Zoff um Salzburger Flughafen wird Wahlkampfthema

27.08.2013 - 07:40 0 Kommentare

Der Bundeskanzler Österreichs hat sich jetzt in den Streit um Fluglärm am Salzburger Flughafen eingeschaltet. Grund sind Pläne von Verkehrsminister Peter Ramsauer, Anflugrouten über deutsches Gebiet einzuschränken.

Blick auf das Vorfeld des Flughafens Salzburg - © © Flughafen Salzburg -

Blick auf das Vorfeld des Flughafens Salzburg © Flughafen Salzburg

Der bayerisch-österreichische Streit um den Salzburger Flughafen wird zum Wahlkampfthema: Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) will bei Bundeskanzlerin Angela Merkel in dem Fall intervenieren, wie der ORF am Montag auf seiner Homepage berichtete.

Grund für die Beschwerde sind Pläne von Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), Anflugrouten auf Salzburg über deutschem Gebiet einzuschränken. Österreich fürchtet, dass bei Einschränkung der Flugrouten die Zukunft des Salzburger Flughafens infrage steht.

Ramsauer hatte bereits vor zwei Jahren eine Beschränkung der Überflugrechte ins Gespräch gebracht. Unlängst ruderte der Verkehrsminister wieder teilweise zurück und erklärte, dass keine Absicht zur Aufkündigung des bestehenden Staatsvertrags bestehen würde.

Studie kommt zu einem etwas anderen Ergebnis

Menschen im oberbayerischen Freilassing und der Umgebung beschweren sich schon seit langem über zu viel Fluglärm. Zu einem etwas anderen Ergebnis war unlängst eine Studie gekommen, deren Ergebnisse der Salzburger Airport veröffentlicht hat. Von den befragten Bayern 70 Prozent angegeben, sich kaum von Fluglärm gestört zu fühlen. Insgesamt hatten sich die Bayern mit „ihrem“ Flughafen in Salzburg zu 90 Prozent "zufrieden" bis "sehr zufrieden" gezeigt und hatten die Durchschnittsnote 1,8 vergeben.

Neue Anflugrouten aus dem Süden sollen die Bewohner von Freilassing zudem beim Thema Lärm entlasten. Auf österreichischer Seite formieren sich aber die Gegner dieser neuen Südroute. Sie können die Sorgen ihrer bayerischen Nachbarn zwar verstehen, fürchten aber selbst den Fluglärm, gesundheitliche Schäden sowie einen Wertverlust ihrer Häuser und Grundstücke.

"Salzburger Flughafen ist ein wichtiger Faktor für die Wirtschaftskraft"

Er wolle nun per Brief bei seiner Amtskollegin Merkel intervenieren, sagte Faymann bei einem Besuch im ORF-Landesstudio Salzburg: «Man muss da rechtzeitig darauf aufmerksam machen, dass es eine Lösung nur gemeinsam geben kann. Der Salzburger Flughafen ist ein wichtiger Faktor für die Wirtschaftskraft im Land Salzburg, angrenzenden Bundesländern und im angrenzenden Bayern.» Die österreichische Parlamentswahl findet am 29. September statt - eine Wochen nach der Bundestagswahl in Deutschland.

Im vergangenen Jahr nutzten rund 1,7 Millionen Passagiere den Salzburger Flughafen. Davon entfielen rund 1,1 Millionen auf den Linienverkehr.

Ähnlicher Fall entzweit Süddeutschland und die Schweiz

Ein ähnlicher Fall von grenzüberschreitendem Lärmstreit beschäftigt seit längerem Deutschland und die Schweiz. Nach jahrelangen Verhandlungen hatten beide Länder vor einem Jahr den «Staatsvertrag zum Flugverkehr am Flughafen Zürich» besiegelt. Dadurch sollte die Lärmbelästigung durch den Airport der größten Schweizer Stadt zwischen den Wohnregionen in Süddeutschland und der Nordschweiz fair verteilt werden.

Im Frühjahr erklärte der Europäische Gerichtshof (EuGH) das deutsche Nachtflugverbot für den Flughafen Zürich für rechtens und der Ständerat in Bern und das Schweizer Parlament ratifizierten das umstrittene Luftlärm-Abkommen. Von deutscher Seite geforderte Nachverhandlungen wurden abgelehnt. Wann die deutsche Seite den Vertrag ratifiziert, ist offen.

Von: airliners.de, dpa
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