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Agello Aviation steigt vorzeitig aus Luftsicherheitskontrollen in Weeze aus

Nach dem vielbeachteten Kötter-Ausstieg in Düsseldorf dringt der nächste Kontroll-Dienstleister an einem NRW-Flughafen auf ein vorzeitiges Vertragsende. Agello Aviation einigte sich zwar mit der Bezirksregierung auf das Ende der Kontrollen in Weeze, doch zu den Gründen gibt es unterschiedliche Darstellungen.

Passagiere am Flughafen Weeze © Flughafen Weeze

Die Firma Agello Aviation Service und die Bezirksregierung Düsseldorf haben sich auf ein vorzeitiges Ende der Fluggastkontrollen am Niederrhein Airport in Weeze zum 31. Oktober geeinigt. Eigentlich läuft der Vertrag bis Ende des Jahres.

Hauptgrund für das um zwei Monate nach vorne geschobene Vertragsende ist laut dem Geschäftsführer der Agello Aviation, Sebastian Gilleßen, vor allem die Nachfrageschwankungen zwischen Sommer- und Winterfugplan.

Gerüchte, wonach - ähnlich wie bei Kötter in Düsseldorf - hohe und nicht zu vermeidende Verluste des beauftragten Dienstleisters der Grund für einen vorzeitigen Rückzug sind, weist der Manager im Gespräch mit airliners.de zurück. Es gehe hauptsächlich um die Disposition der angestellten Luftsicherheitsassistenten.

Bisher habe man während der nachfrageschwächeren Winterflugplanperiode Mitarbeiter nachgeschult und weiterqualifiziert. Dies sei im kommenden Winter jedoch nicht darstellbar, da man nicht wisse, ob man die neue Ausschreibung für die Kontrollen für das Folgejahr gewinne. Daher habe man drum gebeten, den Vertrag zum Wechsel zwischen Sommer- und Winterflugplan zu beenden. Agello werde sich "höchstwahrscheinlich" an der neuen Ausschreibung für die Kontrollen in Weeze beteiligen.

Wirtschaftliche Grundlage steht in Frage

Etwas anders stellen die Bezirksregierung Düsseldorf, die die Passagier- und Gepäckkontrollen in Weeze in Auftrag gibt und beaufsichtigt, sowie die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi die Situation dar.

"Die Firma Agello Aviation Service GmbH hat deutlich gemacht, dass aufgrund rückläufiger Passagierzahlen und dem damit verbundenen geringeren Abruf von Kontrollstunden durch die Bezirksregierung als Auftraggeber eine wirtschaftliche Weiterführung des Vertrags nicht zumutbar sei," führt die Aufsichtsbehörde aus in einer schriftlichen Antwort auf Fragen zum Vorgang aus.

Der geringere Kontrollstundenabruf wäre dabei entsprechend der einschlägigen vertraglichen Regelungen erfolgt, die auf Grundlage eines vor Auftragsbeginn durchgeführten Ausschreibungsverfahrens ermittelt wurden. "Die Bezirksregierung konnte den vorgetragenen Argumenten allerdings folgen und hat daher einer Aufhebung zugestimmt."

Gewerkschaft sieht Verantwortung bei Bezirksregierung

Verdi deutet die Einlassungen der Bezirksregierung dahingehend, dass die auflaufenden Verluste so eklatant und damit unter Umständen auch sicherheitsrelevant für die Kontrollen waren, dass man keinen anderen Ausweg sah, als dem Agello-Antrag zuzustimmen. Wie auch schon beim Vertragsende zwischen Bund und Kötter in Düsseldorf sind für die Gewerkschaft wirtschaftliche Probleme aufgrund der "allgemein unzumutbaren Rahmenbedingungen der Auftragsvergabe" an die Sicherheitsdienstleister ausschlaggebend.

So erklärt Verdi in einer Mitteilung, dass die Anzahl der angeforderten Kontrollstunden in Weeze in den vergangenen beiden Jahren um 20 Prozent gesunken sei. Gleichzeitig hätten die Nachfrageschwankungen zwischen Sommer- und Winterflugplan erheblich zugenommen. Auch die zeitweilige Ausleihe von Agello-Kontrolleuren an den Flughafen Düsseldorf hätte keine Besserung gebracht, sagt Verdi und sieht die Verantwortung für den zweiten Rückzug eines Sicherheitsunternehmens in NRW innerhalb weniger Monate bei der beauftragenden Bezirksregierung.

Unruhe um Sicherheitsdienstleister in Weeze besteht schon länger

Die vorzeitige Kündigung reiht sich ein in die recht chaotische Geschichte der Auftragsvergabe der Luftsicherheitskontrollen für den kleinen Flughafen an der deutsch-holländischen Grenze.

Bis Ende 2015 war STI aus Wiesbaden für die Fluggastkontrollen in Weeze zuständig. Mit der Auftragsneuvergabe wurde dann zum 01.01.2016 die Sicherheitsfirma Nordwacht von der Bezirksregierung Düsseldorf mit den Sicherheitskontrollen beauftragt. Diese war nicht im Arbeitgeberverband BDLS Mitglied und damit auch nicht tarifgebunden, was von Verdi scharf kritisiert wurde.

Nur vierzehn Tage nach der Auftragsübernahme durch Nordwacht musste die Firma dann allerdings Insolvenz anmelden und zog sich aus Weeze zurück. Für Verdi die Bestätigung, dass bei den Ausschreibungen für Luftsicherheitskontrollen nur auf den "Dumping-Preis" und nicht auf Qualität und Arbeitsbedingungen der Angestellten geachtet werde.

© Kötter Services, Lesen Sie auch: Das sind die Fronten rund um Kötters Düsseldorfer Security-Rückzug Hintergrund

Nach der Nordwacht-Insolvenz wurde dann im Mai 2016 die Firma Agello beauftragt, die Kontrollen in Weeze durchzuführen. Das Unternehmen war ebenfalls nicht tarifgebunden, was sich jedoch 2018 mit Beitritt zum BDLS änderte. Dennoch entwickelten sich die Dinge für das Unternehmen ähnlich wie für Kötter in Düsseldorf. Dort führten laut Kötter ein unflexibler Stundensatz, Nachfrageschwankungen und ein fehlender Leistungsanreiz zu so großen Problemen, dass die Firma Millionen verlor ohne Aussicht auf Besserung.

Dabei gibt es einen Unterschied. Während das Verkehrsaufkommen in Düsseldorf zulegte, kam es in Weeze in den vergangenen zwei Jahren zu einem deutlichen Passagierrückgang. Allein 2019 verlor der Flughafen 25 Prozent seiner Passagiere.

Wie schon in Düsseldorf fordern nun alle Beteiligten von den Behörden, die Rahmenbedingungen für Luftsicherheitsaufgaben zu verbessern. Die bisherigen Auftragsvergabepraxis, die den Preis als alles überragendes Entscheidungskriterium betrachte, führe in erheblichem Maße zu schlechten Arbeitsbedingungen, zu Personalmangel und gefährdete zugleich die Luftsicherheit. Und sie macht es Unternehmen anscheinend immer wieder unmöglich, die Kontrollen profitabel oder zumindest kostendeckend zu betreiben.

Von: dk

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