Zeitungsbericht über angebliche Mängel in der Boeing-787-Produktion

23.04.2019 - 08:05 0 Kommentare

Bekommt Boeing Qualitätsprobleme bei der 787 im Werk Charleston nicht in den Griff? Diesen Eindruck erwägt ein Bericht der "New York Times". Der US-Flugzeughersteller dementiert energisch.

Boeing hat in North Charleston im Bundesstaat South Carolina mit der Endmontage des ersten 787-10 Dreamliners begonnen. - © © Boeing -

Boeing hat in North Charleston im Bundesstaat South Carolina mit der Endmontage des ersten 787-10 Dreamliners begonnen. © Boeing

Ein Bericht über angebliche Mängel bei der Produktion des Langstreckenjets 787 bringt Boeing unter neuen Druck. Der "New York Times" zufolge hat der Konzern in den vergangenen zehn Jahren wiederholt Hinweise auf Sicherheitsrisiken erhalten, diese jedoch teilweise ignoriert.

Konkret geht es demnach um teilweise massive Sicherheitsbedenken bei der "Dreamliner"-Herstellung in Boeings Werk in North Charleston im US-Bundesstaat South Carolina. Hausgemachte Probleme wie überhöhter Produktionsdruck und mangelnde Qualifikation von Mitarbeitern sollen angeblich zu gefährlichen Mängeln bei der Fertigung geführt haben. So seien etwa Metallspäne nicht ordentlich beseitigt und defekte Teile installiert worden, heißt es in dem Bericht.

Die Zeitung beruft sich auf Hunderte Seiten an internen E-Mails, Dokumente des Unternehmens und Unterlagen von Behörden sowie Interviews mit mehr als einem Dutzend Mitarbeitern. So bestätigte ein Sprecher der FAA, dass die Behörde mehrere Flugzeuge inspiziert habe, die Boeing als sicher klassifiziert hatte, und Metallsplitter zum Teil über der Verkabelung für die Flugsteuerung gefunden habe. Qatar Airways soll laut Bericht seit 2014 nur noch Dreamliner aus Washington abnehmen.

Boeing bezeichnet Vorwürfe als "verdrehte Informationen"

Boeing wies die Vorwürfe zurück. Das Unternehmen produziere im Werk in South Carolina auf dem höchsten Qualitätsniveau seiner Geschichte, erklärte Boeings Leiter der Verkehrsflugzeugsparte, Kevin McAllister.

Werksleiter Brad Zaback kritisierte den Zeitungsbericht später in einer E-Mail an die Mitarbeiter: Der Artikel zeichne ein "verzerrtes und fehlerhaftes Bild", er enthalte "verdrehte Informationen" und wärme alte Gerüchte wieder auf, die längst entkräftet worden seien.

Dem stehen der "New York Times" zufolge jedoch fast ein Dutzend Berichte von Whistleblowern und Sicherheitsbeschwerden bei Aufsichtsbehörden entgegen. Probleme mit Metallspänen bestätigte dem Blatt zudem auch ein Sprecher der US-Luftfahrtbehörde FAA. Boeings Sicherheitsverständnis steht nach zwei Abstürzen ohnehin aktuell stark in der Kritik. Nach ersten Ermittlungsberichten gilt ein Konstruktionsfehler bei einer Steuerungssoftware als möglicherweise entscheidende Ursache für die Unglücke in Indonesien und Äthiopien mit insgesamt 346 Todesopfern. Nach den Unfällen wurden weltweit Flugverbote für die 737-Max-Serie verhängt.

Von: dh mit dpa
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