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Archivfoto: Maschinen der Air Berlin stehen am ehemaligen Drehkreuz Berlin-Tegel. © dpa / Paul Zinken

Im Poker um die insolvente Air Berlin geht es offenbar in die heiße Phase. Wie ein Airline-Sprecher der Nachrichtenagenturen Reuters sagte, sollen Angebote zur Übernahme des Pleite-Carriers noch bis zum 13. September angemeldet werden können. Demnach solle der Gläubigerausschuss in seiner Sitzung am 15. September bereits eine Entscheidung fällen.

Mitglieder des Gläubigerausschusses

Die Gremien setzt sich aus fünf Vertretern der wichtigsten Gläubigergruppen zusammen: der Bundesagentur für Arbeit, die das Insolvenzgeld an die rund 8000 Mitarbeiter zahlt; der Commerzbank als Vertreter der Kreditgeber; der Kanzlei CMS Hasche Sigle, die die Interessen der Leasinggeber wahren soll; und von Eurowings, da die Airline den größten Anteil der von Lufthansa bei Air Berlin geleasten Flugzeuge beheimatet. 

Ein Insider gab laut Reuters allerdings zu bedenken, der Terminplan sei "extrem stramm" und es könne zu Verschiebungen kommen. "In Anbetracht der stetig wachsenden Liste von Kaufinteressenten kann das Ganze länger dauern", erklärte ein weiterer Branchenkenner.

Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann hatte vergangene Woche gesagt, dass man noch im September eine Lösung finden wolle. Er begründete dies in einem Interview auch damit, dass Air Berlin schon seit Monaten einen starken Partner sucht.

Dienstag und Mittwoch weitere Gespräche

Neben der Lufthansa Group, die bis zu 90 Maschinen der Konkurrentin übernehmen möchte, hat die Bundesregierung am Wochenende auch die beiden Billigflieger Easyjet und Ryanair als Kaufinteressenten genannt.

© airliners.de, David HaßeLesen Sie weiter: Wer für Air Berlin bietet Überblick

Am Dienstag (29. August) trifft sich Formel-1-Legende Niki Lauda mit Sachverwalter Lucas Flöther. Am Mittwoch (30. August) werden Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl und Ryanair-Chef Michael O'Leary zu Gesprächen in der Hauptstadt erwartet. Wöhrl, O'Leary und Lauda hatten allesamt Interesse an einer Übernahme angemeldet.

Politiker gegen Ryanair

Berlins Regierungschef Michael Müller (SPD) lehnt indes den irischen Low-Cost-Carrier als Käufer der Air Berlin ab. "Ryanair ist ein arbeitnehmerfeindliches Unternehmen. Das Geschäftsmodell ist frühkapitalistisch", sagte der SPD-Politiker dem "Tagesspiegel".

Müller bekräftigte erneut seine Unterstützung für die Lufthansa Group. "Ich glaube, es ist für alle Beteiligten unstrittig, dass bei mehreren seriösen Bewerbern die Lufthansa für Verlässlichkeit steht, auch weil sie ihr Geschäft am Luftverkehrsstandort Berlin ausgeweitet hat", sagte Müller.

Andere Politiker auf Bundesebene hatten sich ebenfalls schon deutlich für den Kranich-Konzern ausgesprochen. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) und -wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) sagten unisono in Interviews, dass ein "deutscher Champion" geschaffen werden müsse. Zypries bekräftigte später, dass der Bund sich aus dem Verkaufsprozess um Air Berlin heraushalte.

Berlin habe ein Interesse daran, ein gutes Flughafenangebot machen und viele Verbindungen anbieten zu können. "Dafür steht die Lufthansa", so der Regierungschef.

Air Berlin streicht Langstrecken in Tegel

Unterdessen stutzt die Airline ihr Langstrecken-Angebot ab Berlin weiter zusammen. So fallen zum 17. September und zum 1. Oktober die beiden täglichen Verbindungen von Berlin nach Abu Dhabi weg, dem Drehkreuz des Großaktionärs Etihad. Die arabische Fluggesellschaft gewährt Air Berlin keine Finanzspritzen mehr, daraufhin hatten die Berliner vor zwei Wochen den Insolvenzantrag gestellt.

Verteilung der Flüge ab den Berliner Flughäfen
Angaben in Prozent
Air Berlin
(inklusive Niki)
30.7
Easyjet 13.1
Ryanair 12.6
Lufthansa 8.5
Eurowings
(inklusive Germanwings)
8.0
Weitere
Airlines
27.1

Diese Grafik zeigt die Verteilung der Flüge ab den Berliner Flughäfen Schönefeld und Tegel im laufenden Sommerflugplan basierend auf der Anzahl angegebener Frequenzen. "Weitere Airlines" sind alle mit einem Anteil von weniger als zwei Prozent. Alle Angaben sind gerundet. Quelle: CH Aviation, Stand: 29. August 2017

"Wir streichen verlustreiche Strecken", sagte ein Sprecher. Zum 30. September fällt auch die Verbindung Berlin-Chicago weg, die Flüge nach Los Angeles und San Francisco zum 1. Oktober - vier Wochen früher als eigentlich geplant. Das gilt auch für Düsseldorf-Boston. Berlin hat dann nur noch zwei Langstrecken: Miami und New York. Düsseldorf behält vorerst zwölf Interkont-Destinationen.

© AirTeamImages.com, Simon WillsonLesen Sie auch: Germania klagt gegen Air-Berlin-Überbrückungskredit

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