737-NG-Strukturrisse haben bislang keine Auswirkungen in Europa

Europäische Betreiber der Boeing 737 NG sind bisher nicht von den neu entdeckten Haarrissen an den Verbindungen zwischen Rumpf und Tragflächen betroffen. Die Maschinen in Europa sind noch relativ jung.

Boeing 737 der Norwegian. © AirTeamImages.com / Aleksi Hamalainen

Große europäische Betreiber von Boeing 737 NG sind bislang nicht von den neuerlichen Problemen des Musters betroffen. Bei einigen älteren Maschinen waren Haarrisse an wichtigen Strukturbauteilen entdeckt worden, die Checks an weiteren Flugzeugen notwendig gemacht hatten.

Der Billigflieger Norwegian ist treuer Boeing-Kunde und hat nach eigenen Angaben 118 Boeing 737-800 in der Flotte. Eine Sprecherin erklärte auf airliners.de-Anfrage, die Airline sei "von den zusätzlichen Inspektionen nicht unmittelbar betroffen". Sicherheit habe oberste Priorität und Norwegian befolge alle Behörden- und Herstelleranweisungen. Laut CH-Aviation ist die 737-Flotte von Norwegian im Schnitt deutlich unter 10 Jahre alt.

Auch die Ferienflieger Tuifly und Sunexpress geben für ihre eigenen Flotten Entwarnung. "Wir führen alle Checks gemäß den Herstellervorgaben durch und haben einige Flugzeuge auch vorsorglich überprüft", sagte ein Tui-Sprecher am Freitag in Hannover. "Dabei haben wir keine Auffälligkeiten gefunden." Die 737 NG der Tuifly-Flotte sind nach CH-Aviation-Daten im Schnitt etwa elf Jahre alt.

Der Lufthansa-Ableger Sunexpress, der wie Tuifly auf der Kurz- und Mittelstrecke auf die 737 setzt, musste 20 Jets überprüfen. Es habe aber keine Auffälligkeiten oder gar Strukturrisse gegeben, sagte eine Sprecherin. Das Durchschnittsalter der 737 von Sunexpress Deutschland beträgt laut CH Aviation etwa 14 Jahre, das Alter der Maschinen der türkischen Schwester Sunexpress etwa zehn Jahre.

Billigflieger Ryanair, der rund 450 Boeing 737-800 betreibt, hatte sich bereits zuvor entspannt gezeigt. "Ryanair überprüft ihre Flugzeuge weiterhin in Übereinstimmung mit den Lufttüchtigkeitsanweisungen und erwartet keine Auswirkungen auf unsere Verbindungen oder Flottenverfügbarkeit", hieß es. Die 737-800-Flotte des Billigfliegers hat nach CH-Aviation-Informationen im Schnitt ein Alter von gut achteinhalb Jahren.

Bei Qantas gibt es Probleme mit der NG

Zuvor hatte die australische Fluggesellschaft Qantas bei drei ihrer Maschinen Haarrisse entdeckt. Die Risse lagen an einer Stelle, an der die Tragflächen am Rumpf befestigt sind. Im Luftfahrt-Jargon nennt man diese Teile "Pickle Forks", weil sie an Gurkengabeln erinnern.

Unter hoher Belastung können diese sich bei der 737 NG offenbar schneller als angenommen abnutzen. Boeing erklärte zu dem Problem bislang nur, Kunden aktiv bei den Untersuchungen der 737 NG zu unterstützen. Allen Betreibern seien detaillierte Anweisungen gegeben worden, auch bei erforderlichen Reparaturen beteilige man sich.

"Wir haben einen Riss entdeckt. Diese Maschine wurde zur Reparatur außer Dienst gestellt", sagte ein Qantas-Sprecher am Donnerstag. Insgesamt sollen jetzt allein bei der australischen Airline 33 Passagierflugzeuge vom Typ 737 NG kontrolliert werden.

Brisant ist, dass es sich dabei wohl auch um Jets der Baureihe handelt, für die die FAA bislang keine raschen Inspektionen vorgeschrieben hatte. Denn die Maschinen haben mehr als 22.600 Starts und Landungen hinter sich, die FAA bezog sich zunächst nur auf solche mit mehr als 30.000.

Eine FAA-Sprecherin wies auf Nachfrage darauf hin, dass die Behörde bereits Anfang Oktober auch für neuere 737 NG mit weniger Starts und Landungen Prüfungen angeordnet habe. Allerdings mussten nur ältere Maschinen mit besonders hoher Belastung innerhalb von sieben Tagen auf Risse gecheckt werden. Daran solle sich zunächst auch nichts ändern. Als Ergebnis der dringlichen Sonderprüfung waren bei rund fünf Prozent der untersuchten Jets Risse festgestellt worden. Sie müssen repariert werden und dürfen vorerst nicht mehr abheben.

Von: hr mit Material von dpa

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