Zweite Instanz: Kein Anspruch auf Ausgleichszahlung wegen Tuifly-Krankmeldungen

24.11.2017 - 13:15 0 Kommentare

Wegen der massenhaften Krankmeldungen von Tuifly-Piloten nach der Strategieänderung im Herbst vergangenen Jahres muss die Airline keine Entschädigung leisten. Dies urteilt nun das Landgericht Hannover in zweiter Instanz - es ist womöglich nicht das letzte Wort in dieser Sache.

Eine Boeing 737-800 der Fluggesellschaft TuiFly am Flughafen Hannover. - © © dpa - Julian Stratenschulte

Eine Boeing 737-800 der Fluggesellschaft TuiFly am Flughafen Hannover. © dpa /Julian Stratenschulte

Tuifly muss Passagiere, die wegen der gehäuften Krankmeldungen von Piloten im Oktober 2016 auf ihren Flieger warten mussten, nicht entschädigen. Ein nicht gewerkschaftlich organisierter "wilder Streik" dieses Ausmaßes stelle einen außergewöhnlichen Umstand dar, der für die Fluggesellschaft nicht beherrschbar gewesen sei, urteilte das Landgericht Hannover nun in zweiter Instanz (Az: 8 S 25/17).

Geklagt hatten Passagiere, die am 6. Oktober 2016 mit Tuifly von Kreta nach Stuttgart fliegen wollten. Ihr Flug wurde jedoch gestrichen, weil sich zahlreiche Piloten an dem Tag krank gemeldet hatten. Sie erreichten Stuttgart mit einer rund 30-stündigen Verspätung. Vor Gericht verlangten sie Ausgleichszahlungen in Höhe von 800 Euro von Tuifly gemäß der europäischen Fluggastrechteverordnung.

Kurzfristige Krankmeldungen von Piloten und Kabinenpersonal hatten bei Tuifly damals tagelang zu massiven Verspätungen und Ausfällen geführt. Der Urlaubsflieger musste seinen Betrieb vorübergehend sogar einstellen.

Landgericht pflichtet Amtsgericht bei

Hintergrund der Krankmeldungen waren Sorgen der Mitarbeiter um die Zukunft: Kurz zuvor war bekanntgegeben worden, dass die Touristiksparten des damaligen Partners Air Berlin und Tuifly zusammengelegt werden sollen. Das Vorhaben unter Regie der Air-Berlin-Großaktionärin Etihad scheiterte im Frühjahr dieses Jahres.

Die massenhafte Krankmeldung von Beschäftigten wertete Tuifly als "wilden Streik" und damit als außergewöhnlichen Umstand. Bei außergewöhnlichen Umständen müssen Fluggesellschaften keine Entschädigung zahlen. Dem schloss sich zunächst das Amtsgericht Hannover und nun das Landgericht Hannover an.

BGH könnte entscheiden müssen

Die Krankmeldungen standen laut Gericht im zeitlichen Zusammenhang mit einer Entscheidung der Unternehmensführung über beabsichtigte Umstrukturierungen. Einer Fluggesellschaft müsse es möglich sein, ihre Mitarbeiter über eine mögliche wirtschaftliche Entwicklung zu unterrichten, erklärte das Landgericht.

© dpa, Julian Stratenschulte Lesen Sie auch: Tuifly gerät mit Air-Berlin-Zerschlagung in Bedrängnis

Arbeitsrechtliche Maßnahmen hätten den konkreten Flugausfall nicht verhindern können; Abmahnungen oder Kündigungen wären "nicht zielführend" gewesen. Die Kläger können in Revision gehen. Dann müsste der Bundesgerichtshof entscheiden.    

Von: cs, AFP, dpa
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