Zusatzgeschäft wird wichtiger für Airlines

18.09.2018 - 09:00 0 Kommentare

Die Einnahmen der Airlines mit Extra-Leistungen und Meilenprogrammen sind im vergangenen Jahr erneut gestiegen - großen Anteil daran haben die Gepäckgebühren. Doch nicht überall wächst das Geschäft.

Check-In an der Lufthansa-Station Frankfurt - © © Lufthansa - Dominik Mentzos

Check-In an der Lufthansa-Station Frankfurt © Lufthansa /Dominik Mentzos

Weltweit haben die Fluggesellschaften 2017 erneut mehr Umsatz mit Nebengeschäften gemacht. Die Top Ten Airlines erreichten zusammen Einnahmen von umgerechnet 25,5 Milliarden Euro in diesem Bereich, ein Zuwachs von knapp fünf Prozent gegenüber 2016. Dies ermittelte die Unternehmensberatung Idea Works Company in ihrem neuen "Yearbook of Ancillary Revenue".

Seit 2007 seien die Zusatzgeschäfte trotz wechselhafter Verkehrszahlen kontinuierlich gewachsen, so die Analyse. Damals kamen die Top-Ten-Airlines lediglich auf 1,8 Milliarden Euro.

Das Jahrbuch erfasst für 2017 detaillierte Zahlen von 73 Fluggesellschaften mit einem Ancillary-Umsatz von insgesamt 40,5 Milliarden Euro. Im Jahr zuvor waren es 38,2 Milliarden Euro bei 66 Fluggesellschaften.

US-Carrier und Billigflieger weiter vorn

Bei den europäischen Netzwerk-Carriern ist der Anteil der Ancillaries im Vergleich zu den Ticketeinnahmen mit rund sechs Prozent nach wie vor vergleichsweise gering. Bei den großen US-Carriern liegt er zwischen 12,5 Prozent (American) bis 15,2 Prozent (United), während die Low-Cost-Carrier teils auf über 40 Prozent kommen. Spitzenreiter in Europa ist Wizz Air mit 41,6 Prozent.

Während die Zusatzgeschäfte bei der Lufthansas Group einschließlich Eurowings um 23 Prozent zugelegt haben, sind laut Analyse die Zuwächse bei den Konkurrenten zum Teil deutlich geringer.

Zusatzgeschäft wichtiger europäischer Airlines 2017

Umsatz
in Mrd. Euro
Vergleich
zu 2016
Anteil am
Gesamt-
umsatz
Umsatz pro
Passagier
in Euro
Lufthansa Group* 1,70 +20,2% 6,0% 12,87
Air France/KLM** 1,73 -8,5% 6,7% 17,17
British Airways 0,69 +20,0% 5,0% 15,26
Easyjet 1,10 -5,25% 19,5% 13,77
Ryanair 1,97 +16,3% 28,2% 15,21
Thomas Cook
Group Airline***
0,35 nicht
erfasst
9,7% 18,75
*inkl. Eurowings **inkl. Transavia ***inkl. Condor. Quelle: Idea Works Company

Für Air France/KLM ergibt sich das Minus überwiegend aus einer korrigierten Schätzung: Wie Idea Works erläutert, waren die Einkünfte des Vielfliegerprogramms im Vorjahr zu hoch angesetzt. Die reinen Zusatzumsätze hätten sich bei der Airline-Gruppe jedoch positiv entwickelt.

Den Rückgang bei Easyjet erklärt die Analyse zum einen mit einer geänderten Strategie: Der Low-Cost-Carrier versuche verstärkt hochpreisige Flüge an Geschäftsreisende zu verkaufen statt Billigangebote mit aggressiver Vermarktung von Extras aufzubessern. Zum anderen hat Easyjet für 2017 wieder Angaben zu den Zusatzgeschäften gemacht - die Zahlen für 2016 waren dagegen geschätzt.

© Lufthansa, Lesen Sie auch: Lufthansa steigert Zusatzgeschäfte um 23 Prozent

Bei den Billigfliegern Ryanair und Wizz Air stiegen die Ancillary-Umsätze zwar an. Bei den Gepäckgebühren waren sie aber rückläufig. Verantwortlich dafür sind laut Idea Works großzügigere Handgepäckregelungen, die im vergangenen Jahr eingeführt wurden.

Gegenläufige Trends bei Gepäckgebühren

So sank bei Wizz Air das durchschnittliche Gepäckentgelt pro Passagiere um zwei Euro auf 8,10 Euro im Finanzjahr 2018. Ryanair räumte Anfang 2018 einen "jähen Rückgang der Gepäckumsätze".

Einen anderen Trend sieht Idea Works dagegen bei den Netzwerk-Carriern: Sie führen neuerdings auch auf Langstrecken Basic-Tarife ein, die ausschließlich Handgepäck umfassen. Dadurch dürften sich die Einkünfte aus Gepäckentgelten weiter erhöhen.

Neben den Airlines der Lufthansa-Gruppe und deren Parnter United und Air Canada gilt das auch für die Konzerne Air France/KLM und IAG sowie für Alitalia, American, Delta, Finnair, SAS und TAP Portugal.

Ancillary Revenue

Die Zusatzeinnahmen der Fluggesellschaften setzen sich nach der Definition von Idea Works aus vier Geschäftsfeldern zusammen:

  • Vielfliegerprogramme: Verkauf von Meilen an Partnerunternehmen oder Endkunden
  • A-la-Carte-Verkäufe: Gebühren für Gepäck und Sitzplatzreservierungen, Umsätze mit Bordverpflegung und anderen Zusatz-Services. Die Einkünfte können auch als höherer Preis für einen Tarif mit Inklusivleistungen erzielt werden.
  • Provisionen für Bordverkäufe und die Vermittlung von Hotels, Mietwagen und Reiseversicherungen
  • Werbung, die im Außenauftritt der Airline am oder im Flugzeug, im Bordmagazin oder am Flughafen geschaltet wird

Die Autoren der Analyse gehen davon aus, dass die Bedeutung der Zusatzgeschäfte weiterwachsen werde: "Sie sind für die Airlines ein Kernstück finanzieller Gesundheit geworden." Denn im Gegensatz zum Auf und Ab der Flugtarife im schärfer werdenden Wettbewerb seien die Extra-Einkünfte pro Passagiere relativ stabil und so für die Unternehmen besser kalkulierbar.

Das "Yearbook of Ancillary Revenue" verzeichnet anhand von Jahresberichten, Unternehmensangaben und Schätzungen die Zusatzeinnahmen von 73 Fluggesellschaften. Für die gesamte Branche hatte Idea Works Ende 2017 in diesem Bereich einen Umsatz von 82,2 Milliarden Dollar (gut 70 Milliarden Euro) veranschlagt. Das wären fast 22 Prozent mehr als im Vorjahr.

Grafik: Idea Works Company

Von: pra
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