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Für viele eine entscheidende Frage: Was kommt in Zukunft in die Tanks? © Adobe Stock Nr.: 256231884
Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) © BMU / Sascha Hilgers

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Bis 2030 will die Luftfahrtbranche mindestens 200.000 Tonnen nachhaltig erzeugtes Kerosin verwenden. Darauf haben sich mehrere Ministerien sowie Verbände der Luftfahrt, der Industrie sowie der Mineralölwirtschaft verständigt. Ein entsprechendes Programm legten sie am Freitag in Berlin vor.

Die vereinbarte Menge entspricht demnach rund zwei Prozent des Verbrauchs aller von Deutschland aus startenden Flugzeuge im Jahr 2019 sowohl ins Inland als auch ins Ausland. Das wäre also genug, um die von der Regierung im vergangenen Jahr beschlossene zweiprozentige PTL-Quote für Flugzeug-Treibstoffe ab 2030 zu schaffen - wenn es bis dahin kein starkes Wachstum gibt.

Die Quote und eine Abnahmeverpflichtung sollen die Nachfrage nach PTL-Kraftstoffen, die derzeit noch drei- bis viermal teurer sind als normales Kerosin, sicherstellen. So könne die nötige Investitionssicherheit für die Produzenten geschaffen werden, erklärten die Unterzeichner. Das BMVI habe außerdem das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt beauftragt, gemeinsam mit Partnern aus Forschung und Industrie eine Produktionsanlage zu konzeptionieren, erklärte Verkehrsminister Andreas Scheuer.

Zudem seien Förderungen des Bundes für den Markthochlauf notwendig, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), Matthias von Randow. Entweder stelle der Bund Fördermittel bereit für das Inverkehrbringen eines solchen Kraftstoffes oder die Luftfahrtunternehmen kauften den Kraftstoff zu Marktpreisen und könnten diese Mehrkosten etwa mit der Luftverkehrssteuer verrechnen.

"Wir brauchen beim Thema Nachhaltige Kraftstoffe ein gemeinsames Commitment der Regierung und der Industrie" kommentierte von Randow das Abkommen. "Das ist nun geschehen." Politik und Wirtschaft stellten sich mit der PTL-Roadmap gemeinsam der großen Herausforderung, den Luftverkehr CO2-neutral zu machen, erklärte auch Umweltministerin Svenja Schulze (SPD).

Konzentration auf PtL

PTL-Kraftstoffe können wie Kerosin in heutigen Flugzeugen eingesetzt werde. Vereinfacht beschrieben werden bei ihrer Herstellung aus elektrisch gewonnenem Wasserstoff und dem Zusatz von CO2 flüssige Kraftstoffe erzeugt. Die Technologie gilt als teuer. Reine Batterielösungen sind für den weltweiten Luftverkehr aber technisch kaum denkbar, erst recht nicht auf Mittel- und Langstreckenflügen, weshalb strombasierte Kraftstoffe ein wichtiger Bestandteil auf dem Weg zum CO2-neutralen Luftverkehr werden dürften.

CO2-neutral können die Kraftstoffe jedoch nur eingesetzt werden, wenn der Strom zur Herstellung aus erneuerbaren Quellen kommt. "Nur mit der Nutzung von Strom aus zusätzlichen erneuerbaren Energiequellen kann der Ausstoß klimaschädlicher Emissionen bei der Produktion selbst vermieden werden", heißt es in dem Papier. Dafür müsste auch grüner Strom aus den Ausland importiert werden, denn Deutschland könne den Bedarf alleine nicht decken.

"Wir brauchen als nächsten Schritt eine Energie- und Klimapartnerschaft mit Afrika. Denn Afrika hat die Sonne, Wasserkraft für die Produktion und viele junge, motivierte Menschen", fordert daher Entwicklungsminister Gerd Müller. In Marokko baue die deutsche Entwicklungszusammenarbeit eine Referenzanlage für grünen Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe. "Das stärkt die Technologieführerschaft in Deutschland, schafft Arbeitsplätze vor Ort und ist ein sehr wirksamer Beitrag für den Klimaschutz.“

Greenpeace kritisch

Auch wenn die Strombereitstellung noch ein kompliziertes Thema werden dürfte, sei der vereinbarte Fahrplan zum Markthochlauf ein wichtiger Schritt nach vorne, halten die Beteiligten aus Politik und Wirtschaft fest. "Wir haben bislang vor allem Testanlagen in kleinem Maßstab", sagte von Randow. "Nun müssen wir schauen, was es bedeutet, wenn man solche Anlagen in einer industriellen Größenordnung bauen soll."

Die Initiative Aireg, die sich für nachhaltige Energie im deutschen Luftverkehr einsetzt, kritisierte am Freitag vor allem die Konzentration auf PtL-Kraftstoffe. "Wir können es uns nicht erlauben, auf signifikante Mengen an PtL-Kerosin jenseits von 100.000 oder 200.000 Tonnen zu warten", teilte Aireg-Präsident Kay Kratky mit. Schon in zwei, drei Jahren könnten große Mengen an alternativen Antriebsmitteln etwa aus fortschrittlichen Biokraftstoffen gewonnen werden.

Auch die Umweltorganisation Greenpeace ist nicht überzeugt. "Dieser Plan ist schon vor seiner Veröffentlichung überholt", teilte Verkehrsexperte Benjamin Stephan am Freitag mit. "Mit gerade einmal zwei Prozent synthetischem Kerosin bis 2030 verpasst die Flugbranche die neuen Klimaziele für den Verkehr in Deutschland und in der EU meilenweit." Bevor staatliche Fördermittel eingesetzt würden, sollte die Bundesregierung zunächst die Subventionen für fossiles Kerosin streichen.