Zeitfracht feilt an Flugnetz für Expresssendungen

Der Logistik-Dienstleister Zeitfracht stößt mit mehreren Übernahmen in den Bereich Luftfracht vor. Unternehmenschef Simon skizziert im Interview die Pläne. Auch will er das Segment interessant für Low-Cost-Carrier machen.

Blick in eine Frachtmaschine.Foto: © Lufthansa Cargo

Der Berliner Logistikdienstleister Zeitfracht will ein eigenes Flugnetz für leichte und kleinteilige Expressfracht aufbauen. Dies kündigte Unternehmenschef Wolfram Simon nun im Gespräch mit dem Fachportal "CargoForwarder Global" an.

Erster Schritt dazu war der Erwerb der Kölner Gesellschaft WDL Aviation. Zu deren Flotte gehören vier Passagierflugzeuge des Musters BAe 146 (Jumbolino). Diese fliegen auf Leasing-Basis für etwa Air France und Brussels Airlines. "Aber wir vermarkten die Unterflurkammern der Jets in Eigenregie - nutzen sie also für den Transport von kleinen und leichtgewichtigen Expressgütern", so Simon.

In Kürze will er diese Flotte um zwei oder drei 100-Sitzer aufstocken, voraussichtlich durch Flugzeuge der C-Serie von Bombardier. Damit würde der Grundstein für ein eigenes Express-Frachtflugnetz gelegt. Hierzu sei vergangene Woche auch das AOC von WDL auf deren neue Muttergesellschaft Zeitfracht überschrieben wurde.

Warten auf Zuschlag für Air Berlin Technik

Des Weiteren erhofft sich Simon den finalen Zuschlag vom Insolvenzverwalter für Air Berlin Technik, für deren Übernahme eine Bietergemeinschaft bestehend aus der Nayak Aircraft Services und Zeitfracht ihren Hut in den Ring geworfen hat. Noch aber gibt es dafür kein offizielles Okay von der mit der Abwicklung von Air Berlin befassten Kanzlei Flöther & Wissing beziehungsweise dem Berliner Insolvenzgericht Charlottenburg.  

Orchestriert werden soll das Geschäft mit den Schnellpaketen, die im Rumpf der Zeitfracht-Flotte befördert werden, von der Leisure Cargo. Die frühere Frachttochter von Air Berlin - sie gehörte nicht zur Insolvenzmasse der Fluglinie - wurde vom Berliner Logistiker kürzlich für einen nicht genannten Betrag erworben.

Low-Cost-Carrier im Blick

Im Rahmen des Expressnetz-Konzepts von Zeitfracht geht deren Aufgabenspektrum aber deutlich weiter, sagt Simon: Sie ist zusätzlich verantwortlich für die Vermarktung von Fremdkapazität, also die Mitnahme von Expresssendungen in den Rümpfen von Drittgesellschaften, die Unterflur-Kapazität bieten, aber diese nicht nutzen.

Neben traditionellen Fluglinien denken wir dabei auch an so genannte Low-Cost-Carrier, die bislang keine Frachtstücke zuladen.

Wolfram Simon, Chef von Zeitfracht

Bis es soweit ist, müssen Zeitfracht und Leisure aber viel Überzeugungsarbeit leisten. Speziell Billiganbieter machen bisher um das Thema Cargo einen großen Bogen. "Weil diese zusätzliche Tätigkeit die sehr knapp kalkulierten Drehzeiten ihrer Flugzeuge auf den Airports gefährden könnte", weiß Simon.

Patent für Kleincontainer angemeldet

Sein Türöffner: Ein spezieller Kleincontainer in Waschkorbgröße, der sich extrem schnell ein- und ausladen lässt beim Stand der Flugzeuge auf einem Flughafen. "Als Zeitfracht haben wir die Wechselbrücken im LKW-Bereich erfunden, ähnliches planen wir jetzt im kleineren Maßstab auch für Expressfracht." Ein Patent darauf hat seine Firma inzwischen angemeldet. 

Für den Transport der Schnellsendungen vom Flughafen zu den Kunden und in umgekehrter Laufrichtung wird Zeitfracht vor allem mit dem Paketdienst DPD zusammenarbeiten. Der Berliner Logistiker gehörte einst zu den Gründungsmitgliedern von DPD, trennte sich aber von den verbliebenen Anteilen in Höhe von 6,2 Prozent im Herbst letzten Jahres.

Gespräche mit potenziellen Partnern

Angesprochen auf potenzielle Airline-Partner für das geplante Express-Netzwerk, wollte Simon mit Rücksicht auf laufende Verhandlungen keine Namen nennen. Aber es seien "einige bekannten Fluglinien darunter".

Weiterhin kündigte der Manager an, dass Leisure Cargo vom Stammsitz der Firma in Düsseldorf nach Frankfurt umziehen werde. Am Flughafen Düsseldorf solle der Luftfrachtagent aber weiterhin mit eigenem Büro vertreten sein. Auch plane Zeitfracht, die Firma umzubenennen - ein interner Namensfindungsprozess sei gestartet worden.

Von: Heiner Siegmund für airliners.de

Datum: 27.11.2017 - 11:16

Adresse: http://www.airliners.de/zeitfracht-flugnetz-expresssendungen/42966