Zoll am Frankfurter Flughafen sieht Trend zum lebenden Souvenir

15.03.2015 - 10:03 0 Kommentare

Goldschmuck in Windeln, Drogen in Notebooks, Jaguarzähne in Putzschwämmen - der Zoll hat 2014 am Frankfurter Flughafen vieles aus dem Verkehr gezogen. Ein wachsendes Problem sind lebende Tiere im Urlaubsgepäck.

Mit Klebeband umwickelte Schildkröte.

Mit Klebeband umwickelte Schildkröte.
© Zollfahndungsamt Frankfurt am Main

Röntgenbild eines Koffers, in dem insgesamt 90 Tiere geschmuggelt werden sollten.

Röntgenbild eines Koffers, in dem insgesamt 90 Tiere geschmuggelt werden sollten.
© Zollfahndungsamt Frankfurt am Main

Diese Baumschleichen haben Zollbeamte im vergangenen Jahr im Koffer eines Reisenden am Flughafen Frankfurt entdeckt.

Diese Baumschleichen haben Zollbeamte im vergangenen Jahr im Koffer eines Reisenden am Flughafen Frankfurt entdeckt.
© Zollfahndungsamt Frankfurt am Main

Ein ausgehöhltes Buch dient als Drogenversteck.

Ein ausgehöhltes Buch dient als Drogenversteck.
© Zollfahndungsamt Frankfurt am Main

Zu Schmuggelzwecken präparierte Unterwäsche, die mit kleinen Taschen zur Aufnahme des Rauschgifts versehen war.

Zu Schmuggelzwecken präparierte Unterwäsche, die mit kleinen Taschen zur Aufnahme des Rauschgifts versehen war.
© Zollfahndungsamt Frankfurt am Main

Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt wird der Schmuggel mit lebenden Tieren zum Problem. Der Zoll stellte dort im vergangenen Jahr 14.835 Tiere sicher, deren Einfuhr gegen das Washingtoner Artenschutzabkommen verstößt - im Jahr davor waren es 2221. "Anscheinend finden es Reisende schick, sich aus dem Urlaub ein lebendes Souvenir mitzubringen", sagte jetzt der Leiter des Hauptzollamts Frankfurt, Albrecht Vieth.

Am häufigsten fanden sich Schildkröten, Leguane, Warane, Spinnen und Frösche im Gepäck. Die extreme Zunahme kommt allerdings vor allem dadurch zustande, dass viele Touristen Korallen aus dem Urlaub mitbringen - und auf denen wohnen einige Hundert Kleinstlebewesen, die einzeln gezählt werden müssen.

Bei seiner Jahrespressekonferenz präsentierte der Zoll die spektakulärsten Funde am Frankfurter Flughafen. Darunter waren kiloweise zersägte Elefantenstoßzähne, Goldschmuck in Windeln, Drogen in Notebooks oder Jaguarzähne in Putzschwämmen.

Tausende Strafverfahren eingeleitet

Schmuck, Elektronik, Alkohol und Zigaretten gehören weiterhin zu den beliebtesten Waren, die nicht angemeldet werden. 1655 Mal mussten Reisende im vergangenen Jahr deswegen Bußgelder zahlen, 3317 Mal wurde ein Strafverfahren eingeleitet. "Der so verhinderte Steuerschaden beläuft sich auf 1,5 Millionen Euro", sagte Vieth. 2013 war es nur eine halbe Million Euro gewesen.

© dpa, Boris Roessler Lesen Sie auch: Die Einfuhr dieser Güter ist verboten

Insgesamt kamen 2014 mit Steuern, Zöllen und Abgaben 4,15 Milliarden Euro zusammen, wie Vieth berichtete. 2013 waren es 3,15 Milliarden Euro. Das deutliche Plus ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die Zuständigkeit erweitert wurde: Es kamen zwei Zollämter dazu und damit etwa die Verantwortung für die Messe und das Bankenviertel von Frankfurt.

Mehr Drogenkuriere festgenommen

Vier- bis fünfmal täglich stellen die Kontrolleure am Frankfurter Flughafen Drogen sicher. 2014 gab es 1650 Aufgriffe, zehn Prozent mehr als im Jahr davor. 75 Drogenkuriere wurden vorläufig festgenommen, 8 mehr als im Vorjahr. Die entdeckte Rauschgiftmenge ging jedoch zurück: 2014 wurden 624 Kilogramm Drogen entdeckt nach 763,5 Kilogramm im Vorjahr. Das meiste war Kokain.

2014 beschlagnahmte das Hauptzollamt Frankfurt knapp 330.000 Waren, etwa gleich viele wie im Vorjahr. Häufig waren es gefälschte Tabletten, meist Potenzmittel, aber auch falsche Markenuhren, Parfüms, Speicherkarten und - im Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft - Mannschaftstrikots sowie ein WM-Pokal für 40 Euro.

Die spektakulärsten Funde des Zolls am Frankfurter Flughafen 2014 im Überblick:

Vier kuriose Verstecke:
Goldschmuck in Windeln im Koffer eines Reisenden aus der Türkei
Jaguarzähne in Putzschwämmen in einem Postpaket aus Bolivien
Kokain in 350-Gramm-Tüten hinter dem Display von Notebooks
Schmuck, Uhren und Münzen in eigens angefertigten Schmugglerwesten

Die meisten Tiere:
Im Koffer eines Reisenden aus Mexiko fand der Zoll 90 lebende Tiere. Es handelte sich um 55 Schildkröten, 34 Schlangen und einen Leguan - in Beuteln und Schachteln verpackt oder mit Klebeband umwickelt.

Der größte Kokain-Fund:
Eine Chinesin hatte 14,5 Kilogramm Kokain im Gepäck - der größte Einzelfund des Jahres. Ungewöhnlich war ihre Route von Brasilien über Frankfurt nach China.

Das meiste Heroin im Körper:
Ein Nigerianer hatte vor der Reise 1,2 Kilogramm Heroin in kleinen Päckchen geschluckt. Es war der Drogenkurier mit der meisten Rauschgiftmenge im Körper (ein sogenannter Bodypacker).

Das meiste Efenbein:
Ein Vietnamese hatte drei Elefantenstoßzähne im Gepäck, zersägt in Einzelteile, Gesamtgewicht 32 Kilogramm. Er war mit dem Auto aus Tschechien eingereist und wollte mit dem Flieger weiter nach Hanoi.

Von: dpa
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