Artikel vom 05.11.2009 0

Südafrika streicht A400M-Auftrag

Zeitverzug und Kostenexplosion

Die südafrikanische Regierung hat die Abbestellung aller acht Militärtransporter vom Typ Airbus A400M beschlossen. Das Projekt liegt drei Jahre hinter dem Plan. Zusätzlich schossen die Beschaffungskosten in die Höhe.

Airbus A400M - © © Airbus -

Airbus A400M

Wenige Wochen vor dem geplanten Erstflug des Airbus- Militärtransporters A400M hat das Milliardenprojekt einen schweren Rückschlag erlitten. Die südafrikanische Regierung habe die Annullierung des Kaufs von acht Maschinen angekündigt, erklärte der französische Airbus-Sprecher Jacques Rocca am Donnerstag der dpa in Paris.

Südafrika war neben Malaysia bisher der einzige Exportkunde. Der Ausstieg macht es dem Flugtechnikkonzern EADS noch schwerer, mit dem Projekt, das 2003 auf 20 Milliarden Euro (zu 1998er Preisen) beziffert wurde, Geld zu verdienen.

Airbus bedauerte die Entscheidung Südafrikas. Das Projekt mache derzeit gute Fortschritte. Inoffiziellen Berichten zufolge hofft Airbus auf einen Erstflug der Turboprop-Maschine in etwa vier Wochen.

Mitte Oktober hatte der Chef des staatlichen Rüstungsbeschaffers Armscor das Parlament darüber informiert dass die acht Flugzeuge statt wie geplant 17 Milliarden Rand (1,5 Mrd Euro) nun 47 Milliarden Rand (4,3 Mrd Euro) kosten sollten. Das wäre weit mehr als das gesamte Verteidigungsbudget Südafrikas.

Airbus hatte zudem die Auslieferung des ersten A400M am Kap von 2012 auf 2016 verschoben. Südafrika will seine veraltete Lufttransport-Flotte modernisieren, um bei zahlreichen Friedensmissionen auf dem Kontinent mobil zu bleiben.

Die A400M soll als «Superflugzeug» einzigartige Flug-, Transport- und Landeeigenschaften kombinieren. Sie soll bis zu 37 Tonnen Fracht bis hin zu Hubschraubern und Panzern fassen und als Lufttanker dienen können. Inklusive Südafrika wurden bisher 192 Maschinen bestellt. Die Bundeswehr ist mit 60 Flugzeugen größter Kunde.

In Paris wird befürchtet, dass der Hauptkunde Deutschland wegen der Haushaltsprobleme seine Bestellung deutlich kürzen wolle. Wegen der Programmverzögerung sollen die ersten A400M statt 2010 jetzt 2013 die alternden deutschen Transall ablösen. Die FDP plädierte dafür, nur 49 Maschinen abzunehmen und damit 1,3 Milliarden Euro einzusparen.

Der Vertrag sieht einen Festpreis von 85 Millionen Euro für die Standardversion vor. Je nach Ausrüstung können es bis zu 25 Millionen Euro mehr werden. Jetzt wird in der Branche gemunkelt, die A400M kostet bereits 145 Millionen Euro pro Stück und Airbus wolle darauf einen kräftigen Aufschlag.

EADS hat wegen der Mehrkosten bereits 2,3 Milliarden Euro zurückgestellt. Wenn die Partnerstaaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, die Türkei, Belgien und Luxemburg das Projekt kippen, müsste EADS 5,7 Milliarden Euro Anzahlungen zurückzahlen. Doch damit rechnet niemand. Die beteiligten NATO-Länder hatte sich jüngst hinter das Projekt gestellt.

Stand: 05.11.2009 - 2:52 PM Uhr

Quelle: dpa, airliners.de

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