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Die Airbus Beluga 2 in Hamburg-Finkenwerder. © Fabian Kühne

Lautes Piepen durchdringt die Halle, gelbe Warnleuchten blinken auf. Soeben ist der A300-600ST mit der Kennung F-GSTB in die Verladehalle geschleppt worden. ST steht für "Super-Transporter". Sein Spitzname: "Beluga" – nicht ohne Grund, denn dem tierischen Vorbild sieht der Flieger recht ähnlich.

Nach dem Aufbocken öffnet sich auch schon der riesige Schlund des Airbus-Fracht-Arbeitstiers und gibt den Blick auf den riesigen Laderaum frei. "Beluga"-Ground-Coordinator Hans-Jörg Martens drückt auf einem großen Touchscreen-Monitor routiniert auf einige Schaltflächen.

Das Siemens Simatic Multi Panel hat diverse Einstellungsreiter mit vielen grün, rot, blau und grau hinterlegten Bedienflächen. Unzählige Millimeterangaben stehen auf dem Bildschirm, die die Toleranzen für die unterschiedlichen Andockpunkte fürs BIR anzeigen. BIR steht für "Beluga" Interface Rack".

Millimetergenaue Ausrichtung

Martens erklärt: "Das BIR ist das erste Teil, das die "Beluga" umschließt – der erste Teil der Rollenantriebe zum Entladen der "Beluga". An das BIR schließt das Mobile Rack an. Es ist seitlich verfahrbar. Damit wird die Ladung in den Hangar gebracht. Dieses Mobile Rack muss millimetergenau auf das BIR ausgerichtet werden, damit alles auf einer Flucht ist. Nur so kriegen wir die Ladung problemlos raus und wieder rein."

Ground Coordinator Hans-Jörg Martens steuert die Entladung des "Beluga"-Frachters. Foto: © Fabian Kühne

Plötzlich fängt es zu ruckeln an: Das BIR bringt sich in Position. Martens ist dafür verantwortlich, dass das Be- und Entladen der Transportmaschine schnell und reibungslos klappt. "Zwischen Ankunft und Abflug einer "Beluga" liegen gerade mal 80 Minuten. In dieser Zeit müssen wir alles erledigt haben", so Martens. Oftmals ist der "Beluga"-Zeitplan so getaktet, dass kurz nach dem Abflug der einen "Beluga" schon die nächste im Anflug auf den Werksflughafen Finkenwerder ist.

Insgesamt fünf "Beluga"-Maschinen sind im Dauerbetrieb, die älteste ist 24 Jahre alt, die jüngste 17. Sie pendeln zwischen den innereuropäischen Airbus-Standorten hin und her.

Tragflächen und Höhenleitwerke werden transportiert

Die "Beluga" mit der Nummer 2, die in der Halle steht, kommt gerade aus Toulouse. Gleich geht es zurück nach Toulouse mit einem Zwischenstopp in Saint-Nazaire. In Hamburg-Finkenwerder kommen unter anderem Tragflächen aus Großbritannien und Höhenleitwerke aus Spanien für die A320-Montage an. Von hier aus gehen dann wiederum Rumpfsegmente für die A320-Familie, die A330 und A350 nach Toulouse.

Beladung eines "Beluga"-Frachters bei Airbus. Foto: © Fabian Kühne

Gerade ist eine Tonne an uns vorbeigerollt. Martens erklärt: "Die bringen das jetzt weg und machen das für die Takt-Crew zugänglich, damit die das im Werk gleich wieder verteilen können. Und im gleichen Atemzug bringen sie uns die Ladung für die nächste "Beluga" rein. So geht das den ganzen Tag rein und raus."

Der Ground Coordinator übernimmt die Fracht

Martens hält die rote Bedieneinheit für den Rollenbetrieb in der Hand. Er übernimmt beim Entladen die Fracht ab dem Moment, in dem sie die "Beluga" verlässt. Umgekehrt verhält es sich beim Beladen: Bis zur Außenkante des BIR ist der Ground Coordinator zuständig.

Doch für alles, was im Inneren der Maschine vor sich geht, gibt es den Flight Engineer, der zusätzlich zu den beiden Piloten mit an Bord der Maschine ist. Er steuert den Rollenantrieb innerhalb der "Beluga" mit einem Bedien-Panel, das sich links neben dem großen Touchscreen-Monitor befindet, an dem Martens die Einstellungen vornimmt.

Die alten "Belugas" gehen in den Ruhestand

Die Tage des Flight Engineers sind jedoch gezählt. Bald wird es ihn nicht mehr geben, weil auch für die "Belugas" vom Typ A300-600ST die Tage gezählt sind. Sie werden nach und nach in ihren wohlverdienten Ruhestand geschickt.

An ihre Stelle tritt die "Beluga XL", die auf dem Typ A330 basiert und noch mehr Platz bietet. Im Juli hat die erste "Beluga XL" ihren Erstflug absolviert, ab dem kommenden Jahr soll sie regulär eingesetzt werden.

Das Cockpit der neuen Frachtmaschine bietet dann nur noch Platz für die beiden Piloten, nicht mehr jedoch für den Flight Engineer. Seine Aufgaben übernehmen fortan Loadmaster, so wie es bei Frachtairlines ja schon seit langem üblich ist. Momentan werden die neuen Kollegen von den Flight Engineers in die Kunst der richtigen Beladung eingewiesen.

Mehr Platz in der "Beluga XL"

Die neue Maschine hat mehr Platz im Frachtraum: Damit lassen sich beispielsweise gleich zwei A350-Tragflächen mitnehmen anstatt wie bisher nur eine – eine Verdoppelung der Kapazität. Aus diesem Grund wird die "Beluga XL" zunächst auch eher selten nach Hamburg kommen, dafür deutlich häufiger nach Bremen, wo die Tragflächen für die A330 und A350 ausgerüstet werden. Bei den in Hamburg hergestellten Rumpfsektionen fällt die erhöhte Kapazität nicht so sehr ins Gewicht.

Doch Hamburg ist bereit für die "Beluga XL". Weil sie höher ist als die alte ST, wurde die gesamte Hallenkonstruktion umgebaut und höhenvorstellbar gemacht: BIR und Mobile Rack können für die Ent- und Beladung um 70 Zentimeter nach oben oder unten gefahren werden – je nachdem, ob eine alte oder eine neue "Beluga" anrollt.

Dies war der erste größere Umbau der Halle, die es erst seit vier Jahren gibt. Noch bis 2014 wurden die "Belugas" im Freien per Cargoloader be- und entladen.

© Airbus, Jane Widdowson Lesen Sie auch: Airbus baut Nachfolger für Transporter "Beluga"

Die "Beluga" wird weiter beladen. Durch eine Falltür im Bauch der Riesenmaschine geht es in den unteren Frachtraum. Allzu groß darf man hier nicht sein, ansonsten muss man sich ducken. Nur wenige Meter sind es bis ins Cockpit, wo Kapitän Frédéric Lafaurie und sein Kollege gerade im Flight-Briefing sind. Aus Saint-Nazaire – dem nächsten Zwischenstopp ihrer Strecke – kommt die Info, dass entgegen der ursprünglichen Planung nicht getankt werden kann. Die zusätzliche Treibstoffmenge muss also hier in Finkenwerder aufgenommen worden. Abgesehen davon läuft aber alles planmäßig.

Spezialtraining für die neue Maschine

Für die "Beluga XL" müssen Lafaurie und seine Kolleginnen und Kollegen noch ein neues Type-Rating machen, allerdings ein ganz spezielles, das mehr Zeit in Anspruch nimmt: Die Besonderheiten dieser Frachtmaschine lassen sich nicht vollständig im Simulator nachempfinden, hier ist ein spezielles Training nötig, sagt Lafaurie.

Nach etwa einer Stunde ist die Verladung abgeschlossen. Die Piloten schließen die Falltür und nehmen letzte Vorbereitungen vor. Das BIR setzt zurück. Der Pushback beginnt. Und die "Beluga" macht sich mit ihrer Fracht auf den Weg nach Frankreich. Schon bald wird sie wieder in Finkenwerder landen.

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