Airlines müssen wegen 737 Max bis kommendes Jahr umplanen

Das Grounding der Boeing 737 Max wird die Fluggesellschaften noch Monate behindern. Tuifly-Chef Lackmann erwartet eine Rückkehr erst gegen Ende des Jahres, Sunexpress plant noch nicht so weit. Derweil gehen die weltweiten Umsatzausfälle in die Milliarden.

Boeing 737 MAX-9 © AirTeamImages.com / Matthieu Douhaire
Etliche Boeing 737 Max 8 der Tui UK sind in Manchester abgestellt. © AirTeamImages.com / Simon Willson
Darstellung einer Boeing 737-8 MAX der Sunexpress. © Sunexpress
Boeing 737 Max auf einem Parkplatz neben dem Boeing-Feld in Seattle. © dpa / Elaine Thompson

Tuifly reiht sich in die Gruppe der Airlines ein, die eine Rückkehr der Boeing 737 Max in den regulären Betrieb erst gegen Ende dieses Jahres erwarten. Die Fluggesellschaft muss nun sogar ihre Flugpläne offenbar weiter anpassen.

Wie Airline-Chef Oliver Lackmann gegenüber ATW-Online sagte, könne Tuifly möglicherweise einige für 2020 geplante Routen nicht nonstop bedienen. Davon könnten Dubai, Abu Dhabi und die Kap Verden betroffen sein. Wirkliche Klarheit gibt es erst, wenn die Ergebnisse der behördlichen Untersuchungen und der FAA-Testflüge im September vorliegen, wie ein Sprecher auf airliners.de-Anfrage bestätigte.

Für den Prozess der Wiederzulassung und -inbetriebnahme der 737 Max betonte der Tuifly-CEO, dass es nun auf Transparenz ankomme, um Vertrauen zurückzugewinnen. Eine Namensänderung der Baureihe hält der Airline-Chef, der als Flugkapitän selber eine Musterberechtigung für die 737 hat, für keine gute Idee. Man könnte Passagiere nicht mit einer Namensänderung austricksen. Am Ende liege es aber an Boeing zu entscheiden, wie sie ihre Flugzeuge nennen.

Tuifly betreibt in Deutschland bislang noch keine 737 Max, hätte aber bereits vier Maschinen übernehmen sollen. Die europäischen Schwestergesellschaften haben aber nach Daten von CH-Aviation bereits 15 Max-Maschinen von Boeing bekommen. Der gesamte Tui-Konzern hätte bis Ende 2019 auf 23 Maschinen kommen sollen.

Die Ausfälle kosten die Betreiber Millionen. Tui hatte die Kosten durch das Startverbot für den gesamten Konzern bis Ende September auf insgesamt rund 300 Millionen Euro beziffert. Laut CEO Lackman befindet sich Tuifly bereits in Gesprächen über Schadenersatz mit Boeing, deren Inhalt man aber nicht öffentlich kommentiere.

Sunexpress kann Wachstumsziele für diesen Sommer halten

Auch Sunexpress Deutschland wartet weiter auf ihre bestellten Boeing 737 May. Genau wie Tuifly musste auch das deutsch-türkische Joint Venture von Lufthansa und Turkish Airways ausreichend externe Flugzeuge für den Sommer organisieren.

Ein Unternehmenssprecher teilte auf Anfrage von airliners.de mit, dass für den gesamten Sommer Ersatzkapazitäten für die fehlenden Max-Flugzeuge gesichert seien. Ebenso könne man die Max-Lücken der Sunexpress Türkei vollständig mit Wet- und Dry-Leases überbrücken.

© AirTeamImages.com, Markus Mainka Lesen Sie auch: 737-Max: Diese Wetlease-Anbieter sorgen für Ersatz in Deutschland

"Die aktuellen Verzögerungen haben daher keinen Einfluss auf unsere Planung", so der Sprecher. Sunexpress sei laufend im Dialog mit Boeing und den weltweit zuständigen Behörden, um aus erster Hand zu erfahren, wann der 737 Max die Lufttüchtigkeit wieder attestiert wird.

Boeing Software-Update immer noch nicht final

Derweil ist das Update der Steuerungssoftware für die Boeing 737 Max offenbar immer noch nicht endgültig fertiggestellt. In der Boeing-Mitteilung zu den Ergebnissen des zweiten Quartals vom Mittwoch heißt es, Entwicklung und Tests seien angelaufen und Boeing werde das endgültige Software-Paket bei der FAA einreichen, sobald man alle Zertifizierungsvoraussetzungen der Behörde erfüllt habe. Danach würden die Aufsichtsbehörden über die Zertifizierung der Software und der Trainings-Updates sowie über ein Ende des Grounding entscheiden.

Das mittlerweile seit über vier Monaten geltende weltweite Flugverbot stellt auch Boeing vor neue Herausforderungen. Der Hersteller prüft mittlerweile, ob die Produktion der 737 Max noch weiter heruntergefahren oder sogar temporär komplett gestoppt werden muss. Offiziell erwartet Boeing ein Ende des Groundings im Oktober. Falls sich dieser Zeitplan aber nicht halten lasse, werde man die Produktionspläne erneut prüfen müssen, hieß es bei der Präsentation der Quartalszahlen.

Umsatzausfälle gehen in die Milliarden

Boeing hatte bereits in der vergangenen Woche milliardenschwere Rückstellungen wegen des 737-Max-Debakels angekündigt. Im zweiten Quartal werde eine zusätzliche Belastung in Höhe von 4,9 Milliarden Dollar (4,4 Milliarden Euro) nach Steuern anfallen.

Laut Boeing soll das Geld für potenzielle Entschädigungen von Fluggesellschaften verwendet werden, die wegen des Ausfalls der 737 Max von Betriebsstörungen und Auslieferungsverzögerungen betroffen sind. Der Konzern will die Sonderkosten zwar komplett im zweiten Quartal verbuchen, mögliche Kompensationen an Airlines sollen aber erst über mehrere Jahre und in verschiedenen Formen erfolgen.

© dpa, Richard Drew/AP Lesen Sie auch: Boeing verbucht größten Quartalsverlust der Unternehmensgeschichte

Bislang beläuft sich die Schadensbilanz laut dem Finanzdienst Bloomberg auf 8,3 Milliarden Dollar - und das Ende dürfte noch lange nicht erreicht sein. Jüngst erst hatte die Ratingagentur Fitch vor weiteren Belastungen gewarnt.

Southwest plant bis Anfang 2020 ohne 737 Max

Der US-Billigfluggesellschaft Southwest sind nach eigenen Angaben allein im zweiten Quartal 175 Millionen Dollar an Einnahmen entgangen. In Hinblick auf die Boeing-Rückstellungen heißt es in der Southwest-Mitteilung, man sei mit Boeing im Gespräch, habe aber noch keine Einigung erzielt. Die Airline hat 34 Boeing 737 Max in ihrer Flotte und hat nun alle Flüge bis Ende 2019 mit der Max gestrichen.

Southwest geht davon aus, dass die Max gegen Ende dieses Jahres offiziell wieder für den Passagierverkehr zugelassen wird. Die Airline plant dann weitere ein bis zwei Monate ein, um entsprechende Behördenanweisungen umzusetzen und ihre Piloten mit den neuen Procedures und Regularien zu trainieren.

Auch American Airlines hat 24 der neuen 737 in ihrer Flotte. Nach momentaner Planung sind alle Max-Flüge bis zum zweiten November aus ihren Plänen gestrichen. Durch das Grounding ist American nach eigenen Angaben im zweiten Quartal ein Vorsteuer-Einkommen in gleicher Höhe wie dem Mitbewerber entstanden, nämlich 175 Millionen US-Dollar.

Bei den zwei Abstürzen von Boeing 737 Max in Indonesien und Äthiopien waren insgesamt 346 Menschen ums Leben gekommen. In der Folge wurde im März ein weltweites Flugverbot für die Baureihe verhängt, das bis auf weiteres gilt. Als Ursache der Abstürze wird ein Problem bei dem neuartigen Stabilisierungssystem MCAS vermutet, an dessen Update Boeing noch arbeitet.

Das MCAS soll dafür sorgen, dass die Max sich im Flug so verhält wie ihre Vorgängermodelle, um den Aufwand für Unteschiedsschulungen so gering wie möglich zu halten. Eigentlich wäre das Handling der Max aufgrund der veränderten Konstruktion mit neuen Motoren anders als das ihrer Vorgänger.

Von: hr

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