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Artikel vom 22.10.2008

Kann Lufthansa jetzt AUA-Übernahmebedingungen diktieren?

ÖIAG: Zeitplan bleibt

Der Verkauf der Staatsanteile an der österreichischen Fluggesellschaft Austrian Airlines soll ungeachtet mangelnder Kaufinteressenten bereits Anfang nächster Woche abgeschlossen werden. Nach übereinstimmenden Medienberichten haben Air Franc/KLM sowie die sibirische Gesellschaft S7 das Handtuch geworfen. Nur die Deutsche Lufthansa soll fristgerecht am Dienstag ein Übernahmekonzept vorgelegt haben. Somit könnte Lufthansa die Übernahmebedingungen den Österreichern nun diktieren.

Lufthansa und AUA nebeneinander am Gate in D - © © AirTeamImages.com -

Lufthansa und AUA nebeneinander am Gate in D

Die österreichische Staatsholding ÖIAG hat entgegen anderslautender Medienberichte doch ein konkretes Angebot für die Übernahme der Fluggesellschaft Austrian Airlines (AUA) erhalten. Dies bestätigte der amtierende Verkehrsminister Werner Faymann am Mittwoch in Wien.

Faymann betonte, dass ein konkretes Angebot für die Übernahme der vom Staat gehaltenen 42,75 Prozent an der AUA in Wien vorliege. Ob es sich dabei um eine Offerte der Deutschen Lufthansa handelt, wurde nicht bekannt. Wie es am Mittwoch in einer Erklärung der ÖIAG hieß, sei der im August eingeleitete Privatisierungsprozess der Austrian Airlines «nach wie vor im Gang, der Zeitplan ist weiterhin aufrecht. Der ÖIAG- Aufsichtsrat der ÖIAG wird am Montag eine Entscheidung treffen.»

Verwirrung um Übernahme-Angebote

Aufgrund der mit den Bietern vereinbarten Vertraulichkeit könne derzeit «zur vorliegenden Angebotslage» keine Stellung gneommen werden, teilte dagegen die mit dem Verkaufsprozess beauftragte ÖIAG am Mittwoch mit. Der Privatisierung für die angeschlagene Airline läuft ungeachtet des Übernahme-Chaos unverändert weiter.

Nach Medienberichten hatte am Dienstag keine der drei noch im Wettbewerb um die AUA-Übernahme stehenden drei Fluggesellschaften ein gültiges Übernahmeangebot vorgelegt:

Ein Sprecher der Air France/KLM hatte ihr Desintrerese am Nachmittag in Paris bestätigt. Die Lufthansa wollte entsprechende Berichte, wonach die LH kein abschließendes Angebot gemacht habe, nicht kommentieren. Auch die sibirische Airline S7 soll auf ein Gebot verzichtet haben, der russischen Airline werde in Kreisen der mit dem Verkauf betrauten Staatsholding ÖIAG zudem offenbar keine Chance eingeräumt.

Lufthansa nicht bereit, Schulden zu übernehmen

Somit könnte Lufthansa die Übernahmebedingungen für den 42,5-prozentigen Staatsanteil nahezu diktieren, schreibt nun die «Financial Times Deutschland» (Mittwochausgabe). Finanzkreisen zufolge sei die größte deutsche Fluggesellschaft dabei nicht bereit, die knapp 900 Millionen Euro schweren AUA-Schulden zu übernehmen. Laut FTD muss der Konzern bis Freitag einen konkreten Kaufpreis nennen. Finanzkreisen zufolge sei die größte deutsche Fluggesellschaft dabei nicht bereit, die knapp 900 Millionen Euro schweren AUA-Schulden zu übernehmen. Eine Sprecherin der Lufthansa sagte auf Anfrage, dass das Unternehmen «einzelne Schritte im Verfahren nicht kommentieren» werde.

Krise in Österreich: Ohne Übernahme droht zur Mitte 2009 das Aus

Der Aktien-Kurs der Austrian Airlines (AUA) ist am Mittwoch angesichts des mangelnden Kaufinteresses europäischer Fluggesellschaften massiv eingebrochen. Die Aktie fiel zum Börsenstart in Wien um 32,60 Prozent auf 2,75 Euro, meldete die Nachrichtenagentur APA.

Verkehrsminister Faymann sagte am Mittwoch, falls der Verkauf der AUA scheitere, müsse man über eine Kapitalerhöhung der Gesellschaft nachdenken. Nach Angaben von österreichischen Luftfahrtexperten kann die AUA ohne eine Übernahme oder eine massive Finanzspritze durch die österreichische Regierung voraussichtlich nur noch bis Mitte 2009 weiterfliegen.

Die Gesellschaft rechnet allein für dieses Jahr mit einem Verlust von 125 Millionen Euro. Insgesamt hat die Fluglinie in den vergangenen Jahren einen Schuldenberg von rund 900 Millionen Euro aufgetürmt.

Kritik am Privatisierungsprozess

Inzwischen mussten sich die für den Verkauf Verantwortlichen in Wien heftige Kritik von Politikern und Gewerkschaftern gefallen lassen. Österreichische Medien sprachen im Zusammenhang mit dem Verkauf von «Chaos» und «Fiasko». Der Chef des österreichischen Gewerkschaftsbundes, Rudolf Hundstorfer, warnte davor, die von der Staatsholding ÖIAG gemanagte Fluggesellschaft «herzuschenken». Die Verkehrssprecherin der oppositionellen Grünen, Gabriela Moser, warf dem amtierenden Verkehrsminister Faymann sowie dem noch amtierenden Finanzminister Wilhelm Molterer (ÖVP) vor, durch ihre langes Zögern bei der Privatisierung «die volle Verantwortung für die Vernichtung von öffentlichem Vermögen» zu tragen.

Dagegen versuchte die Staatsholding ÖIAG, die erhitzten Gemüter zu beruhigen. Der im August eingeleitete Privatisierungsprozess der AUA sei «nach wie vor im Gang, der Zeitplan ist weiterhin aufrecht». Der ÖIAG-Aufsichtsrat werde am Montag eine Entscheidung treffen.

Stand: 22.10.2008 - 7:26 PM Uhr

Quelle: dpa, ddp, airliners.de

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