Kein Stellenabbau in größerem Umfang

Zulieferer am stärksten von Krise betroffen

15.06.2009 - 22:15 0 Kommentare

Von der derzeitigen Luftfahrtkrise sind die Zulieferer im zivilen Bereich nach Einschätzung des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) am stärksten betroffen. Die Bereiche Rüstung und Raumfahrt entwickelten sich stabiler, sagte BDLI-Hauptgeschäftsführer Dietmar Schrick am Montag der Deutschen Presse-Agentur dpa auf der Luftfahrtmesse in Le Bourget.

Mit Blick auf die Wirtschaftskrise gab sich Schrick für die Branche verhalten zuversichtlich. Zwar schlage die schlechte Nachfrage auch voll auf die deutschen Unternehmen durch, die Auftragsbücher seien aber immer noch relativ gut gefüllt.

Eine konkrete Prognose für das laufende Jahr wagte Schrick nicht. Mit einer Erholung des Marktes rechnet er aber nicht vor 2011. «Es könnte durchaus sein, dass der Luftverkehr früher wieder zunimmt. Durchschlagen auf unsere Industrie tut das aber mit einer gewissen Verzögerung.» Im vergangenen Jahr hatten die deutschen Unternehmen der Luft- und Raumfahrtbranche mit 93 000 Beschäftigten einen Umsatz von rund 23 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Nach einer Studie der Beratungsgesellschaft AlixPartners hat sich Finanzsituation der Zulieferer international dramatisch verschlechtert. In der Wirtschaftskrise fehlten etlichen Fluggesellschaften die Liquidität, um neue Flugzeuge zu kaufen. Die Bestellrückgänge seien dramatisch, vielfach würden bereits georderte Flugzeuge storniert. Die Konkurrenzsituation der Zulieferer habe sich dadurch drastisch verschärft, die Lagerbestände hätten sich deutlich erhöht.

 Der durchschnittliche Verschuldungsgrad der Zulieferer der Luftfahrt-Industrie ist der Studie zufolge seit Mitte 2008 um 15 Prozent gestiegen. Der Anteil der Zuliefererfirmen, die sich im finanziellen Risikobereich bewegten, habe sich seit 2006 von 23 Prozent auf heute rund 40 Prozent erhöht. Die repräsentative Studie schließt über 100 Unternehmen ein.

Stefan Ohl, Managing Director von AlixPartners, sagte der dpa, «die Lage ist schwierig. Ich erwarte, dass auch 2010 noch ein sehr ernstes, herausforderndes Jahr wird.» Die europäischen Zulieferer seien in der Krise schlechter aufgestellt als die Amerikaner, erklärte Ohl. Die US-Zulieferbranche habe dagegen einen besseren Puffer durch das Militärgeschäft. Immerhin biete sich den Guten jetzt die Chance, noch besser zu werden. «Die Krise trennt die Spreu vom Weizen.» Kostensenkungsprogramme und verbesserte Liquiditätssteuerung seien kurzfristig unverzichtbar. Ohl rechnet mit einer Übernahmewelle im Erholungsprozess.

In Frankreich forderte die Zulieferindustrie weitere Staatshilfen an. Airbus hat schon mit dem französischen Staat einen Fonds aufgelegt, um die Zulieferbranche zu stützen. Der Flugzeugbauer steuert 30 Millionen Euro der 75 Millionen Euro zum Hilfsfonds «Aerofund 2» bei. Viele französische Zulieferer beliefern auch die Autoindustrie, und weil diese monatelang Betriebsferien gemacht hatte, geht es ihnen wohl schlechter, als wenn sie nur von der Luftfahrt abhingen. Airbus will die Messe auch nutzen, um die Lieferanten davon abzuhalten, wegen der Krise vorschnell Kapazitäten abzubauen.

Von: dpa
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