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Airbus-Flugzeuge sollen zukünftig weniger Sprit fressen

Je weniger Sprit ein Flugzeug braucht, desto mehr Geld kann eine Airline sparen. Das macht Druck auf Flugzeughersteller wie zum Beispiel Airbus. Der Konzern versucht, mit verschiedensten Mitteln seine Maschinen zu modernisieren.

Ein Airbus A380 der Lufthansa fliegt scheinbar ganz dicht am zunehmenden Mond über Frankfurt/Oder vorbei. © dpa / Patrick Pleul
Sharklet an einer A330-900neo (Animation) © Airbus
Mit Bio-Sprit betankter Airbus A321 © Airbus

Ein Flugzeug verdient nur Geld, wenn es in der Luft ist - und dabei sollte es möglichst wenig Kerosin verbrauchen, damit die Airline Kosten sparen kann. Moderne Maschinen haben außerdem den positiven Nebeneffekt, die Umwelt zu schonen. Solche Flugzeuge müssen aber erst einmal gebaut werden - zum Beispiel von Airbus.

Durch neue Technologien will der europäische Konzern seine Maschinen effizienter machen. Darum arbeitet Airbus jetzt im Rahmen eines neuen Programms mit verschiedenen Partnern zusammen. Das Ziel: Fliegen soll nachhaltiger werden, damit die selbst gesteckten Umweltziele der Branche erreicht werden können.

Es geht aber natürlich auch darum, Flugzeuge noch effizienter und somit attraktiver für Kunden machen. Folgerichtig dreht sich großer Teil des Programms darum, den Spritverbrauch von Flugzeugen zu senken. "Es gibt in absehbarer Zukunft keine andere praktikable Energiequelle für Flugzeuge", hieß es von Airbus kürzlich auf einem "Umwelttag" in Toulouse, zu dem auch airliners.de eingeladen war.

Das sind die Umwelt-Ziele der Luftfahrtbranche

Airbus gehört - gemeinsam mit den wichtigsten Flugzeug- sowie Triebwerksherstellern und etlichen Branchenorganisationen - der Air Transport Action Group (ATAG) an, die sich Ziele in Sachen Umweltschutz gesetzt hat.

So will die Luftfahrtbranche es bis 2020 schaffen, beim CO2-Ausstoß wieder das Niveau von 2005 zu erreichen. Bis 2050 soll der Wert im Vergleich zu 2005 sogar halbiert werden, obwohl bis dahin mehr geflogen wird.

Klima-Ziele der ATAG, Foto: © ATAG

Technische Neuerungen machen dabei wie man sieht nur einen sehr kleinen Teil der CO2-Einsparungen aus: Ein wesentlicher Bestandteil der Bemühungen kommt aus dem Einsatz von Biokerosin.

Aerodynamik-Forschung für weniger Spritverbrauch

So arbeitet der Flugzeughersteller im Rahmen des Programms an Neuerungen im Bereich der Aerodynamik, die den Kerosin-Verbrauch senken sollen. Weiterentwickelte Sharklets sollen die Luftverwirbelungen verringern, die an der Spitze der Flügel entstehen. Um den Luftwiderstand der gesamten Maschine geringer werden zu lassen, experimentiert Airbus derzeit mit Riblets. Dabei handelt es sich um Metallplatten mit Unebenheiten, ähnlich der Haut eines Hais.

Die Rillen sind so fein, dass ein einzelnes menschliches Haar dazwischen passt. Airbus räumt jedoch ein, dass der Luftwiderstand maximal um 1,5 Prozent verringert werden kann, abhängig vom Flugzeugtyp. Im nächsten Jahr soll ein Testflugzeug mit Riblets zum Einsatz kommen.

Airbus setzt außerdem auf Neuerungen im Cockpit. So kann sich der Pilot vom Bordcomputer einer A350 den bestmöglichen Zeitpunkt zum Ausklappen der Landeklappen berechnen lassen, um Sprit zu sparen.

Neue Motoren-Technologie erst in ferner Zukunft

Der Spritverbrauch kann natürlich auch durch bessere Triebwerke gesenkt werden. Darum hat sich Airbus den Motorenhersteller Rolls Royce als Projekt-Partner für das Programm geholt. Mittel- und langfristig sollen Flugzeuge mit der "Open-Rotor"-Technologie ausgestattet werden. Laut Rolls Royce brauchen diese Motoren 20 Prozent weniger Sprit als die heutigen Standard-Triebwerke. Airbus will die Technik nach 2020 testen.

In noch weiterer Zukunft ist der Einsatz von Hybrid-Antrieben. Kleinflugzeuge mit reinem Elektro-Motor will der Flugzeugbauer jedoch schon bald in Serie anfertigen.

Biosprit: keine Ersparnis beim Verbrauch, dafür CO2-neutraler

Ein weiterer Teil des Airbus-Programms ist der Einsatz von "nachhaltigen" Treibstoffen. Dabei wird zwar der Verbrauch nicht gesenkt, aber Biotreibstoff dient dennoch dem Ziel des umweltbewussten Fliegens: Biosprit gilt als CO2-neutral, weil bei der Verbrennung nur so viel klimaschädliches Kohlendioxid entsteht, wie die Pflanzen beim Wachstum der Atmosphäre entzogen haben. Allerdings wird bei dieser Argumentation oft vergessen, dass auch Anbau und Herstellungsprozess von Biosprit fossile Energien verbrauchen.

© Emirates, Lesen Sie auch: Emirates fordert sparsamere A380

Jedenfalls ist der alternative Sprit von der Machbarkeit her ein realistisches Szenario, zahlreiche Airlines haben das bereits getestet. "Wir stehen erst am Anfang", räumt Eileen van den Tweel jedoch bei dem Termin in Toulouse ein. Sie ist Managerin bei KLM. Die niederländische Airline ist ein weiterer Projekt-Partner von Airbus. Zurzeit sei der Alternativsprit noch zu teuer, so van den Tweel.

Ein EU-Programm sieht aber vor, dass bis 2020 jährlich zwei Millionen Tonnen nachhaltiger Flugzeugtreibstoff produziert werden sollen. Das wären immerhin vier Prozent des Gesamtverbrauchs der europäischen Luftfahrt.

"neo"-Flugzeuge fressen weniger Kerosin

Während die genannten Technologien zum Teil Gedankenspiele der Zukunft sind, ist es die "neo"-Generation von Airbus-Flugzeugen nicht. "Neo" steht für "new engine option", die Maschinen besitzen also sparsamere Triebwerke. Folglich werden die Emissionen verringert. Laut Airbus ist der CO2-Ausstoß pro Sitzplatz bei einer A320neo um 20 Prozent niedriger als beim Vorgängermodell A320 mit herkömmlichen Triebwerken. Die erste A320neo soll noch in diesem Jahr ausgeliefert werden.

Der erste Airbus A320neo auf ihrem Erstflug am 25.09.2014. Foto: © Airbus,

Airbus steckt nach eigenen Angaben jährlich zwei Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung. Der Konzern hatte im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn von 2,3 Milliarden Euro eingefahren. Der Umsatz betrug mehr als 60 Milliarden Euro.

Von: airliners.de

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