Airbus will das Ticketpreis-Risiko für Airlines minimieren

Die global operierenden, großen Airlines sind es gewohnt, sich gegen alle möglichen Kostenfallen mit Termingeschäften abzusichern. Airbus will das Konzept nun auf die Einnahme-Seite ausdehnen. Davon würde der Flugzeugbauer doppelt profitieren.

Börsenhandel © Adobe Stock, 101771474 / Rawpixel.com

Die Airbus-Tochter Skytra will in Kürze Hedging-Finanzprodukte veröffentlichen, mit denen sich Fluggesellschaften gegen den Verfall von Ticketpreisen absichern können. Die im Mai 2019 in London gegründete und vollständig in Airbus-Besitz befindliche Finanzagentur plant, noch in diesem Jahr Finanzterminkontrakte (Futures) und Optionen-Verträge an der Börse auszugeben und dabei auch als zertifizierte Handelsplattform (Skytra MTF) zu fungieren.

Die neuen Finanzprodukte basieren auf von Skytra entwickelten Indizes, die täglich die Entwicklung der Ticketpreise in Dollar pro Passagierkilometer jeweils für die drei Regionen Europa, Nordamerika und Asien/Pazifik abbilden. Die Datenbasis für die Inidzes würde 80 Prozent aller weltweit geflogenen Passagierkilometer abdecken, so der Finanzdienstleister. Die Ergebnisse sollen den Airlines zudem als Benchmark für die Einnahmeentwicklung dienen und so das Risikomanagement durch präzisere Vorhersagemöglichkeiten verbessern.

Vorhersagen zur Ticketpreisentwicklung sind bisher sehr schwierig

Einnahmerisiken abschätzen zu können stellt nach Ansicht von Airbus ein großes Problem für die Fluggesellschaften dar. Die Ticketpreise seien sehr volatil und bis zu 90 Prozent der Tickets würden weniger als 90 Tage vor Abflug verkauft, so der Flugzeugbauer. Dadurch hätten die Anbieter nur begrenzt eine Ahnung davon, wie sich ihre Einnahmen in einem längeren Zeitraum voraussichtlich entwickeln, was langfristige Entscheidungen wie den Kauf neuer Flugzeuge erschwere.

© Screenshot: Skyscanner, Lesen Sie auch: Was kostet eigentlich ein Flug? (3) Aviation Management

Die meisten großen Airlines hätten viel Expertise, sich auf der Kostenseite mit Hedging-Geschäften abzusichern, beispielsweise für Treibstoffkosten oder Währungsschwankungen, so Airbus. Für die Einnahmen gebe es jedoch weder Instrumente zur Risikoabschätzung noch zur -absicherung. Dies würde immer wieder zu großen Herausforderungen vor allem beim Cash Flow führen. Eine Infrastruktur entsprechender Finanzprodukte sei daher überfällig und werde von Airbus nun erstmals eingeführt.

Auch die Branche scheint dem neuen Ansatz durchaus aufgeschlossen gegenüber zu stehen. So wird die Leiterin der Finanzabteilung von Finnair, Christine Rovelli, mit den Worten zitiert "endlich werden wir über ein auf die Luftfahrtindustrie zugeschnittenes Risikomanagement-Instrument verfügen." Es werde dabei helfen, die Abhängigkeit von den Ticketpreisen effizienter zu steuern.

© Lufthansa, Lesen Sie auch: Airlines sichern sich beim Ölpreis ab

Das Finanzprodukt wird laut Skytra den typischen Futures-Kontrakten ähneln, die an den meisten Börsen mit vierteljährlichen Laufzeiten gehandelt werden und Kontrakte mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren anbieten. Die Genehmigung der britischen Aufsichtsbehörde Financial Conduct Authority für die Ausgabe der Scheine werde in den nächsten Monaten erwartet. Auf den Markt sollen sie dann gegen Ende des Jahres kommen. Matthew Tringham, Mitbegründer von Skytra, erwartet, dass die Airlines "bis zu 85 Prozent" der Lücke zwischen Kosten und Einnahmen mit den Termingeschäften überbrücken werden.

Das gesparte Geld können die Airlines gleich bei Airbus investieren

Auch wenn diese Zahl zumindest für den Anfang etwas hoch gegriffen scheint, könnte sich das Skytra-Geschäftsmodell für Airbus doppelt lohnen. Als Anbieter der Finanzprodukte kann am Handel mitverdient werden. Und wohl noch wichtiger: Das verbesserte Risikomanagment soll auch zu größerer Investitionssicherheit für die Airlines führen, wovon auch die Zahl und Verlässlichkeit von Flugzeugbestellungen profitieren dürfte.

Die von Skytra angekündigten Hedging-Instrumente Futures und Optionen sind sogenannte Derivate. Der Preis eines Derivats hat seinen Ursprung in einem anderen Finanzprodukt wie Aktien, Indizes oder Anleihen. Dessen Preis bildet das Derivat ab und profitiert so vom zukünftigen Preisanstieg oder -Verfall seines Basisprodukts. Dabei ist es so ausgerichtet, dass sein Preis den des Basisprodukts überproportional nachvollzieht und daher für die Absicherung von Wertverlusten eingesetzt werden kann. Die möglichen Gewinnspannen sind hoch, oftmals jedoch auch die Risiken. Der Derivatehandel sieht sich daher oft mit Kritik einer übermäßigen Spekulation konfrontiert.

Von: dk

Lesen Sie jetzt

Lesen Sie mehr über

Rahmenbedingungen Fluggesellschaften Management Kapitalmarkt Wirtschaft Airlines Strategie Industrie Airbus Kennzahlen Bestellungen & Auslieferungen Skytra