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Peter Glade, CCO bei Sunexpress © Sunexpress

Sunexpress fliegt seit über 30 Jahre als touristisches Joint Venture von Lufthansa und Turkish Airlines. Mit aktuell 39 Boeing 737-800 fliegt die Airline von ihren Drehkreuzen Antalya und Izmir zahlreiche europäische Ziele an, mit einem Fokus auf den deutschsprachigen Raum. Zudem werden zwölf Flugzeuge für die türkische Anadolujet vorwiegend innertürkisch betrieben. Wir haben in einem Live-Streaming mit Peter Glade, CCO der Sunexpress, über die Herausforderungen rund um die Coronavirus-Krise gesprochen. Das komplette Video finden Sie weiter unten im Text sowie hier auf Youtube.

Die Luftverkehrsbranche befindet sich im Wandel und das trifft auch Sunexpress. Die Airline legte ein Sparprogramm über 350 Millionen Euro auf. Kreditlaufzeiten wurden verlängert, Verträge neu verhandelt und ein Kurzarbeitsprogramm eingeführt.

Bis zum vergangenen Sommer unterhielt das deutsch-türkische Joint-Venture mit Sunexpress Deutschland auch eine deutsche Tochter, die von mehreren deutschen Flughäfen vor allem im Charterverkehr vorrangig in die Urlaubsregionen rund um das Mittelmeer flog.

Inhalt und Kapitel

0:00 Gebrabbel im Off sowie drei Minuten Langeweile
3:19 Aktueller Stand Abwicklung Sunexpress Deutschland
8:07 Neue Vertriebspartner Air Cairo für Ägypten-Flüge, Ambitionen nach Spanien, Italien?
11:34 Flüge nach Großbritannien
13:29 Sunexpress Flottenplanungen
17:45 Ethnischer Verkehr oder Ferienfluggesellschaft?
22:10 Corona-Situation in der Türkei
24:13 Ostern und Sommerausblick, Impfungen und Genesene
29:57 Buchen die Leute wirklich freie Mittelsitze sowie weiteres zu Corona-Flexibilitäten
36:28 NDC und Dynamic Pricing
42:01 Konkurrenz zu anderen Zielgebiets-Carriern wie Corendon und Pegasus
44:30 Warum keine weitere Zusammenarbeit mit Eurowings und was ist mit Condor?
51:51 Sprechen Sie eigentlich türkisch?

Vertriebs-Team bleibt in Deutschland

"Das war für uns kein einfacher Schritt, das hat wehgetan", kommentierte Glade die Schließung der Sunexpress Deutschland im airliners.de-Interview. Nur eine kleine "Rumpftruppe" der einst 1200 Mitarbeiter würde derzeit noch in Frankfurt arbeiten und die deutsche Airline abwickeln. "Wir sind gerade dabei Möbel zu verkaufen."

Der kommerzielle Bereich der Mutter Sunexpress, der etwa für Netzplanung, Preisgestaltung und Vertrieb zuständig ist, bleibe jedoch davon unberührt in Deutschland, erklärte Glade. So stelle man Nähe zum wichtigsten Quellmarkt und den deutschen Reiseveranstaltern her.

Das sei wichtig, weil Sunexpress neben dem touristischen Verkehr auch viel ethnischen Verkehr habe. Beispielsweise Deutsche mit türkischer Abstammung, die Freunde und Verwandte besuchen und ihre Tickets in Deutschland kaufen. Wie wichtig dieser sogenannte "VFR"-Verkehr (Visiting Friends and Relatives) für Sunexpress ist, unterstrich Glade. "Wir bringen drei Kulturen zusammen, die türkische, die deutsche und das ganze über eine vitale deutsch-türkische Kultur. Wir sind der Carrier Nummer eins der deutsch-türkischen Community."

Nach Ägypten, wo Sunexpress als rein türkisch registrierte Airline nun nicht mehr von Deutschland aus fliegen darf, hat Glade nun bereits einen Kooperationspartner gefunden. Der Zielgebiets-Carrier Air Cairo fliegt als Partner für Sunexpress deutsche Urlauber nach Ägypten. Zudem setzt Sunexpress auf mehr Flüge von und nach Großbritannien, hier ist die türkische Flagge am Heck nach dem Brexit im Gegensatz zu den nicht mehr möglichen innereuropäischen Angeboten für Sunexpress sogar von Vorteil.

Derweil klagen etliche ehemalige Angestellte der deutschen Tochter gegen ihre Kündigung. Das Geschäft der Sunexpress Deutschland werde innerhalb des Lufthansa-Konzerns nur verschoben, kritisieren sie und pochen auf einen Betriebsübergang statt Kündigung. Denn seit 2018 betrieb Sunexpress Deutschland auch bis zu sieben Airbus A330-200 für die Eurowings-Langstrecke, die künftig die Neugründung Eurowings Discover übernehmen soll. Die Übernahme nur eines Teils der Belegschaft nach neuer Bewerbung zu bisher untarifierten Bedingungen bei Eurowings Discover lehnen sie ab. Glade zeigte sich jedoch zuversichtlich, mit den Klägern eine Einigung zu erzielen.

Sunexpress hat mittlerweile alle Flugzeuge der einstigen Tochter wieder in die eigene Flotte integriert und bietet seit einigen Jahren auch ein türkisches Inlandsstreckennetz mit steigenden Frequenzen an. Die Strategie hat sich in den Jahren vor der Corona-Krise bewährt, bei Umsatz und Gewinn wurden neue Rekorde eingeflogen. In den Sommermonaten 2018 und 2019 mussten wegen der hohen Nachfrage bis zu zehn Flugzeuge zusätzlich angemietet werden.

Das könnte bei einer zügigen Erholung des Marktes auch in den kommenden Saisons nötig werden, man habe bereits erste Vereinbarungen zu Kapazitätsreserven getroffen, so Glade. Außerdem bereitet man sich bei Sunexpress auf die stark verspätete Auslieferung der 737 Max vor, von der die Airline 42 Exemplare bestellt hat. Die ersten fünf sollen Ende des Jahres übernommen werden, freut sich Glade.