Airbus will Flugzeuge im Schwarm fliegen lassen

Biomimicry ist eine Disziplin, die sich Lösungen aus der Natur abschaut. Airbus will mit dem Projekt "fello'fly" die Formationen von Zugvögeln zum Standard für große Verkehrsflugzeuge machen und so Treibstoff sparen. Der technische Fortschritt macht es möglich.

Grafk von Airbus zum fello'fly-Projekt. Eine A350 nutzt die Aufwinde einer wenige Kilometer vorausfliegenden A380. © Airbus

Airbus hat im Rahmen der Dubai Air Show ein neues Forschungsprojekt mit dem Namen "fello'fly" vorgestellt, mit dem Verkehrsflugzeuge ihren Energie-Verbrauch um bis zu zehn Prozent senken könnten. Die Idee: Zwei oder mehr Flugzeuge fliegen ähnlich wie Zugvögel in V-Form hintereinander. Das hintere Flugzeug kann dabei die Energie nutzen, die ein Führungsflugzeug durch die Verwirbelungen an den Tragflächenspitzen verliert, da durch die Kreisbewegung der Luft Aufwind entsteht. So kommt es mit weniger Schub durch die Triebwerke aus.

Airbus teilte mit, dass die technische Lösung, an der man arbeite, neue Pilotenassistenzfunktionen bereithalten müsse. Diese seien notwendig, damit ein Flugzeug sicher im Aufwind eines Führungsflugzeugs positioniert bleibe und dabei den gleichen Abstand in konstanter Höhe beibehalte. Schon kleine Abweichungen könnten bedeuten, dass es entweder zu keinem Effekt kommt oder sogar das Gegenteil eintritt. Denn je nach Position hinter einem Flugzeug produziert der Luftstrom keine Auf- sondern Abwinde.

Üebrsicht zum Projekt fello'fly Foto: © Airbus

Airbus will bereits 2020 mit zwei A350 Flugtests beginnen. Angesichts des hohen Potenzials für positive Umweltauswirkungen für die Branche strebe man einen ehrgeizigen Zeitplan für einen kontrollierten Entry-Into-Service an, der vor Mitte des nächsten Jahrzehnts erwartet wird, so der Flugzeugbauer.

Airbus sieht in dem Projekt eine Chance für die Branche, gemeinsames Umwelt-Engagement zu zeigen

Der Flugzeugbauer sieht sich und die ganze Branche in der Pflicht, auch auf den ersten Blick unkonventionelle Ideen ernsthaft zu prüfen. In der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (Icao) und dem Ausschuss für den Umweltschutz in der Luftfahrt (CAEP) hätten sich Hersteller und Airlines zu klaren Zielen der Emissionsminderung bekannt. Dafür brauche es innovative Ansätze. "Es ist eine großartige Gelegenheit für unsere Industrie, ein gemeinsames Engagement für die Reduzierung des Einsatzes fossiler Brennstoffe zu zeigen," sagte Nick Macdonald, "fello'fly"-Demonstartor-Leader bei Airbus.

Macdonald sieht gute Umsetzungschancen für das Projekt, da die Treibstoffersparnis durchaus signifikant sei. Auf einem normalen Flug könnten mehrere Tonnen eingespart werden. Die Vorteile des "wake-energy retrieval" - dem Fachbegriff für das Fliegen im Aufwind - werden seit Jahrzehnten beschrieben. Vor einigen Jahren begann Airbus, die Vorteile der Wake-Energy-Rückgewinnung für Verkehrsflugzeuge zu untersuchen. Im Jahr 2016 zeigten eine Reihe von Flugtests, dass signifikante Treibstoffeinsparungen erzielt werden können, wenn zwei Flugzeuge etwa drei Kilometer entfernt fliegen - ohne den Passagierkomfort zu beeinträchtigen.

Bisher war die Technologie des Flugverkehrsmanagements jedoch noch nicht ausgereift genug, um Flugzeuge so nah beieinander im Luftraum fliegen zu lassen. Laut Airbus würden derzeit jedoch bedeutende technologische Verbesserungen Einzug halten - einschließlich der Echtzeit-Flugverfolgung. Diese und weitere Innovationen hätten den Weg für die Entwicklung von "fello'fly" geebnet. Ziel des Projektes sei es, die technische, betriebliche und wirtschaftliche Tragfähigkeit der Wake-Energy-Rückgewinnung für Verkehrsflugzeuge nachzuweisen. Sicherheit habe dabei natürlich oberste Priorität.

Die Airbus-Zukunftsvision ist nicht neu - Schon 2012 stellte Airbus das Konzept "Fliegen im Schwarm" vor. Foto: © Airbus 2012

Von: dk

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