Verschärfte Kontrollen an deutschen Flughäfen nach Anschlägen in Brüssel

22.03.2016 - 16:42 0 Kommentare

Nach Terroranschlägen in Brüssel hat die Bundespolizei ihre Kontrollen an Flughäfen in Deutschland intensiviert. Zuvor waren am Flughafen Zaventem sowie in einer U-Bahn Sprengsätze explodiert.

Ein bewaffneter Polizist steht in Berlin im Flughafen Tegel.  - © © dpa - Paul Zinken

Ein bewaffneter Polizist steht in Berlin im Flughafen Tegel. © dpa /Paul Zinken

Nach dem Terroranschlag am Brüsseler Flughafen Zaventem arbeitet die Bundespolizei an einem angepassten Sicherheitskonzept in Deutschland. "Wir haben die Maßnahmen intensiviert", sagte eine Sprecherin des Bundespolizeipräsidiums in Potsdam. Hinzu kämen stärkere Kontrollen an Flughäfen und Bahnhöfen im Land. Auch die Schutzausrüstung der Bundespolizisten sei verstärkt worden.

Zuvor hatte die Bundespolizei in Frankfurt am Main bereits angekündigt, die Kontrollen am größten deutschen Flughafen zu verschärfen. Die Sicherheit im Luftverkehr ist eine hoheitliche Aufgabe. Sie wird durch das Bundesinnenministerium und die zuständigen Luftsicherheitsbehörden, also die Bundespolizei und Landesbehörden, durchgeführt.

Die deutschen Airports setzen alles daran, die Bundespolizei und Behörden bei der Wahrnehmigung ihrer Aufgaben zu unterstützen, erklärt der deutsche Flughafenverband ADV. Die Sicherheitsmaßnahmen an den Airports seien bereits nach den Pariser Terroranschlägen angepasst worden. Nun würden sie weiter intensiviert. Zu den Maßnahmen gehört laut ADV eine stärkere Bestreifung in den in den öffentlichen Bereichen der Terminals.

Der Brüsseler Flughafen hat nach den Explosionen eine Telefonnummer für besorgte Angehörige eingerichtet. Unter +32 2 753 7300 können sie sich informieren. Auch das Bundesaußenministerium hat eine Notfallnummer eingerichtet: 030 / 5000-3000.

Das Auswärtige Amt rät zu besonderer Vorsicht in der belgischen Hauptstadt: "Reisende in Brüssel werden dringend gebeten, sich in der Stadt nur mit erhöhter Aufmerksamkeit und Wachsamkeit zu bewegen", heißt es in einem Sicherheitshinweis.

Flughafen Zaventem geschlossen

Bei Explosionen am Brüsseler Flughafen Zaventem hatte es am Dienstagmorgen mehrere Tote und etliche Verletzte gegeben. Nach Angaben von Augenzeugen kam es gegen acht Uhr kurz nacheinander zu zwei Explosionen. Eine Explosion soll am Check-in-Schalter von American Airlines, die zweite an einem Schalter von Brussels Airlines erfolgt sein.

© EUROFORUM, Stefanie Hergenröder Lesen Sie auch: Flughafenverband warnt nach Brüssel-Attentat vor Schnellschüssen

In einer der Abflughallen des Terminals stürzte durch die Wucht der Explosionen die Deckenverkleidung herab. Eine Glasfront wurde völlig zerstört. Vor den beiden Explosionen am Flughafen haben Zeugen Schüsse gehört. Eine Person habe etwas auf Arabisch gerufen, berichteten mehrere Menschen vor Ort der Nachrichtenagentur Belga.

Der Flughafen Brüssel-Zaventem wurde geschlossen und ein Notfallplan aktiviert. Flüge wurden umgeleitet - so richtet sich der Flughafen Frankfurt zum Beispiel darauf ein, einige der Maschinen aufzunehmen. Außerdem wurden die Zufahrtswege am Brüsseler Airport gesperrt, um den Weg für Rettungskräfte frei zu machen. Auch alle Züge in Richtung Flughafen wurden gestoppt.

Informationen

Der Brüsseler Flughafen Zaventem (IATA-Code: BRU; ICAO-Code: EBBR) liegt im Nordosten der belgischen Hauptstadt. Rund 23,5 Millionen Passagiere nutzen den Flughafen im vergangenen Jahr.

Der Flughafen Brüssel Zaventem hat nur ein Terminal mit zwei Abflughallen: In Halle 1 gibt die Check-In-Schalter 1 - 10, in Halle 2 die Schalter 11 - 14. Foto: © Flughafen Brüssel

Die belgischen Sicherheitsbehörden gehen von Terroranschlägen aus. Auch auf einem U-Bahnhof im EU-Viertel von Brüssel gab es einen Anschlag. Nach den Explosionen ist die Terrorwarnstufe in Belgien auf das höchste Niveau angehoben worden.

Vier Monate nach den Terroranschlägen von Paris hatten Fahnder am vergangenen Freitag einen der noch flüchtigen Hauptverdächtigen gestellt. Der 26 Jahre alte Salah Abdeslam war bei einem Großeinsatz der Polizei in der Brüsseler Gemeinde Molenbeek verletzt und festgenommen worden.

Terroranschläge auf Flughäfen

Flughäfen geraten immer wieder ins Visier von Terroristen. Meistens überwinden die Angreifer dazu nicht die Sicherheitskontrollen, sondern greifen vom öffentlichen Bereich aus an. Einige Fälle:

März 2016 - Bei der Explosion einer Laptop-Bombe auf einem Flughafen im Krisenstaat Somalia werden mindestens sechs Menschen verletzt. Der Sprengsatz explodiert an einem Kontrollpunkt im Flughafen der Stadt Beledweyne.

Dezember 2015 - Militante Kurden greifen einen Istanbuler Flughafen mit Mörsergranaten an. Eine Reinigungskraft kommt ums Leben, mehrere Flugzeuge werden beschädigt.

Juli 2014 - Ein libanesischer Selbstmordattentäter sprengt sich in einem mit israelischen Touristen besetzen Reisebus am Flughafen von Burgas an der bulgarischen Schwarzmeerküste in die Luft. Sieben Menschen sterben, mehr als 30 werden verletzt.

Juni 2014 - Taliban-Kämpfer greifen als Polizisten getarnt einen Flughafen in Karachi (Pakistan) an. Bei stundenlangen Gefechten werden die zehn Angreifer und Dutzende weitere Menschen getötet.

März 2011 - Ein Kosovo-Albaner erschießt am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten und verletzt zwei weitere schwer. 2012 wird er zu lebenslanger Haft verurteilt.

Januar 2011 - Bei einem Selbstmordanschlag auf dem Moskauer Flughafen Domodedowo sterben mindestens 37 Menschen. Die Ermittler machen Islamisten aus dem Nordkaukasus verantwortlich.

Juni 2007 - Brandanschlag auf den Flughafen Glasgow: Islamisten versuchen, mit einem brennenden Jeep in die Terminalhalle vorzudringen. Der Fahrer stirbt, es gibt mehrere Verletzte.

Dezember 2006 - Bei einem Bombenanschlag der baskischen Separatistenorganisation ETA auf dem Madrider Flughafen Barajas kommen zwei Menschen ums Leben. Parkdecks stürzen ein.

Von: dh, mit Material von AFP und dpa

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