Wrackteile für Lokalisierung von MH370 zu weit gedriftet

27.03.2014 - 11:35 0 Kommentare

Die Strömung im Indischen Ozean ist stark und teils turbulent. Wirbel können Wrackteile in alle Himmelsrichtungen driften lassen. Es ist vielleicht zu spät, um jetzt noch von einer Fundstelle auf die Absturzstelle zu schließen.

Dr. David Griffin, Ozeanograph des australischen Forschungsinstituts SCIRO in Hobart, Tasmanien.

Dr. David Griffin, Ozeanograph des australischen Forschungsinstituts SCIRO in Hobart, Tasmanien.
© CSIRO Media

Die Karten der australischen AMSA zeigen auch zwei mögliche Flugrouten über dem Indischen Ozean.

Die Karten der australischen AMSA zeigen auch zwei mögliche Flugrouten über dem Indischen Ozean.
© AMSA - Komposition: airliners.de

Je länger die Suche im Indischen Ozean nach Wrackteilen des Malaysia-Airlines-Flugzeugs dauert, desto schwieriger wird die Lokalisierung der Absturzstelle von Flug MH370. «Der einzige Wert eines Funds heute ist eigentlich nur noch, dass wir dann einen Beweis haben, dass die Maschine abgestürzt ist», sagte David Griffin, Ozeanograph des australischen Forschungsinstituts CSIRO in Hobart, Tasmanien, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Frage: Läuft die Zeit für das Auffinden von Wrackteilen davon?

Antwort: Ja, weil in dem Suchgebiet der Winter im Anmarsch ist und das Meer immer rauer wird und weil vermeintliche Wrackteile zu weit gedriftet sind, um Rückschlüsse auf die Absturzstelle zu ziehen. Es ist schon jetzt zu viel Zeit vergangen,

Frage: Gibt es nicht inzwischen gute Computermodelle zu den Strömungen?

Antwort: Im Prinzip ja, aber der Ozean ist in der Region sehr turbulent, es gibt Wirbel bis zu 100, 200 Kilometer breit, dort können Teile rotieren. Nachzuvollziehen, wo die Teile herkamen, ist, als wenn man versucht, einer bestimmten Person in einer Menge zu folgen, in der jeder in eine andere Richtung läuft. Anders gesagt: Wenn die Strömung gradlinig ist, bewegt sich das Treibgut wie auf einer Autobahn. Aber es gibt dort viele mehrspurige «Autobahnkreuze», und je nachdem, in welcher Spur das Stück ist, kann es in eine ganz andere Richtung getrieben werden. Ein kleiner Fehler in unseren Annahmen kann später zu einem kolossal falschen Ergebnis führen.

Frage: Welche Chance besteht noch, die Absturzstelle und damit womöglich den Hauptteil des Wracks möglichst bald zu finden?

Antwort: Das Beste wäre, wenn wir große Wrackteile finden und feststellen können, dass es die Teile sind, die auf den frühen Satellitenaufnahmen zu sehen waren. Als die Aufnahmen gemacht wurden, waren die Teile ja noch relativ nah an der Absturzstelle. Deshalb lässt sich von da der wahrscheinliche Weg der Teile relativ präzise zurückverfolgen.

Dr. David Griffin (54) arbeitet seit 1994 beim australischen Forschungsinstitut CSIRO. Er ist Meeresforscher und spezialisiert auf Strömungen und Wirbel im Ozean.

Von: dpa
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