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Artikel vom 07.09.2010

China: Piloten täuschen Flugerfahrung vor

Behörde leitet Überprüfung im großen Stil ein

Rund 200 chinesische Piloten haben bei Bewerbungen größere Erfahrung vorgetäuscht, als sie eigentlich hatten. Die Regierung kündigte an, auch die Qualifizierungen von Ausbildern, Fluglotsen und Technikern zu überprüfen.

Boeing 737-800 der Shanghai Airlines, im Hintergrund Maschinen von China Eastern, Air China und Dragonair - © © AirTeamImages.com - Andrew Hunt

Boeing 737-800 der Shanghai Airlines, im Hintergrund Maschinen von China Eastern, Air China und Dragonair

In China haben nach offiziellen Angaben mehr als 200 Piloten ihre Lebensläufe gefälscht, um eingestellt zu werden. Die Zivilluftfahrtbehörde habe daher eine Untersuchung der Qualifizierung aller Piloten gestartet, teilte die Regierung am Montag auf ihrer Nachrichten-Website mit.

Demnach schönten in den Jahren 2008 und 2009 mehr als 200 Piloten ihre Lebensläufe und übertrieben dabei unter anderem bei den Angaben zu ihrer Flugerfahrung. Einige der Piloten hätten bei jedem Arbeitgeberwechsel ihren Lebenslauf gefälscht. Bei einigen handle es sich um ehemalige Armeepiloten, die in die zivile Luftfahrt wechselten. Nach dem Auffliegen der Fälschungen seien viele von ihnen neu untersucht und in Schulungen geschickt worden.

Die Hälfte der beschuldigten Piloten war den Angaben zufolge bei der Fluggesellschaft Shenzhen Airlines beschäftigt, deren Tochtergesellschaft Henan Airlines am 24. August einen schweren Flugzeugabsturz verzeichnete. Die Henan-Airlines-Maschine war in der Provinz Heilongjiang im Anflug verunglückt. Der Regierung zufolge konzentrieren sich die Ermittler auf einen Pilotenfehler als mögliche Ursache für das Unglück.

Nach dem Absturz hatten die chinesischen Behörden bereits eine Untersuchung der 1.300 Maschinen zählenden Linienflugzeug-Flotte des Landes eingeleitet. Die Regierung kündigte an, auch die Qualifizierungen anderer Angestellter der Luftfahrt zu untersuchen, etwa von Ausbildern, Fluglotsen und Technikern.

Gerade Piloten, die häufig die Airline gewechselt hätten, oder ehemalige Militärpiloten, die eher kleinere Luftwaffenmaschinen geflogen hätten, fälschten ihre Biografie, hieß es in den Berichten. Wegen des großen Bedarfs in dem am schnellsten wachsenden Luftverkehrsmarkt der Welt heuerten Fluggesellschaften jeden an, den sie hinter die Steuerknüppel bekommen könnten - egal ob Absolventen von Pilotenschulen oder Veteranen, berichteten Kenner.

Einige Flugschulen unterstützten ihre Schüler noch bei der Fälschung ihrer Lebensläufe, wurde berichtet. Ein Pilot der Shenzhen Airlines wurde in den Staatsmedien zitiert, dass Schüler ihre Flugstunden selbst aufschreiben und nur abzeichnen lassen.

Fälschungen seien kein Geheimnis unter Fliegern, berichtete auch ein anderer Pilot der «China Daily». In dem schnellen Wachstum der Luftfahrt in China deckten Militärpiloten die Kluft zwischen Angebot und Nachfrage. «Bei diesen Piloten ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie ihre Fluggeschichte im Militär fälschen, weil es schwer nachzuverfolgen und zu überprüfen ist», sagte der Pilot. So könnten sie schneller befördert werden. Die Airlines «schauen nur mit einem Auge hin», weil sie froh seien, ausreichend Piloten zu bekommen.

Nach den letzten Zahlen gab es Ende 2007 etwa 11.500 Piloten in chinesischen Fluggesellschaften. Bis 2015 soll der Bedarf um mehrere Tausend ansteigen. Scharfe Kritik an der laschen Praxis übte die «China Daily»: «Expansion ohne Sicherheitsgarantien sind nicht nur tödlich für Passagiere, sondern auch für Flugzeugführer. Unqualifizierte Piloten müssen daran gehindert werden zu fliegen.»

Stand: 07.09.2010 - 6:23 PM Uhr

Quelle: AFP, dpa

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