Zulieferindustrie leidet unter Airbus-Abhängigkeit

26.04.2018 - 07:29 0 Kommentare

Die Luftfahrtindustrie in Deutschland boomt - doch die Zulieferer geraten zunehmend unter Druck. Eine neue Studie zeigt: Die Abhängigkeit von Airbus ist weiterhin sehr groß, und die Wettbewerbsfähigkeit hat abgenommen.

A330-Montage in Toulouse. - © © Airbus - H. Goussé

A330-Montage in Toulouse. © Airbus /H. Goussé

Der zivilen Luftfahrtbranche in Deutschland geht es nach den jüngsten Zahlen des Verbandes BDLI gut. Doch was die Zukunftsperspektiven angeht, steht es nicht zum Besten. Eine neue Studie kommt zu dem Schluss, dass die mittelständisch geprägte Zulieferindustrie zu wenig wettbewerbsfähig ist. Die Situation hat sich in den vergangenen fünf Jahren sogar verschlechtert.

Die Unternehmensberatungen H&Z und Kea & Partners haben im Rahmen der Studie, die airliners.de vorliegt, 140 Zulieferbetriebe in Deutschland und Frankreich untersucht. Vergleichswerte aus der letzten Erhebung in den Jahren 2012 und 2013 zeigen, wie sich die Branche entwickelt.

Airbus-Schwäche führt zu Überkapazitäten

Deutlich wird dabei: Wohl und Wehe der Branche hängen weiterhin vor allem vom Airbus-Konzern ab. "Insbesondere in Deutschland ist die Abhängigkeit von Airbus-Programmen enorm, fast durchgängig höher als 80 Prozent", erklärt Michael Santo, Geschäftsfüher von H&Z, gegenüber airliners.de.

Demnach bekommen die Unternehmen die mangelnde Nachfrage nach dem A380 und dem A400M deutlich zu spüren: Insbesondere bei den Zulieferern für Rumpfteile, Tragflächen und Leitwerke habe die gedrosselte Produktion zu Überkapazitäten geführt, so Santo. "Die erhöhten Raten im A320-Programm können das nicht kompensieren."

Mittelständler auf dem Rückzug

Unübersehbar ist in der Studie auch der Trend zu Konsolidierung: Unter den 140 betrachteten Unternehmen haben 58 Prozent einen Jahresumsatz von bis zu 50 Millionen Euro. Diese kleinen und mittelständischen Unternehmen hatten vor fünf Jahren noch einen Anteil von 76 Prozent.

Und der Druck zur Konsolidierung wird zunehmen: "Auf sich gestellt, werden viele Zulieferer die neuen Herausforderungen nicht meistern", heißt es in der Studie.

Denn der Wettbewerb spiele sich mittlerweile nicht mehr nur in Europa ab, sondern global. Neue Konkurrenten aus Nordamerika und Asien hätten den Unternehmen aus Deutschland und Frankreich signifikant Aufträge abgenommen.

50 Prozent nicht zukunftsfähig

Die Zukunftsfähigkeit der hiesigen Unternehmen ist dagegen zurückgegangen: Wie die Autoren der Studie anhand verschiedener Faktoren ermittelten, könnten 50 Prozent der Betriebe künftig zu den Verlierern des Wettbewerbs gehören. Denn sie erfüllen die gestiegenen Anforderungen der Abnehmer in vielen Fällen nicht und können sich darum kaum neue Aufträge und Märkte erschließen. Vor fünf Jahren wurden dieser Gruppe nur 40 Prozent der Zulieferer zugerechnet.

Die Studie geht davon aus, dass die Polarisierung des Marktes sich noch verschärfen wird: "Nur Lieferanten, die den globalen Wettbewerb annehmen und sich international aufstellen, werden mittelfristig überlebensfähig sein", meint Unternehmensberater Santo.

© dpa, Matthias Hiekel Lesen Sie auch: Airbus muss Stellen in A380-Produktion streichen

Von: pra
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