Zwei Themen prägen dieses Jahr am Frankfurter Flughafen

07.01.2016 - 13:56 0 Kommentare

Der Frankfurter Flughafen wächst weiter. Doch dieses Wachstum muss leiser werden, fordern Lärmgegner. Zwei Themen, die Deutschlands größten Airport in diesem Jahr prägen werden.

Der verkleinerte Grundriss des geplanten dritten Terminals ist beim symbolischen ersten Spatenstich am Flughafen Frankfurt aus der Luft zu erkennen.  - © © dpa - Fredrik von Erichsen

Der verkleinerte Grundriss des geplanten dritten Terminals ist beim symbolischen ersten Spatenstich am Flughafen Frankfurt aus der Luft zu erkennen. © dpa /Fredrik von Erichsen

Südlich der Start- und Landebahnen am Frankfurter Flughafen wird ein riesiges Loch gebuddelt. Dort, wo das umstrittene dritte Terminal in sechs Jahren stehen soll, wird die Erde fünf Meter tief ausgebaggert. Im Minutentakt fahren Lastwagen den Erdaushub weg, 5000 Kubikmeter jeden Tag.

Nach jahrelangem Streit hatten die Arbeiten für Terminal 3 im Herbst begonnen. Der Betreiber Fraport investiert 2,5 Milliarden bis 3 Milliarden Euro, um dort von 2022 an jährlich zusätzlich rund 14 Millionen Passagiere abfertigen zu können. Die Kapazitäten in den beiden bestehenden Terminals reichten dann nicht mehr aus, hatte die AG argumentiert.

Zwei Tage vor Weihnachten begrüßte Fraport den 60millionsten Passagier des Jahres 2015. Vorstandsmitglied Anke Giesen erinnerte daran, dass die 50-Millionen-Marke erst elf Jahre zuvor gefallen war. "Mit nun erstmals 60 Millionen Passagieren stoßen wir abermals in eine neue Dimension vor."

Entwicklung der Passagierzahlen am Flughafen Frankfurt

1971: erstmals mehr als 10 Millionen Passagiere
1985: erstmals mehr als 20 Millionen Passagiere
1992: erstmals mehr als 30 Millionen Passagiere
1997: erstmals mehr als 40 Millionen Passagiere
2004: erstmals mehr als 50 Millionen Passagiere
2015: erstmals mehr als 60 Millionen Passagiere

Das weckt Befürchtungen der Fluglärmgegner. Jeden Montag demonstrieren sie nach wie vor im Terminal 1 - und das werde das ganze Jahr weitergehen, sagt Thomas Scheffler vom Bündnis der Bürgerinitiativen (BI). "Das ist die stärkste Waffe, die wir haben." Ob und wie sich die Ausbaukritiker in den Wahlkampf für die hessische Kommunalwahl am 6. März einbringen, werde gerade überlegt. Bei der vorigen Wahl der kommunalen Parlamente hatte das Thema kaum Auswirkungen auf die Ergebnisse.

Jühe: Wachstum muss leiser werden

Als wichtigstes Thema des neuen Jahres nennt der Vorsitzende der Fluglärmkommission (FLK), Thomas Jühe, eine Lärmobergrenze, die Schwarz-Grün im Koalitionsvertrag vereinbart hatte. Das Wachstum des Flughafens müsse von der Lärmentwicklung entkoppelt werden. "Das Wachstum muss leiser werden", fordert Jühe. Jetzt sei das Wirtschaftsministerium am Zug, das ein Konzept für den Sommer angekündigt hatte.

Lärmobergrenzen seien dem Ministerium mindestens ebenso wichtig wie der Fluglärmkommission, sagt Ministeriumssprecher Wolfgang Harms. Das Konzept sei in Arbeit.

Den Bürgerinitiativen sind Lärmobergrenzen zu wenig - sie fordern ein "Minderungsziel". "Wir wollen den Lärm insgesamt reduzieren", sagt BI-Sprecher Scheffler. Auf gar keinen Fall dürfe es aber Umverteilung des Lärms in der Region geben.

Studie löst Diskussionen aus

Die vom Land in Auftrag gegebene NORAH-Lärmwirkungsstudie hatte im Herbst neue Diskussionen über Verkehrslärm ausgelöst. Nach dem Ergebnis der Untersuchung sind die von chronischem Lärm ausgelösten Gesundheitsrisiken geringer als bisher angenommen. Das Risiko für Depressionen und Herzschwäche sei erhöht, wirke sich aber nicht auf den Blutdruck aus. Der Flughafenbetreiber Fraport sprach daraufhin von "minimalen" Risiken für die menschliche Gesundheit. Mediziner kritisierten die Studie als inhaltlich wertlos.

© dpa, Boris Roessler Lesen Sie auch: Fünf Fragen an Fraport-Chef Stefan Schulte

Die juristischen Auseinandersetzungen über den Flughafenausbau sind noch lange nicht ausgestanden. Am Hessischen Verwaltungsgerichtshof (VHG) in Kassel seien derzeit noch 25 Verfahren zum Bau der Landebahn Nordwest anhängig, die 2011 eröffnet worden war, sagt VGH-Sprecher Harald Papst. Im Lauf des Jahres sollen alle abgearbeitet werden.

Wann sich die höchsten hessischen Verwaltungsrichter erneut mit der sogenannten Südumfliegung beschäftigen, ist noch nicht klar. Das Bundesverwaltungsgericht hatte im Dezember ein VGH-Urteil aufgehoben, der die umstrittene Flugroute für rechtswidrig erklärt hatte. Das Gericht warte noch auf die schriftliche Begründung aus Leipzig, sagte Papst.

Von: Sabine Ränsch, dpa, gk

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