So will Wöhrl Air Berlin sanieren

24.08.2017 - 14:38 0 Kommentare

Ex-dba-Chef Hans Rudolf Wöhrl zeichnet einen genauen Plan, wie er Air Berlin als Ganzes und profitabel fortführen möchte. Kommende Woche führt er erste Gespräche mit dem Gläubigerausschuss des insolventen Carriers.

Hans Rudolf Wöhrl kaufte seinerzeit die schwer angeschlagene dba von British Airways, sanierte den Carrier und verkaufte ihn dann für einen dreistelligen Millionenbetrag an Air Berlin. - © © privat -

Hans Rudolf Wöhrl kaufte seinerzeit die schwer angeschlagene dba von British Airways, sanierte den Carrier und verkaufte ihn dann für einen dreistelligen Millionenbetrag an Air Berlin. © privat

Der Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl hat seine Pläne für die insolvente Air Berlin skizziert. "Unser Bestreben ist es, teilweise zu den Wurzeln zurück zu kehren, was den touristischen Verkehr anbetrifft", sagte Wöhrl zu airliners.de.

Wöhrl rechnet nach eigenen Angaben damit, dass der insolvente Carrier schon bald wieder aus den roten Zahlen kommen könnte: "Wenn ich meine Erfahrungen als Ansatz nehme, wird der Winter 2017/18 hohe Verluste bringen, der Sommerflugplan 2018 könnte mit ein wenig Glück mit einer schwarzen Null abgeschlossen werden. Dann folgen noch einmal sechs schwierige Monate, die aber der Sommer 2019 ausgleichen könnte. Dann sollte/könnte Air Berlin gut da stehen."

Wöhrls konkrete Pläne

Konkret sieht Wöhrl vor, dass sich Air Berlin "wieder intensiver mit dem innerdeutschen und den europäischen Kurzstreckenverkehr befassen" sollte. "Denn eine so große Airline braucht Ganzjahresziele." Den US-Langstreckenfokus will er nur geringfügig nachjustieren: "Bei der Langstrecke stünden ausschließlich touristische Ziele im Flugplan, möglichst solche, die man 52 Wochen im Jahr anfliegen kann."

Nach dem Ausstieg Etihads will er Asien-Flüge nur teilweise wieder aufnehmen: "Warum sollte Air Berlin nicht in die klassischen Winterurlaubsziele der LTU fliegen? Ich denke an Thailand, die Malediven, und so weiter. Aber wir kämen nie auf die Idee, nach Hongkong oder China zu fliegen."


Zudem will der Unternehmer die Air Berlin wieder in die "Provinz zurückverlagern": "Über die Drehkreuze BER (falls er fertig sein sollte) und Palma de Mallorca könnten wir zusätzliches Passagieraufkommen mit Inlandsstrecken generieren." Dabei orientiert er sich an den Strategieplänen des Ex-Air-Berlin-Chefs Joachim Hunold: "Lieber eine gute Kopie, als ein schlechtes Original!"

Absichtserklärung zur vollen Übernahme eingereicht

Wöhrl will über seine Investorengruppe "Intro" die komplette Air Berlin übernehmen und so vor einer Zerschlagung bewahren. Diese verfüge über ein Konsortium von Fachleuten, Investoren, Leasing- und Fluggesellschaften. "Nach der heutigen Kenntnislage könnten wir das, was Intro-Verwaltung allein nicht bewältigen oder finanzieren kann, mit diesen Partnern abdecken."

Für kommende Woche ist Wöhrl vom Gläubigerausschuss zu Sondierungsgesprächen nach Berlin eingeladen worden. "Das ist eine sehr erfreuliche Trendwende", so Wöhrl. "Jetzt müssen wir an die Arbeit gehen, die aktuelle Situation analysieren, eineFortführungsprognose erstellen, um auf dieser Basis ein qualifiziertes Angebot unterbreiten zu können."

Alles nur PR?

Wöhrl bringt im Oktober seine Biografie "Wie meine Träume fliegen lernten" heraus. Gegenüber airliners.de versicherte er, dass sein jetziges Interesse an Air Berlin nicht dazu da sei, um ihm Medienpräsenz zu sichern: "Das Buch war schon zum Druck freigegeben, als diese Nachricht kam und wir konnten diese gerade noch auf einer halben, freien Seite vermerken."

Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann bezeichnete das Angebot Wöhrls in einem Intrerview als "PR-Gag". "Ich halte diese Äußerung für einen emotionalen Gefühlsausbruch", konter Unternehmer Wöhrl. "Herr Winkelmann weiß sehr genau, welche Erfahrungen und welch guten Ruf die Intro-Verwaltung auf dem Gebiet der Luftfahrt hat. Dass wir diesen guten Ruf nicht um eines PR-Gags-Willen riskieren würden, ist auch ihm klar."

Wöhrl hatte die Fluggesellschaft dba von British Airways übernommen und 2006 an Air Berlin verkauft, was ihm laut Branchenkennern einen dreistelligen Millionenbetrag einbrachte. Dass er Air Berlin übernehmen will, ist nicht neu. Bereits vor fünf Jahren hatte es einen Vorstoß gegeben. Zuletzt war die Wöhrl-Beteiligungsgesellschaft Intro unter anderem an den zwischenzeitlich insolventen Regionalfluggesellschaften VLM Airlines und Intersky beteiligt. Aus den jeweils angekündigten Plänen für die Fluggesellschaften wurde nichts.

Komplettübernahme als Option

Von der Bundesregierung wird präferiert, dass die Lufthansa Group einen Großteil der Konkurrentin übernimmt und so zu einem "deutschen Champion" wird, wie Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) und -wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) in Interviews sagten. "Es drängt sich der Eindruck auf, dass wir in Deutschland auf dem besten Weg zu einer sozialistischen Planwirtschaft sind, bei der nur noch Großbetriebe erwünscht sind", sagte Wöhrl dazu. Ähnlich hatte sich auch Ryanair-Chef Michael O'Leary geäußert. Auch die irische Billigairline will Air Berlin komplett übernehmen.

"Mir gefällt an dem Plan, dass er zurück zu den Wurzeln will", sagt Air-Berlin-Aktionär Michael Hablasch im Gespräch mit airliners.de. "Wöhrl zeigt echt überzeugende Ansätze: Dass Air Berlin auf Mallorca wieder Marktführer werden soll, er den Schwerpunkt auf innerdeutsche und -europäische Flüge legt und dass Air Berlin wieder von Flughäfen in der Provinz fliegen soll. All das sind gute Ideen, mit denen die Airline aus meiner Sicht eine gute Chance hätte."

© AirTeamImages.com, Danijel Jovanovic Lesen Sie auch: Darum ist Air Berlin pleite Analyse

Air Berlin hatte vergangene Woche Insolvenz angemeldet und wird nur noch mit einem Millionenkredit für den der Bund bürgt, in der Luft gehalten. Da der Carrier jedoch keinen Zugriff mehr auf das Geld von Buchungen zukünftiger Flüge hat, wird laut eines Medienberichts das Geld knapp. Eine erste Sitzung des Gläubigerausschusses, der Übernahmeangebote absegnen muss, brachte noch keine Entscheidung.

Von: Carlo Sporkmann
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