Airbus: Drei Viertel aller neuen Maschinen werden Single-Aisle-Jets

Airbus schätzt den weltweiten Bedarf an neuen Flugzeugen auf fast 40.000 Stück. Rund 75 Prozent davon entfallen laut der Prognose auf Single-Aisle-Jets. Viele Maschinen werden auch benötigt, um ältere Jets zu ersetzen.

Endmontage im Airbus-Werk in Tianjin. © Airbus

Airbus rechnet in den nächsten 20 Jahren mit einem weiter steigenden Bedarf an Verkehrsjets. In den Jahren 2019 bis 2038 würden weltweit voraussichtlich 39.210 neue Passagier- und Frachtmaschinen benötigt, teilte Europas größter Flugzeughersteller mit. Bei den Passagierflugzeugen bezieht sich Airbus auf Typen mit mindestens 100 Sitzplätzen.

Das sind rund 1800 Maschinen mehr, als 2018 für die folgenden zwei Jahrzehnte vorausgesagt. Bei den Passagierflugzeugen bezieht sich Airbus auf Typen mit mindestens 100 Sitzplätzen. Die weltweite Flugzeugflotte dürfte sich demzufolge bis zum Jahr 2038 auf fast 48.000 Jets mehr als verdoppeln, schätzt Airbus. Konkurrentin Boeing prognostizierte den Bedarf auf 44.000 Flugzeuge in 20 Jahren.

Asien wird zum wichtigsten Markt

Der Luftverkehr werde im jährlichen Schnitt voraussichtlich um 4,3 Prozent wachsen, sagte Airbus-Marktexperte Bob Lange. Hintergrund sei die wachsende Mittelschicht in Weltregionen wie Asien. "Wenn die Menschen mehr verdienen, werden sie mehr reisen." In Indien werde sich der Flugverkehr bis zum Jahr 2038 fast verfünffachen, schätzt man bei Airbus.

Aus der Region Asien-Pazifik erwartet der Flugzeugbauer einen Großteil der Nachfrage - mit insgesamt mehr als 16.500 neuen Jets in den kommenden 20 Jahren. Das sind mehr als in Europa und Nordamerika zusammen.

75 Prozent werden Mittelstrecken-Jets

Der Großteil der erwarteten Auslieferungen entfällt auf die Mittelstreckenjets wie den Airbus A320 Neo und Boeings Krisenjet 737-Max. Sie stehen für gut drei Viertel der prognostizierten Nachfrage. Allerdings gilt für die Boeing 737-Max seit März nach zwei tödlichen Abstürzen ein weltweites Flugverbot, dessen Ende noch offen ist.

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"Wir erwarten, dass wir in diesem Segment einen Marktanteil von mehr als 50 Prozent halten können", sagte Scherer. Dabei rechne er nicht damit, dass neue Wettbewerber - etwa aus China oder Russland - eine nennenswerte Rolle im Markt spielen werden.

Airbus hat unterdessen im Februar das Produktionsende für den weltgrößten Passagierjet A380 beschlossen und seine Marktprognose jetzt anders gegliedert. Verkaufschef Scherer spricht jetzt nur noch von kleinen Typen wie dem Airbus A320 Neo, mittleren wie dem Airbus A330 und großen wie dem Airbus A350. Das Segment der großen Jets macht mit 4120 Maschinen in 20 Jahren rund zehn Prozent der erwarteten Nachfrage aus.

Die "sehr großen" Flugzeuge - darunter bisher der Airbus A380 und Boeings Jumbo-Jet 747-8 erfasst Airbus nicht mehr als eigenständiges Segment.

Bedarf an Flugzeugen in den kommenden Jahren
Flugzeugkategorien
Small 29720
Medium 5370
Large 4120

Die Grafik zeigt die neue Einteilung der von Airbus präsentierten Flugzeugklassen nach ihrer Größe. Airbus unterscheidet die Segmente: Small (Airbus A320/B737), Medium (A321neo-LR oder B767-200) und Large (A350, B787).Quelle: Airbus

Trotz prall gefüllter Auftragsbücher rechnet die Airbus-Führung nicht damit, die Flugzeug-Auslieferungen in den kommenden beiden Jahren wesentlich auszuweiten. Der Hersteller werde 2020 und 2021 zahlenmäßig eine Pause einlegen, weil die Komplexität der Produktion durch neue Modelle zunehme, hatte Konzernchef Guillaume Faury gesagt. Für 2019 peilt er weiterhin 880 bis 890 Auslieferungen an.

Airbus-Auftragsbücher bis 2024 voll

Erreicht Airbus dieses Ziel, könnte der Konzern erstmals seit Jahren mehr Flugzeuge an die Kundschaft bringen als Erzrivale Boeing und den US-Konzern somit als Branchenführer überholen. Boeing steckt wegen seiner Unglücksjets 737 Max in einer schweren Krise. Faury zufolge hat sein Konzern davon aber keine Vorteile. Denn die Airbus-Produktion sei bis 2024 ausgebucht.

Die zuletzt gesunkene Zahl der Flugzeug-Bestellungen im Vergleich zu den starken Vorjahren beunruhige ihn nicht, sagte Scherer nun. Nach einigen starken Jahren mit viel mehr Aufträgen als Auslieferungen könne man sich einige schwächere Jahre leisten. Dauerhaft mehr Bestellungen zu haben, als man abarbeiten könne, wäre auch keine gesunde Entwicklung, argumentierte er.

Von: br, dpa-AFX

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