Air Baltic setzt bei Expansionsstrategie komplett auf A220

Air Baltic hat große Pläne. Kernstück der Strategie "Destination 2025" ist der massive Ausbau der A220-Flotte, die dann auch in Westeuropa stationiert werden könnten. Aber die baltische Airline denkt auch über Langstreckenverbindungen nach.

Eine A220-300 der Air Baltic. © AirTeamImages.com

Air Baltic hat zwei erfolgreiche Jahre hinter sich. Die aktuelle Business-Strategie namens "Horizon 2021" läuft ganz nach Plan, so dass sich die baltische Fluggesellschaft zuversichtlich Ziele für die Zukunft setzt.

Bis 2023 will die Airline nun ihre Flotte umstrukturieren und ausbauen. Dies stellt den zentralen Punkt im neuen Geschäftsplan "Destination 2025" dar. Der Airbus A220 ist dabei das neue Flugzeug der Wahl.

Momentan umfasst die Flotte 19 Maschinen vom Typ A220-300, sechs Boeing 737-300, zwei 737-500 und zwölf geleaste Bombardier Q400. Bis Ende 2019 sollen sämtliche Boeing 737 ausgemustert werden und weitere drei A220 dazukommen. Im Jahr 2023 sollen dann auch alle Q400 die Flotte verlassen, so dass Air Baltic von da an eine Single-Type-Flotte aus bis zu 80 Airbus A220 operieren wird.

Flottenplanung der Air Baltic
Jahr A220 737 Q400
2018 14 8 12
2019 22 0 12
2020 26 0 12
2021 40 0 12
2022 50 0 10
2023 65 0 0
2024 80 0 0

Anzahl der Flugzeuge nach Typen zum jeweiligen Jahresende.Quelle: Air Baltic

Den Milliarden-Deal über bis zu 60 weitere neue Flugzeuge schlossen Air Baltic und Bombardier im Mai vergangenen Jahres, als der kanadische Flugzeughersteller das C-Series-Programm noch nicht an Airbus verkauft hatte.

Die Fluggesellschaft bestellte 30 weitere Bombardier CS300 – optional dieselbe Menge zusätzlich, was den Auftragswert auf knapp sechs Milliarden Dollar Listenpreis erhöhen würde. Die Bestellung bildet das Rückgrat der "Destination 2025"-Strategie von Air-Baltic-CEO Martin Gauss.

Langfristig will Air Baltic auf die Langstrecke

Der deutsche Firmenchef spielt sogar mit dem Gedanken, in einigen Jahren den A321 Neo XLR in die Flotte aufzunehmen. Die bislang überwiegend im europäischen Raum tätige Fluggesellschaft könnte dann auch Ziele in den USA anfliegen. Dies würde den Flughafen Riga zu einem internationalen Drehkreuz machen und für Air Baltic einen neuen Markt eröffnen.

Dazu schaut sich Gauss nach einem geeigneten Partner für die Airline um. Momentan betreibt die Fluggesellschaft bereits Codesharing mit 21 Partnern. Die meisten Verbindungen teilt sich Air Baltic mit Aegean Airlines, Air Malta, Etihad und TAP Portugal.

Derzeit verbindet die Fluggesellschaft ihre Heimatmärkte Riga, Tallinn und Vilnius mit über 75 Zielen in rund 30 Ländern. Deutsche Destinationen nehmen fast sieben Prozent der gesamten Sitzplatzkapazität ein – nur in Estland und Lettland stehen mehr Sitzplätze im Angebot.

Angebotsverteilung der Air Baltic
Märkte Angebot in %
Lettland 44
Estland 7
Deutschland 6
Russland 5
Litauen 5
Weitere 33

Sitzplatzkapazitäten der Air Baltic im Jahr 2019Quelle: CH-Aviation/OAG

Der Ausbau des Streckennetzes gehört ebenfalls zum neuen Business-Plan. In Zukunft will die Airline neue Verbindungen in Europa aufnehmen und weitere europäische Großstädte anfliegen. Dazu zieht Air Baltic sogar den Aufbau weiterer Basen in Erwägung, und zwar in Westeuropa. Nach Angaben von CH-Aviation will die Airline mit rund 30 Flugzeugen von dort aus Punkt-zu-Punkt-Angebote abseits des Baltikums bedienen.

Um das aktuelle Wachstum zu finanzieren, platzierte die Fluggesellschaft zuletzt eine Anleihe über 200 Millionen Euro. Wächst Air Baltic wie erwartet, denkt Gauss sogar darüber nach, die Fluggesellschaft an die Börse zu bringen. 2018 machte die Airline einen Umsatz von 409 Millionen Euro und einen Gewinn von 5,4 Millionen Euro.

Rund 80 Prozent der Fluggesellschaft gehören momentan noch dem Staat Lettland, die restlichen 20 Prozent besitzt seit Ende 2017 der dänische Aktionär Lars Thuesen mit seiner "Aircraft Leasing 1 SIA" GmbH.

Sechs Ziele in Deutschland

Über vier Millionen Passagiere flogen 2018 mit der Fluggesellschaft. Im Deutschland-Verkehr gingen rund 40 Prozent des Air-Baltic-Sitzplatzangebots nach Tegel, knapp 24 Prozent nach München und gut elf Prozent nach Frankfurt. Darüber hinaus fliegt Air Baltic auch Hamburg, Düsseldorf und Stuttgart an.

Zielflughäfen der Air Baltic in Deutschland
Flughäfen Angebot in %
Berlin Tegel 41
München 23
Frankfurt 11
Hamburg 10
Düsseldorf 8
Stuttgart 7

Anteil der angebotenen Sitzplatzkapazität im Jahr 2019Quelle: CH-Aviation/OAG

Air Baltic entstand 1995 durch den Zusammenschluss der privaten Baltic International und der staatlichen Latavio-Latvian Airlines. Bis Baltic International Ende 1998 ausstieg, bestand die Flotte der jungen Air Baltic aus einer Saab 340 und drei Avro RJ70.

Die skandinavische SAS übernahm daraufhin die Anteile von Baltic International und spendierte der Fluggesellschaft eine Fokker 50. 2008 wurde die Flotte dann um zwei Boeing 737 erweitert. Zwei Jahre später eröffnete die Airline ihre dritte Basis in Tallinn und war nun im gesamten Baltikum vertreten.

Im Jahr 2011 geriet Air Baltic in finanzielle Schwierigkeiten und musste am 21. September Insolvenz anmelden. Im Dezember machte die lettische Regierung Gebrauch von ihren Vorkaufsrechten und übernahm 99,8 Prozent aller Anteile.

2013 musterte die baltische Fluggesellschaft ihre alte Fokker 50 aus und bestellte die ersten Bombardier CS300. Am 1. Dezember 2016 wurde Air Baltic die erste Fluggesellschaft weltweit, die das neue Mittelstreckenflugzeug in Empfang nehmen durfte.

Von: lr

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