Rekordproduktion trotz Luftfahrtkrise?

Zulieferer bezweifeln Airbus-Produktionspläne

16.06.2009 - 19:03 0 Kommentare

Airbus-Lieferanten zweifeln, ob der Flugzeugbauer seine Produktion 2009 trotz der schweren Luftfahrtkrise wie geplant auf dem Rekordniveau des Vorjahres halten kann. Airbus-Chef Thomas Enders gab am Dienstag zu, dass der «Produktionspuffer» aufgebraucht sei, wies aber gleichzeitig Kritik an der Aufrechterhaltung einer hohen Fertigung zurück.

Airbus-Chef Thomas Enders - © © dpa -

Airbus-Chef Thomas Enders © dpa

«Wir haben die Kunden und wir haben die Finanzierung», betonte Enders auf der Luftfahrtmesse in Paris. Von Lieferanten wird befürchtet, dass die Milliardenverluste der Fluggesellschaften zu weiteren Stornierungen von Flugzeugbestellungen führen werden. Um sich dem Produktionstempo von Airbus anzupassen, müssen die Lieferanten ihren Lagerbestand entsprechend hochfahren. Sollte es zu Einbrüchen bei Airbus kommen, könnten sie darauf sitzen bleiben.

Wegen der Luftfahrtkrise hat Airbus die Produktion bereits geringer ausgebaut als geplant. Im Oktober will Airbus die monatliche Produktion der Mittelstreckenflugzeuge der großen A320-Familie von 36 auf 34 senken. Der Ausbau der Fertigung anderer Modelle wurde gestoppt. So soll die Produktion des A380 nur von 12 auf 14 statt auf 18 Maschinen steigen.

«Wir wollen diesen Abschwung so sanft wie möglich machen», sagte Enders. Priorität hätten die Sicherung der Fertigung und der Beschäftigung der eigenen Fachkräfte. Auf der Messe wolle Airbus seine Lieferanten von seinen Produktionsplänen überzeugen. «Wir glauben, dass wir eine bessere Sicht als die Lieferanten haben, wie viele Flugzeuge wir dieses Jahr ausliefern können», erklärte Airbus-Geschäftsführer Fabrice Brégier. «Wir geben den Lieferanten auf dieser Messe mehr Informationen und wir denken, wir können sie von unseren Produktionsplänen überzeugen.»

Es gebe «gute Nachrichten», sagte Enders. «Es gibt immer noch Nachfrage nach Flugzeugen.» Das sei je nach Region und Flugzeugtyp unterschiedlich. «Wir glauben, dass wir nahe am Ende des Abschwungs sind. Wir haben den Boden fast erreicht und werden 2010 einen Aufschwung erleben.» Die heute ausgelieferten Flugzeuge seien zudem vor vier oder fünf Jahren bestellt worden. Der Auftragsbestand reiche bis zu sieben Jahre in die Zukunft.

In den Schwellenländern sei der Bedarf hoch, sagte Enders. In den alten Industriestaaten zwängen die Ölpreise, neue Umweltauflagen und der Kostendruck die Fluggesellschaften zum Ersatz von 6000 alten Maschinen. Airbus rechne langfristig mit fünf Prozent Marktwachstum im Jahr. Zur Frage, ob A380-Kunden die Abnahme von Flugzeugen abgelehnt hätten und Airbus die Maschinen jetzt in Hamburg oder anderswo parken müsse, wollte Airbus nicht Stellung nehmen. Enders sagte lediglich: «Es gibt keinen Grund, warum wir nicht 14 A380 in diesem Jahr fertigen und ausliefern können.»

Von: dpa
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Anzeige schalten »
  • Eine A380 von Emirates bei der Landung. Insider: A380 vor Produktionsstopp

    Quo vadis A380? Nachdem zuletzt eine weitere Drosselung der Produktion diskutiert wurde, geht es nun laut eines Medienberichts um das Ende des Airbus-Doppelstöckers. Alles hängt demnach an Emirates.

    Vom 28.12.2017
  • Eigene App zur A380. Eigene App für A380

    Airbus hat eine eigene Smartphone-App für seine A380 aufgelegt. Damit können laut Mitteilung Flugzeuge gebuchter Flüge virtuell besucht werden und dank Augmented Reality sogar eine kleine A380 durchs eigene Wohnzimmer fliegen.

    Vom 26.01.2018

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus