Artikel vom 03.05.2011 0
Lufthansa weiterhin zuversichtlich
Schub durch Hauptstadtflughafen erwartet
© dpa /M. Gambarini
Lufthansa-Vorstandschef Christoph Franz erläutert die Geschäftsentwicklung.
Die Lufthansa will trotz Millionen-Belastungen wegen der Unruhen in Nahost und der Japan-Katastrophe in diesem Jahr weiter an Höhe gewinnen. Dafür muss Europas größte Fluggesellschaft aber stärker sparen und effizienter werden, wie Vorstandschef Christoph Franz auf der Hauptversammlung am Dienstag in Berlin sagte. Das Atomunglück in Japan habe gezeigt, dass ein dauerhaft normaler Geschäftsbetrieb in der Branche wohl die Ausnahme bleiben werde. Franz bekräftigte die Prognose, Umsatz und operativen Gewinn zu steigern. So soll erneut eine Dividendenzahlung ermöglicht werden.
Im ersten Quartal drückten die internationalen Krisen mit knapp 40 Millionen Euro auf das operative Ergebnis, wie Franz vor rund 1.500 Aktionären erläuterte. Davon entfielen 20 Millionen Euro auf Nahost und 16 Millionen auf Japan. Auch in den kommenden Monaten sei mit abgeschwächten Auswirkungen auf die Bilanz zu rechnen. Die seit Jahresbeginn für Starts in Deutschland fällige Flugsteuer dürfte das Ergebnis bis Ende März mit knapp 15 Millionen belastet haben. Etwa bei 99-Euro-Sondertickets sei die Steuer nicht aufzuschlagen. Stark betroffen sei auch der Konzern-Billigflieger Germanwings.
Steigende Kosten
Höhere Kerosinkosten, zusätzliche Kapazitäten im Markt und nur langsam zu steigernde Ticketpreise seien weitere Herausforderungen, sagte Franz. Um gegenzusteuern, sollten in der gesamten Gruppe noch stärker Kosten gesenkt werden. Verbessert werden müssten unter anderem die Ergebnisse im defizitären Europaverkehr.
Die Nachfrage habe sich zum Start ins Jahr positiv entwickelt. Der Vorstand bekräftigte daher, dass der operative Gewinn 2011 den Vorjahreswert von 876 Millionen Euro übertreffen soll. Der Umsatz von zuletzt 27,3 Milliarden Euro soll ebenfalls zulegen. Genauere Angaben wurden nicht gemacht. Die Hauptversammlung beschloss für 2010 eine Dividende von 60 Cent je Aktie. Für das Krisenjahr 2009 hatte es keine Ausschüttung gegeben.
Konkurrenz vom Golf
Finanzielle Stabilität sei so wichtig, um Durststrecken wie Krisen oder Naturkatastrophen durchstehen zu können, sagte Franz. Die Lufthansa stelle sich darauf ein, dass es im Kerngeschäft wohl kein «business as usual» mehr geben werde. Der Manager kritisierte, dass die staatlichen Airlines Emirates, Qatar und Etihad mit Niedrigstpreisen versuchten, Verkehr von europäischen Drehkreuzen zu sich in die Golfregion zu verlagern.
Mehr Engagement ab Berlin
Ihr Engagement am künftigen Hauptstadtflughafen will die Lufthansa ausbauen. Der Konzern beabsichtige, «in Berlin stärker zu werden, als wir es heute sind», sagte Franz. Derzeit würden «alle Möglichkeiten und Chancen für ein größeres Engagement» in verschiedenen Szenarien geprüft. Eine Entscheidung sei im Sommer geplant. Der neue Flughafen soll am 3. Juni 2012 in Betrieb gehen.
Keine Sonderprüfung bei AUA
Abgelehnt wurde von den Aktionären der Antrag eines Investors, einen Sonderprüfer in Zusammenhang mit der Übernahme der österreichischen AUA vor fast zwei Jahren einzusetzen. Dieser hätte die Konditionen beim Herausdrängen der AUA-Minderheitsaktionäre nochmals gesondert untersuchen sollen.
Stand: 03.05.2011 - 4:24 PM Uhr
Quelle: dpa
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