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Wöhrl, Lauda, O'Leary, die edlen Ritter

31.08.2017 - 12:10 0 Kommentare

Karl Born wundert sich, wie viele Air-Berlin-Retter plötzlich auftauchen. Aber geht es den edlen Rittern um die Airline oder nur um Eigen-PR? Eine Kolumne über den Medien-Hype um Airline-Sanierer und Sparfüchse.

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. - © © airliners.de, Karl Born -

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. © airliners.de, Karl Born

Es ist absurd, wie viele neue Air-Berlin-Retter fünf Minuten vor Schluss plötzlich auftauchen. Diese neuen "Retter" meckern viel über die Rolle von Lufthansa bei Air Berlin (in manchen Punkten vielleicht sogar zu Recht). Wer aber sein Interesse nur über die Medien anmeldet und sich darüber beklagt, nicht vorher gefragt worden zu sein, ist offensichtlich mehr an Eigen-PR interessiert als an Air Berlin. Werfen wir mal einen Blick auf die lauten, neuen edlen Ritter.

Es "wöhrlt" wieder im Medienwald

Hans Rudolf Wöhrl muss wohl starke Entzugserscheinungen gehabt haben, als er sich fünf vor zwölf als potenzieller Käufer/Retter für seinen "Herzblut"-Carrier Air Berlin ins Spiel bringt. Die Medienklaviatur in Schwung zu bringen - ja, das kann er. Sofort wird er von den Tageszeitungen unisono zum Riesen-Sanierungsexperten hochstilisiert. Er ist der große "LTU-Retter" und "DBA-Sanierer".

Dabei gehen die Meinungen, wie erfolgreich diese Sanierungen waren, weit auseinander. Bei seinem DBA-Ausstieg "diagnostizierte" der kurzzeitige Mitgesellschafter Hinrich Bischoff von Germania mir gegenüber, die DBA sei "kostenmäßig krank". In diesem Zustand ging DBA dann an Air Berlin.

Vollmundige Versprechen gab er dann auch beim Erwerb der LTU ab. Es sollte der "erste Low-Cost-Carrier mit einem globalem Streckennetz" hervorgehen, "was bislang noch niemand geschafft hat", so Oberflieger Wöhrl. "LTU könne ein Erster-Klasse-Ticket nach New York zum halben Preis wie Lufthansa anbieten - bei gleichem Service", so seine Zukunftsprognose. Ich habe das damals so kommentiert: "Die Fliegerei zittert vor Lachen."

© privat, Lesen Sie auch: So will Wöhrl Air Berlin sanieren

Aber der ernste Teil der Geschichte beginnt mit den Auswirkungen des Verkaufs der LTU an Air Berlin zu einem Preis, den damals außer Air Berlin niemand zahlen wollte. Die LTU-Kostenstruktur lag teilweise weit oberhalb von Air Berlin und der restlichen Branche (und das noch immer). Der Kauf entpuppte sich als einer (von mehreren) "Sargnägeln" für Air Berlin.

Was Wöhrl wirklich gut kann, ist Fluggesellschaften verkaufen. Sein finanzieller Coup bei Verkauf und Rückkauf von DBA-Anteilen an Germania, sein dann endgültiger Verkauf zu einem hohen zweistelligen Millionenbetrag an Air Berlin und der folgende Verkauf der LTU für (offiziell) 140 Millionen verdienen Respekt. Dafür habe ich ihm vor Jahren in einer Kolumne an anderer Stelle den Titel "GröFaz" verliehen: Größter Fluggesellschaften-Verkäufer aller Zeiten.

Aber diese Kompetenz ist im Moment bei Air Berlin nicht gefragt, lieber Herr Wöhrl. Das Geniale bei DBA und LTU war, dass Sie Air Berlin als Käufer gefunden hatten. Diese Strategie zieht aber nicht mehr, denn die jetzige Air Berlin demnächst an Air Berlin zu verkaufen - das schafft auch selbst "GröFaz" nicht. Aber Wöhrl wäre nicht Wöhrl, wenn er nicht schon einen Plan B hätte. In einem Interview sagte er, dass er am liebsten Carsten Spohr einstellen würde. Wie arrogant ist das denn!?

Niki Lauda, der Sparfuchs

Ich habe Niki Lauda bei Verhandlungen kennengelernt. Es ist sehr sparsam und sehr auf seinen Vorteil bedacht. Für einen erfolgreichen Unternehmer ist das ein Kompliment. Lauda wusste sicherlich, warum er sich anfangs nicht in den Verkaufsprozess von Air Berlin eingeschaltet hat. Dass er sich jetzt doch gemeldet hat, ist sicherlich auf den medialen Druck (in Österreich) zurückzuführen. Vielleicht war er auch etwas beleidigt, dass man ihn nicht gefragt hat.

Er hat sich ähnlich wie Wöhrl mit etwas Druck in den Prozess eingebracht, aber wenigstens gleich richtig dazu gesagt, "er müsse zuerst mal die Zahlen sehen". Eigentlich ist das ja auch der normale Weg. Man schaut sich die zuerst die Zahlen an und meldet dann eventuell Interesse an. Auch hier kann man davon ausgehen, dass das Thema danach erledigt sein wird.

Trommelwirbel für O'Leary

Dass Ryanair die Air Berlin in Gänze übernehmen wolle, ist selbst als Witz nicht lustig. Deutsche Pilotenverträge und Ryanair, das passt zusammen wie die berühmte Faust aufs Auge. Einen wie auch immer gearteten Kaufpreis wird O'Leary ohnehin lieber in Ryanair investieren.

Fazit

Bin ich froh, dass Freddy Laker und Charles Lindbergh nicht mehr unter uns sind. Sonst hätte man befürchten müssen, dass sie sich auch noch beworben hätten. Bei letzterem hätte der ganze Medien-Hype dann aber wenigstens Pulitzer-Preis Format gehabt.

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de
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