Air Berlin zahlt Notfall-Kredit des Bundes komplett zurück

Mit 150 Millionen Euro sprang der Bund 2017 ein, um Air Berlin vorerst in der Luft zu halten. Jetzt wurde das Geld zurückgezahlt. Ob auch die anderen Gläubiger noch etwas bekommen, hängt davon ab, ob Gerichte Etihad in der Verantwortung sehen.

Die letzten Schokoherzen werden verteilt. © dpa / Gregor Fischer

Die insolvente Fluglinie Air Berlin hat einen Millionenkredit der Bundesregierung komplett zurückgezahlt. Die letzte Rate der insgesamt 150 Millionen Euro sei am Dienstag getilgt worden, sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters und bestätigte entsprechende Medienberichte vom Donnerstag.

Air Berlin hatte im August 2017 Insolvenz angemeldet, weil der Großaktionär Etihad den Geldhahn zugedreht hatte. Die Bundesregierung gewährte den Millionenkredit, um die damals zweitgrößte deutsche Airline in der Luft zu halten und einen Verkauf zu erleichtern. Im Gegenzug sicherte sie sich die Garantie, dass der Kredit vor allen anderen Gläubigerforderungen zurückgezahlt wird.

27 Millionen Euro Zinsen fehlen noch

Die Entscheidung war umstritten. Kritiker fürchteten, dass der Steuerzahler auf einem Großteil der Summe sitzen bleiben wird. Die Chancen der 1,2 Millionen Fluggäste, Geld für nicht mehr nutzbare Tickets zurückzubekommen, haben sich durch die Tilgung nicht erhöht. Zunächst muss Air Berlin jetzt noch die Zinsen für den Bundes-Kredit aufbringen. Sie belaufen sich nach Angaben des Insolvenzverwalters auf rund 27 Millionen Euro.

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Ob es künftig doch noch hohe Summen an die Gläubiger zu verteilen gibt, hängt vom Ausgang eines Rechtsstreits mit Großaktionär Etihad ab. Aus Sicht von Insolvenzverwalter Lucas Flöther hätte die Airline mit Sitz in den Vereinigten Arabischen Emiraten den Geldhahn nicht zudrehen dürfen, da sie sich schriftlich zur Unterstützung von Air Berlin verpflichtet hatte. Er klagt beim Landgericht Berlin auf Schadenersatz in Milliardenhöhe. Etihad reagierte mit einer Gegenklage beim High Court in London. Jetzt müssen zunächst Gerichte entscheiden, wer in dem Fall zuständig ist.

Die Chancen der gut 1,2 Millionen Passagiere, die noch auf ihr Geld warten, etwas zurück zu bekommen sind aber auch bei einem Erfolg vor gericht gering. "So schön die Nachricht ist, dass das KfW-Darlehen fast komplett zurückgezahlt ist, birgt das weiterhin keine Hoffnung, dass die Fluggäste als normale Gläubiger Geld zurückbekommen", bremste Insolvenzverwalter Flöther im vergangenen Monat die Hoffnungen.

Denn nicht nur das Darlehen des Bundes genießt Vorrang, auch zahlreiche andere Forderungen müssten bedient werden, ehe die Passagiere an die Reihe kommen. "Darunter sind vor allem die Arbeitnehmer, die hohe Forderungen angemeldet haben."

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Von: dk, dpa

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