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Flughäfen rechnen auch für 2021 mit Milliardenverlusten

So viele Passagiere wie zuletzt in den 1980ern Jahren - bei dieser Corona-Bilanz für 2020 hätten es die Flughäfen gerne belassen. Doch die kaum vorhandene Erholung macht auch die Aussichten für 2021 trübe. Nun müsse etwas passieren, fordert die ADV.

Corona-Situation am Flughafen München - Gepäckausgabebereich Terminal 2. Flughafen München / Alex Tino Friedel

Mit dramatischen Zahlen weist der Flughafenverband ADV inmitten der Debatte um die weitere Ausgestaltung der Hilfen auch für kleinere Standorte auf die desolate Lage der deutschen Flughäfen hin. Sie seien in der Pandemie in eine nie dagewesene Krise geraten, an der auch die aktuell gestiegenen Buchungszahlen für den Osterrreiseverkehr wenig änderten. Im Durchschnitt der Monate Januar und Februar 2021 flogen laut ADV nur etwa zehn Prozent der Passagiere im Vergleich zum Vorkrisenniveau.

Im Zeitraum seit März 2020 habe der Passagierrückgang 85 Prozent gegenüber dem Jahr davor betragen, so der Verband. Für 2020 zählten die Flughäfen zusammen rund 63 Millionen Passagiere gegenüber 248 Millionen 2019. Die Zahlen liegen auf dem Niveau der späten 1980er Jahre.

Passagierzahlen während Corona und im Jahresvergleich
KW201920202021
1509053
233864463419270379921
334286053373029319049
435205833419750318890
535868553504258309273
637228683442378312490
739250463584486331778
840629853869477349573
941652363674885387963
1041572643037660379579
1144364122400185414243
124314992904323
134374110203300
14467771896646
15502880568261
16483565055576
17506905369224
18483728873049
19497130884557
20503271498314
215200744116058
225106103133956
235393457201375
245417752226833
255421807408846
265688757494873
275476269808446
285544302965241
2956057141153192
3056150571235438
3156547861342876
3255379111412983
3354450871369829
3454639131278130
3554718261215378
3655441041174612
3755926021118729
3856691201082711
3957546831051354
4055856871047993
4155961851012228
425442648940454
435147257817157
444460164632316
454018413479447
464125174360192
474015526345030
483976094340050
493924092372155
503971576418738
514067863611793
523376884464402
533644392443194

Wöchentliche Passagierzahlen an deutschen Flughäfen im Jahresvergleich (2019 - 2021).Quelle: ADV

Die schwachen Verkehrszahlen finden in den Bilanzen Widerhall. Nachdem die Standorte 2019 insgesamt noch fast 800 Millionen Euro Gewinn gemacht haben, wobei der größte Teil davon auf das Konto der großen Hubs ging, schlug 2020 mit voraussichtlich 1,8 Milliarden Euro Verlust zu Buche, so der Verband.

Einen Jahresverlust hätten die Flughäfen wohl noch verschmerzen können, doch "weiter verschärfte Einreisebeschränkungen, ein unüberschaubarer, sich ständig ändernder Flickenteppich von länderspezifischen Corona-Bestimmungen und pauschale Quarantäneregelungen bremsen jede Erholung des Luftverkehrs." Das veranlasst die ADV nun dazu, für 2021 mit einem Umsatzausfall von 2,6 Milliarden und weiteren 1,2 Milliarden Euro Verlust für alle Flughäfen zusammen auszugehen. Es gehe mancherorts ums Überleben.

Die Leidtragenden der Entwicklung sind vor allem die Beschäftigten. Noch immer befinden sich rund 65 Prozent der 180.000 Arbeitnehmer an Flughäfen in Kurzarbeit, 2020 waren es bis zu 80 Prozent. Die verschleppte Erholung gefährde konkret 40.000 Arbeitsplätze, gibt die Interessenvertretung der Flughäfen an.

Die Politik müsse Wege finden, die Erholung des Luftverkehrs möglich zu machen, fordert ADV-Chef Ralph Beisel angesichts der Zahlen: "Auf der einen Seite können es die Menschen kaum erwarten, wieder frei und unbeschwert zu reisen. Auf der anderen Seite muss Reisen sicher und gewissenhaft auch unter Corona-Bedingungen erfolgen. Beides muss sich nicht ausschließen. Verantwortungsvolle Mobilität im Flugverkehr kann durch optimierte Teststrategien ermöglicht werden. Ich ersuche die Politik, auf Testverfahren statt auf pauschale Quarantänebestimmungen zu setzen."

Von: dk

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