Artikel vom 07.09.2010
DLR testet Präzisionslandesystem
Kurvenreiche Anflüge möglich
© DLR
Anflugroute auf den Flughafen Frankfurt, die auf den Flughafen Braunschweig-Wolfsburg übertragen wurde
Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und Air Berlin haben am Montag ein neues Verfahren zur Reduzierung von Fluglärm in Wohngebieten getestet. Bei 15 Landungen auf dem Braunschweiger Forschungsflughafen habe man erstmals den gekrümmten Anflug mit Hilfe der Satellitennavigation erprobt, sagte der Direktor DLR-Institus für Flugführung, Dirk Kügler, am Montag in Braunschweig. "Mit Hilfe der Satellitennavigation können wir bei der Landung Wohngebiete umfliegen", sagte er. Zudem würden steilere Anflüge möglich, bei dem sich die Maschinen später dem Boden näherten.
Wie schon im Jahr 2009 stellte Air Berlin eine Boeing 737-700 (D-ABLD) für die Testflüge zur Verfügung. Sie flog genau die gekrümmten Anflüge nach, die bald am Frankfurter Flughafen nachts zu einer Reduzierung der Zahl der stark von Fluglärm betroffenen Bürger sorgen sollen. Nach Angaben von Kügler wurden dabei am Boden Lärmmessungen durchgeführt, die in den nächsten Monaten noch ausgewertet werden müssen.
Lärmverlagerung
Moderne Flugzeuge, wie das bei diesen Versuchen eingesetzte Boeing-Modell, aber auch aktuelle Airbus-Modelle verfügen über Flächennavigations-Fähigkeiten (Aerial Navigation – RNAV): Sie können unabhängig von Funknavigationsanlagen am Boden mit Hilfe des Global Positioning Systems (GPS) navigieren. Hierdurch lassen sich nahezu beliebig geformte Anflüge realisieren.
Lärmvermeidung
Bei den Versuchen zur Lärmvermeidung beginnt das Flugzeug erst später mit dem Sinkflug und verursacht so am Boden erst später Lärm. Das späte Einleiten des Sinkflugs wird ermöglicht, indem man die Sinkflüge steiler gestaltet: Der Anflugwinkel des Flugzeugs zum Boden wird erhöht. Der Anflugwinkel betrage üblicherweise drei Grad, erläutert Kügler. "In diesen Flugversuchen erproben wir mit unseren Partnern unterschiedliche Anflugwinkel: Die Fraport AG lässt Anflugwinkel von 3 und 3,2 Grad testen, um einen Vergleich zu haben - ein Anflugwinkel von 3,2 Grad ließe sich mit heutigen Flugzeugen realisieren. Das DLR überprüft zusätzlich steilere Anflugwinkel und will dadurch mehr über deren Auswirkungen auf die Maschine, die Umwelt sowie die Arbeitsbelastung der Crew herausfinden", sagte Kügler weiter.
Einsatz von GBAS
Bei allen Anflügen kommt das satellitengestützte Ground Based Augmentation System (GBAS) zum Einsatz. Grundlage von GBAS ist GPS, bei dem Satellitensignale die genaue Ortsbestimmung eines GPS-Empfängers – in diesem Fall des Flugzeugs - ermöglichen. Ein System am Boden verbessert bei GBAS die Genauigkeit der GPS-Ortung auf weniger als einen Meter. Hierdurch müssen die Piloten den Flughafen nicht mehr in einem frühen Stadium der Landung in einer geraden Linie anfliegen, sondern können dank hochpräziser 3D-Wegpunkte davon abweichen. Das DLR verfügt am Flughafen Braunschweig-Wolfsburg über eines der wenigen GBAS-Systeme in Europa. Mit GBAS kann der Pilot aus verschiedenen Anflugwinkeln auswählen und kann besonders steile oder gekrümmte Anflugrouten fliegen.
Der Geschäftsführer der Deutschen Flugsicherung, Ralph Riedle sagte, die neuen Anflugverfahren seien aus seiner Sicht genauso sicher, wie der bislang übliche gerade Anflug über einen Leitstrahl. Er rechne noch dieses Jahr mit der Genehmigung des Bundesverkehrsministeriums und mit der Einführung gekrümmter Anflüge im Nachtbetrieb des Frankfurter Flughafens.
Stand: 07.09.2010 - 11:37 AM Uhr
Quelle: airliners.de mit ddp, dpa, DLR
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