Airbus macht Anleger mit guten Aussichten glücklich

Airbus hat einen Lauf: Die A320-Neo-Familie läuft wie geschnitten Brot und die Probleme des A380 sind langsam abgehakt. Auch die Boeing-Krise hilft den Europäern. Analysten sehen Airbus' wirtschaftliche Aussichten sehr positiv.

Airbus-Logos ©, Airbus / P. Pigeyre/master films

Während US-Flugzeugbauer Boeing in seiner wohl schwersten Krise steckt, kann sein europäischer Rivale Airbus bei Kunden und Aktionären punkten. Auch Probleme in der Produktion gehen die Europäer jetzt entspannter an. Den Titel des größten Flugzeugbauers der Welt dürften sie in diesem Jahr ohnehin einheimsen. Was bei Airbus los ist, was Analysten sagen und was die Aktie macht.

Das ist los beim Unternehmen

Ausgerechnet im Jahr seines 50-jährigen Bestehens steht der Flugzeugbauer Airbus vor dem Sprung an die Weltspitze. Mit Jubel hält sich die neue Konzernführung um den seit April amtierenden Vorstandschef Guillaume Faury jedoch zurück. Denn die Abstürze zweier Boeing-Jets mit 346 Toten, die im März ein weltweites Startverbot für alle Maschinen des Typs nach sich zogen, machen die Rekordjagd für Airbus fast zum Selbstläufer. Und die tragischen Unglücke taugen nicht als Anlass für Siegerposen.

Dabei hatte das Jahr auch für Airbus mit dem Eingeständnis eines Fehlschlags begonnen. Der weltgrößte Passagierjet A380 verkauft sich einfach nicht mehr. Nachdem auch Großkundin Emirates abgesprungen ist, lässt Airbus die Produktion des Riesenjets im Jahr 2021 auslaufen - nur 14 Jahre nach dem Erstflug. Finanziell hat Airbus die A380-Wehen bereits verdaut. Ohnehin hätte die Produktion des doppelstöckigen Fliegers wegen der zuletzt geringen Stückzahlen dem Hersteller anhaltende Verluste gebracht. Kein Wunder, dass Analysten die Entscheidung im Gegensatz zu Luftfahrt-Enthusiasten mit Wohlwollen aufnahmen.

Denn das Geld verdient Airbus woanders: im Massengeschäft mit den modernisierten Mittelstreckenjets der A320-Neo-Reihe und zunehmend auch mit dem Großraumjet Airbus A350. Der Erfolg der A320 Neo war es auch, der Boeing zu einer Neuauflage seines Mittelstreckenjets 737 trieb - und dazu, die Grenzen des technisch Möglichen auszutesten.

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Ohnehin war Boeing mit der 737 Max später dran als Airbus, und bei der Zahl der Neubestellungen holten die Amerikaner den Rückstand nie auf. Doch nach dem Absturz zweier 737 Max mit insgesamt 346 Todesopfern folgten im März weltweit Startverbote für den Flugzeugtyp. Wann das Modell wieder abheben darf, ist noch immer offen. Boeing hat die Produktion gedrosselt und baut die Flieger seit März nur noch auf Halde.

Bei den Neubestellungen wächst der Vorsprung des Airbus A320 Neo in diesem Zuge angesichts der Boeing-Krise immer weiter. Erst Ende Oktober orderte der indische Billigflieger Indigo auf einen Schlag 300 Jets der A320-Neo-Reihe. Die Produktion bei Airbus ist bereits bis ins Jahr 2024 ausgebucht.

Da kann Airbus-Chef Guillaume Faury es locker sehen, dass der Konzern sein ursprüngliches Produktionsziel in diesem Jahr wohl verfehlen wird. Statt 880 bis 890 Verkehrsflugzeuge dürfte Airbus in diesem Jahr nur etwa 860 Maschinen an die Kunden ausliefern, gestand das Management Ende Oktober ein. Grund sei, dass der Einbau der neuartigen Kabinenausstattung deutlich länger dauere als bei der herkömmlichen Version. Die Airbus Cabin Flex (ACF) genannte Kabinenvariante schafft in der längeren Flugzeugversion A321 Neo Platz für noch mehr Passagiere.

Gefragt ist die neue Kabine vor allem bei den Langstreckenvarianten des Fliegers, der A321 LR und A321 XLR. Vor allem mit der für das Jahr 2023 geplanten XLR, die problemlos von Mitteleuropa bis in die USA fliegen können soll, ist Airbus dem Rivalen Boeing in die Parade gefahren. Denn der US-Konzern wollte für solche Strecken eigentlich einen neuen, mittelgroßen Jet entwickeln - bisher New Midsized Aircraft (NMA) genannt. Doch das Desaster um die 737 Max hält die Amerikaner bisher davon ab, das Projekt anzuschieben. Airbus' zeitlicher Vorsprung wächst dadurch noch weiter.

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Das sagen die Analysten

Branchenexperten sind große Fans von Airbus. Der Höhenflug der Aktie ist für die meisten Analysten noch nicht vorbei. Von den 14 im dpa-AFX-Analyser erfassten Branchenexperten raten zehn zum Kauf der Airbus-Aktie, die übrigen tendieren zum Halten der Papiere. Kein einziger würde das Papier verkaufen. Im Schnitt sehen die Analysten den Kurs auf dem Weg zu gut 140 Euro. Damit liegen sie immer noch über dem jüngsten Rekordhoch.

Am meisten traut Goldman-Sachs-Analyst Chris Hallam der Aktie zu. Wenn sie tatsächlich sein Kursziel von 158 Euro erreicht, wäre das ein Zuwachs von fast 17 Prozent zum aktuellen Kurs. Auch Barclays-Analystin Milene Kerner, die mit einem Kursziel von 155 Euro kaum weniger optimistisch ist, zeigte sich von der Kürzung des Auslieferungsziels für 2019 wenig überrascht. Schließlich gehe es dabei praktisch nur um eine Verschiebung. Für einen weiteren Anstieg des Aktienkurses im kommenden Jahr sei es aber entscheidend, dass der Hersteller die Probleme beim Einbau der neuen Kabinenausstattung in den Griff bekomme.

Am pessimistischsten zeigten sich mit Blick auf die Airbus-Aktie der Experte des Analysehauses Jefferies, Sandy Morris, der mit einem Kursziel von 110 Euro aufwartet. Neben dem Ziel für die Auslieferungen habe Airbus auch die Prognose für den freien Barmittelzufluss gesenkt, bemängelte er.

Das macht die Aktie

Für die Airbus-Aktionäre waren die vergangenen Jahre eine Erfolgsgeschichte - trotz aller Schwierigkeiten. In den vergangenen drei Jahren stieg der Kurs der Aktie an der Pariser Börse auf fast das Zweieinhalbfache. Vor allem nach dem Aus für die A380 und glänzenden Geschäftszahlen ging es für die Aktie in diesem Jahr immer weiter aufwärts - bis auf ein Rekordhoch von 137,32 Euro Mitte November. Seit dem Jahreswechsel hat das Papier inzwischen um mehr als 60 Prozent zugelegt.

Trotz des Höhenflugs ist Airbus an der Börse aber immer noch viel weniger wert als Boeing. Zwar brach der Aktienkurs des US-Konzerns seit dem zweiten Absturz und dem Flugverbot um bis zu ein Viertel ein, hat sich aber inzwischen ein Stück weit erholt. Insgesamt kam der US-Konzern zuletzt auf eine Marktkapitalisierung von umgerechnet 186 Milliarden Euro. Airbus bleibt mit zuletzt gut 105 Milliarden Euro Börsenwert eine deutlich kleinere Nummer.

Mit seiner zwölfstelligen Marktkapitalisierung lässt Airbus aber immerhin fast alle der 30 Dax-Konzerne hinter sich. Einzig der Softwareriese SAP ist an der Börse mit 150 Milliarden Euro deutlich mehr wert. Dass Airbus dennoch nicht im wichtigsten deutschen Aktienindex vertreten ist, liegt daran, dass ein Großteil der Aktien an der Pariser Börse gehandelt wird und nicht auf dem elektronischen Handelssystem Xetra der Deutschen Börse. Hierzulande lag das Rekordhoch der Airbus-Papiere mit 137,42 Euro sogar einen Tick über dem von Paris.

Im französischen Börsenbarometer Cac 40 sowie im Eurozonenleitindex EuroStoxx 50, die beide von der Mehrländerbörse Euronext berechnet werden, zählt Airbus derweil zu den Schwergewichten.

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Von: hr, dpa-afx

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