beispielsweise nicht aus der Kohleverstromung kommen. Das selbe gelte für die Herstellung von synthetischen Treibstoffen.

Airbus-CEO plädiert für Beimischquoten

Es sei schon heute kein technisches Problem mehr, synthetische Treibstoffe in Flugzeugtriebwerken einzusetzen. "Was fehlt ist die Zulieferkette und eine europäische oder besser weltweite politische Regulierung zur Beimischung", mahnt der Airbus-Chef. Zudem fehlen die politischen Rahmenbedingungen. "Die Zulieferer sind bereit, aber weil es noch keinen Markt gibt, kostet PTL noch zu viel." Airbus unterstütze daher eine verbindliche Beimischungsquote, aber nur, sofern diese nicht zu Wettbewerbsverzerrungen bei den Airlines führe.

Zugleich setzte sich der Airbus-CEO auch für das Icao-Umweltprogramm Corsia ein. "Wir sollten als Industriesektor die Implementierung von Corsia unterstützen", so Faury. Damit werde erstmals weltweit ein verlässlicher Rahmen für eine großflächige Einführung transparenter Ausgleichsmaßnahmen gesetzt.

"Alle müssen sich ändern"

Es sei gut, dass die junge Generation für den Umweltschutz auf die Straße gehe, sagte Faury in Hinblick auf die "Fridays for Future"-Demonstrationen. "Die jungen Leute haben alles Recht, zu demonstrieren."

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Man dürfe aber in der Diskussion nicht den Fehler machen, allein den "Zwei-Prozent-Guy" zu beschuldigen, so Faury in Anspielung auf den Anteil des CO2-Ausstoßes der weltweiten Luftfahrt. "Wir als Industrie nehmen unseren Anteil sehr ernst." Bei der Klimawende komme es aber darauf an, dass sich alle ändern. Allein die CO2-Emissionen aus der Nutzung des Internets seien doppelt so hoch wie der aus dem weltweiten Luftverkehr.

Von: dh

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