Zypries warnt vor "Lufthansa-Bashing"

Lufthansa schlägt seit dem Ende der Air Berlin vor allem auf innerdeutschen Strecken Vorwürfe der Preistreiberei entgegen. Wirtschaftsministerin Zypries stellt sich nun vor den Konzern. Und auch aus Brüssel gibt es Neuigkeiten.

Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD): Nicht Lufthansa ist Schuld an der Pleite von Air Berlin. Foto: © dpa, Soeren Stache

Die kommissarische Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) hat die Lufthansa angesichts von Vorwürfen der Preistreiberei nach dem Aus der Konkurrentin Air Berlin in Schutz genommen. "Es gibt auch viel ungerechtfertigte Kritik an Lufthansa, manchmal sogar eine Art "Lufthansa-Bashing", sagte die Politikerin der Nachrichtenagentur dpa.

Nach Kundenbeschwerden hatte das Bundeskartellamt angekündigt, die Preispolitik zu prüfen. Die Lufthansa hatte sich gegen den Eindruck gewehrt, dass sie in der Folge der Air-Berlin-Pleite die Ticketpreise nach oben getrieben habe. Nach dem Ausscheiden von Air Berlin fehlen jeden Tag Zehntausende Plätze im Flugverkehr.

"Ich empfinde das manchmal als eine verdrehte Diskussion", sagte Zypries. "So hat beispielsweise niemand ein Interesse daran, dass 80 Flugzeuge lange Zeit am Boden stehen und nicht fliegen dürfen, denn das verknappt das Angebot und verteuert die Preise. Solange die Kartellprüfungen noch laufen, dürfen die Flieger aber nicht genutzt werden, da kann die Lufthansa nichts dafür."

"Nicht die Schuld von Lufthansa"

Die geschäftsführende Ministerin fügte hinzu: "Es geht manchmal schlicht unter, dass es das Management von Air Berlin in den vergangenen Jahren, ja fast Jahrzehnten, war, das es nicht geschafft hat, das Unternehmen positiv zu entwickeln. Das ist nicht die Schuld von Lufthansa."

Der deutsche Marktführer will mit den Air-Berlin-Töchtern LGW und Niki für 210 Millionen Euro einen erheblichen Teil des Pleite-Carriers und den dazugehörigen Verkehrsrechten übernehmen. Die EU-Kommission prüft derzeit, ob Wettbewerbsverzerrungen oder Nachteile für Verbraucher entstehen könnten.

So lenkt Lufthansa ein

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte 1000 neue innerdeutsche Flügen pro Monat angekündigt, sobald die EU-Wettbewerbsbehörde grünes Licht für die Übernahme gebe. Dann würden sich auch die Preise wieder stabilisieren. Spohr rechnet damit für Januar.

Zypries sagte mit Blick auf wettbewerbsrechtliche Bedenken der EU-Kommission: "Die EU-Kartellbehörde prüft natürlich unabhängig. Im Sinne der Beschäftigten hoffen wir aber, dass dies möglichst zügig vonstatten geht und am Ende eine gute und wettbewerbssichernde Lösung steht." Sie hoffe, dass es am 21. Dezember eine Entscheidung gebe.

Der Lufthansa-Konzern hatte im EU-Kartellverfahren weitgehende Zugeständnisse gemacht, um die Air-Berlin-Tochter Niki doch noch übernehmen zu dürfen. Mit dem Verzicht auf Start- und Landerechte will Lufthansa wettbewerbsrechtliche Bedenken der Kommission zerstreuen.

Bericht: Marktteilnehmer werden befragt

Die Entscheidungsfrist auch zur Übernahme weiterer Teile der insolventen Air Berlin läuft bis zum 21. Dezember. Die EU-Kommission könnte sich aber auch noch für eine vertiefte Prüfung des Kartellantrags entscheiden, die dann noch einmal 90 Arbeitstage dauern würde.

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Dass dies keine unrealistische Möglichkeit ist, zeigt eine aktuelle Meldung aus Brüssel. Demnach holen die EU-Wettbewerbshüter Kreisen zufolge Feedback von anderen Marktteilnehmern ein. Ziel der Befragung sei es, die Analyse der EU-Kommission mit Einschätzungen von Unternehmen und Anbietern zu ergänzen, berichtet die dpa unter Berufung auf Insider.

Von: cs, dpa, dpa-AFX

Datum: 07.12.2017 - 08:24

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