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Das 1000. Flugzeug der A320-Neo-Familie wurde im Oktober 2019 an Indigo ausgeliefert. © Airbus / Bengt Lange

Airbus muss im Dezember insgesamt 135 Flugzeuge ausliefern, um sein selbstgestecktes Ziel von 860 Maschinen zu erreichen. Das geht aus der aktuellen Aufstellung der Orders & Deliveries hervor. Ursprünglich wollte der Flugzeugbauer im Gesamtjahr sogar 880 bis 890 Maschinen schaffen, dieses Ziel hatte der neue CEO Guillaume Faury jedoch etwas zurechtgestutzt.

Den Europäern liegen bis Ende November Neubestellungen über insgesamt 940 Flugzeuge vor. Zieht man die Stornierungen ab, bleiben netto immer noch 718 bestellte Maschinen. In der Statistik ragt der A321 Neo als Verkaufsschlager heraus, vom größten Schmalrumpf-Airbus wurden in diesem Jahr insgesamt 440 Einheiten geordert.

Die Krone geht nach Toulouse

Unabhängig vom Erreichen der eigenen Auslieferungs-Zielmarke werden sich die Europäer dieses Jahr mit dem Titel des größten Flugzeugbauers der Welt schmücken können. Boeing hat die Auslieferungen der 737 Max nach dem Grounding nämlich komplett gestoppt. Zuvor waren noch 121 der Maschinen an Kunden übergeben worden. Ohne die Umsatzbringer der "Brot und Butter"-Baureihe haben die Amerikaner aber keine Chance mehr, ihre Position als größter Flugzeugbauer zu behaupten.

Auslieferungen 2019
Typ Auslieferungen
A320 578
B737 119
A330 45
B787 125
A350 96
B777 36
A380 6
B747 6
B767 16

Die Grafik zeigt die ausgelieferten Maschinen von Airbus (bis Ende November 2019) und Boeing (bis Ende Oktober 2019). Quelle: Airbus, Boeing

Die letzten verfügbaren Boeing-Zahlen sind zwar einen Monat älter als die Airbus-Daten und fallen allein deshalb etwas kleiner aus. Boeing kommt jedoch bis Ende Oktober demnach nur auf 302 ausgelieferte zivile Flugzeuge. Damit ist bereits jetzt klar, dass die Krone der Flugzeugbauer dieses Jahr nach Toulouse geht.

Bei den Bestellungen sieht es noch düsterer aus, der Auftragsbestand schrumpft. Boeing vermeldet zwar insgesamt 180 Bestellungen für neue zivile Flugzeuge. Werden dabei aber die Abbestellungen berücksichtigt, bleibt ein Minus von 110 in der Bilanz, der Auftragsbestand ist in diesem Jahr also deutlich geschrumpft.

Bestellungen 2019
Typ Bestellungen
A320 667
B737 -202
A330 56
B787 43
A350 65
B777 38
A380 -70
B747 0
B767 11

Die Grafik zeigt die bestellten Maschinen von Airbus (bis Ende November 2019) und Boeing (bis Ende Oktober 2019). Quelle: Airbus, Boeing

Airbus will stabiler liefern

Bei Airbus steht für den restlichen Dezember an, das Jahr gut zu beenden. Durch das Ziel von 860 Flugzeugen steht der Konzern unter selbst erzeugtem Druck. Bis Ende November waren erst 725 Flugzeuge ausgeliefert. Das entspricht rund 84 Prozent der angepeilten Jahresleistung. Damit muss im Dezember rund doppelt so viel ausgeliefert werden wie im Jahresmittel der Monate. Bei Airbus ist eine große Auslieferungswelle zum Jahresende nichts neues, die ist Belegschaft daran gewöhnt. Allerdings sind 135 Flugzeuge eine hohe Zielmarke.

Airbus-CEO Faury hatte Anfang November auch wegen Problemen mit dem neuen Kabinen-Layout der A321 namens Airbus Cabin Flex (ACF) die Auslieferungsziele reduziert. Der Einbau der neuartigen Kabinenausstattung dauert deutlich länger als bei der herkömmlichen Version. Die ACF-Kabine schafft in der A321 Neo Platz für noch mehr Passagiere.

© Airbus, M. Lindner Lesen Sie auch: Airbus versetzt Mitarbeiter für A321 Neo nach Hamburg

Das Hochfahren der Produktion der A320-Neo-Familie insgesamt stellt ebenso eine Herausforderung dar. Für die Steigerung der Fertigungsraten setzt Airbus mittlerweile verstärkt auf Roboter. Momentan sorgt diese Umstellung noch für Verzögerungen. Statt auf Masse legt Faury den Fokus daher nun auf Klasse. Er will die Fertigung stabilisieren und gibt sich mit 860 Auslieferungen im Gesamtjahr zufrieden.

Wenn die 737 Max zurückkommt, dann mit Wucht

Dass der Titel als größter Flugzeugbauer der Welt kein allzu großer Grund zur Freude in Europa ist, liegt vor allem an den hunderten auf Halde produzierten 737 Max, die mittlerweile sogar einige für Autos vorgesehene Parkplätze rund um die Boeing-Werke füllen. Nach aktueller Lage der Dinge wird es wohl nicht mehr allzu lange dauern, bis die Behörden das Grounding der 737 Max beenden.

Boeing hat längst mit den Vorbereitungen begonnen, all diese Maschinen nach der Freigabe wieder flott zu machen und schnellstmöglich an die Betreiber zu übergeben. An den Auslieferungen hängt schließlich nicht nur viel Geld, sondern auch das Ende von Kompensationszahlungen für Verdienstausfälle der Airlines.

Boeings Deliveries werden also aller Voraussicht nach im kommenden Jahr sehr kräftig in die Höhe schnellen und den Konzern wieder zum größten Flugzeugbauer der Welt machen. Sollten sich allerdings weitere Verzögerungen bei der Wiederzulassung der Max ergeben, könnte 2020 doch noch ein weiteres Krisenjahr für Boeing werden.

Denn die Amerikaner haben noch andere Baustellen. Ab Ende 2020 wird die Produktion der 787 wegen des globalen Handelsumfeldes für zunächst zwei Jahre auf zwölf Maschinen pro Monat gedrosselt. Zudem hat Boeing die erste Auslieferung der 777X nach technischen Problemen auf Anfang 2021 verschoben. Der Erstflug ist für Anfang kommenden Jahres geplant.

© dpa, Elaine Thompson/AP Lesen Sie auch: Boeing halbiert Gewinn, drosselt 787-Produktion und verschiebt 777X

Insgesamt stehen die Flugzeugbauer auf der anderen Seite des Atlantiks also vor größeren Herausforderungen als ihre Kollegen diesseits des großen Teichs. Sollten sich die Zeitpläne jedoch so umsetzen lassen, wie momentan prognostiziert, wird Boeing 2020 wieder weltweit größter Produzent von Verkehrsflugzeugen.

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