Zeitfracht bricht Verhandlungen mit Small Planet ab

Exklusiv 16.10.2018 - 16:00 0 Kommentare

Vier Wochen ist die Pleite der deutschen Small Planet her, die Übernahmeverhandlungen mit Zeitfracht sind nun gescheitert. Doch es soll noch weitere Bieter geben.

Im Inneren einer Airbus-Maschine von Small Planet Airlines. - © © AirTeamImages.com - Jan Severijns

Im Inneren einer Airbus-Maschine von Small Planet Airlines. © AirTeamImages.com /Jan Severijns

Die Berliner Logistikgruppe Zeitfracht ist aus dem Bieterrennen um die insolvente Small Planet Deutschland ausgestiegen. Nach airliners.de-Informationen aus Verhandlungskreisen gab es "unüberbrückbare Differenzen bei der Vertragsgestaltung".

Zeitfracht teilt auf Anfrage mit, dass "erforderliche Zusagen, die einen ununterbrochenen Weiterbetrieb der A320-Flotte ermöglicht hätten, nicht zugesagt werden konnten". Small Planet will sich auf Anfrage "inhaltlich nicht zu einem laufenden Verfahren äußern".

Denn genau dies war bereits vorab als kritischer Punkt in den Übernahmeverhandlungen ausgemacht worden. Das Camo für die Mittelstreckenjets hängt nämlich an der litauischen Small Planet - Zeitfracht selbst hat aktuell keine Berechtigung, die Flugzeuge zu betreiben. Würde also die litauische Mutter in die Zahlungsunfähigkeit rutschen, müssten auch die von den Berlinern übernommenen Maschinen am Boden bleiben.

Dies war für Zeitfracht offenbar ein zu ein großes Risiko: "Das ist ein sicherheitsrelevantes Thema und wir werden da keinerlei Kompromisse machen, weil wir die Sicherheit der Passagiere niemals auch nur im Geringsten gefährden werden", hieß es in einer internen E-Mail an das Small-Planet-Management.

Noch weitere Bieter im Gespräch

Die deutsche Small Planet meldete Mitte September Insolvenz in Eigenregie an. Dem Carrier waren mehrere technische Probleme, die im Sommer zu langen Verzögerungen inklusive Ausgleichszahlungen an Passagiere führten, zum Verhängnis geworden.

Das Fluggastrechteportal EU Claim hat exklusiv für airliners.de die Zahl der Problemflüge von den angesprochenen Airlines zwischen Ende März und heute aufgelistet. Dazu zählen Flüge, die bei Ankunft mehr als drei Stunden Verspätung hatten (also aus finanzieller Sicht wegen einer Entschädigungszahlung relevant sind) und Verbindungen, die komplett gestrichen wurden. In Relation zu der Zahl von angebotenen Flügen ist in dieser Gruppe Azur Air Spitzenreiter:

Problemflüge von Ferienfliegern
Azur Air Condor Eurowings Germania Lauda Motion Small Planet Sundair Tuifly
März* 8.0 3.0 1.3 2.8 0 4.0 0 1.5
April 5.0 1.0 2.0 0.9 5.6 1.1 2.9 0.6
Mai 3.3 5.6 4.0 2.9 13.3 10.2 0 4.3
Juni 5.8 5.3 4.8 1.5 8.7 5.8 2.0 4.2
Juli 15.3 1.5 2.9 0.9 8.5 2.8 0 6.6
August 8.6 2.2 5.6 0.6 3.2 3.2 3.3 3.5
September** 5.0 1.2 2.3 0.7 4.0 5.5 1.6 0.7

Anmerkungen: Angaben in Prozent und gerundet; * = 25. - 31. März 2018; ** = 1. - 18. September 2018. Quelle: EU Claim, eigene Berechnung

Dem Vernehmen nach gibt es neben Zeitfracht noch drei weitere Bieter. Darunter soll auch VLM sein. Die belgische Division hatte selbst Anfang September Insolvenz angemeldet. Wer den engeren Kreis der Bieter bildet, ist nicht bekannt.

Von: cs
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