Artikel vom 15.06.2009 0
Luftfahrtindustrie hofft auf Krisenende
Airbus-Minister wollen A350 unterstützen
© dpa
Regnerische Stimmung am ersten Tag in Le Bourget 2009.
Ohne Hoffnungen auf eine Auftragsflut wie in den Vorjahren kommen Airbus und Boeing zur weltgrößten Luftfahrtmesse am Montag nach Paris. Die Milliardenverluste vieler Fluggesellschaften und die Probleme am Finanzmarkt drückten auf das Geschäft, erklärten beide Hersteller vor Beginn der Messe.
Die ersten guten Nachrichten kamen heute aus den Emiraten. Die Fluggesellschaft Qatar Airways bestellte 24 Airbus-Maschinen der A320-Familie für 1,9 Milliarden Dollar. Gulf Air orderte bei Rolls Royce Triebwerke für zwanzig A330 und der US-Triebwerkshersteller GE Aviation hat nach Angaben aus Branchenkreisen einen Großauftrag der arabischen Fluggesellschaft Etihad an Land gezogen. Der Vertrag mit einem Volumen von rund fünf Milliarden US-Dollar werde voraussichtlich an diesem Dienstag auf der Luftfahrtmesse im französischen Le Bourget unterzeichnet, hieß es am Montag aus dem Umfeld der General-Electric- Tochter.
Auch Vietnam Airlines kündigte eine Absichtserklärung für den Kauf von zwei Airbus A350-Langstreckenflugzeugen und 16 vom Typ A321 an. Diese Order hätte - sofern sie in Festbestellungen umgewandelt wird - gleichfalls einen Wert von rund 1,9 Milliarden Dollar. Zudem bestellten die Vietnamesen zwei ATR 72-500.
ATR meldete derweil eine stabile Produktion auf Rekordhöhe von 50 Maschinen im Jahr. Geschäftsabschlüsse meldeten auch die Hersteller von Regionalflugzeugen Suchoj. Die ungarische Malév will 30 der neuen russischen Regionaljets kaufen.
Allerdings dämpfte die weiterhin düstere Geschäftslage der Fluggesellschaften, die in diesem Jahr neun Milliarden Dollar Verlust erwarten, die Hoffnung auf eine Auftragsflut wie 2007.
787 schaffte es nicht rechtzeitig zur Messe
Für die nächsten 20 Jahren erwartet Boeing einen Bedarf von 29 000 Flugzeugen im Wert von 3,2 Billionen Dollar. Derzeit schlage die Krise auf manche Kunden noch voll durch. «40 bis 50 Prozent Einbruch ist für viele Frachtflieger normal. Doch das scheint auszulaufen», sagte Carson. Eine leichte Erholung im Frachtbereich könnte «schon dieses Jahr, sicherlich 2010» einsetzen. Die Prognose für den Passagierverkehr sei schwieriger.
Neue Aufträge erwartet Boeing, wenn sein Langstreckenflieger 787 «Dreamliner» sich im Flug bewährt hat. Der Jungfernflug werde erst nach der Pariser Messe, aber noch im Juni stattfinden, sagte Carson. 2010 sollen die ersten 787 an die japanische All Nippon Airways (ANA) gehen. Wegen der Finanzkrise wurden schon zwei 787 abbestellt. Das Flugzeug ist aber mit rund 860 Aufträgen vor dem Erstflug das erfolgreichste Modell der Boeing-Geschichte. Airbus tritt gegen die 787 mit der A350 an, die 2013 fertig sein soll.
Airbus-Minister wollen A350 unterstützen
Auch brachte am Montag die Runde der «Airbus-Minister» eine Enttäuschung. Weil Spanien nicht teilnahm, konnte keine Entscheidung über die A350- Hilfen gefällt werden. Das soll aber in den kommenden Wochen nachgeholt werden.
Der deutsche Luftfahrt-Beauftragte Staatssekretär Peter Hintze erklärte, Berlin sei bereit, bis zu 1,1 Milliarden Euro beizusteuern. Frankreich will 1,4 Milliarden geben. Der britische Beitrag ist noch nicht beziffert. Insgesamt könnten die vier Airbus-Staaten 3,3 Milliarden zur Finanzierung der elf Milliarden Euro Entwicklungskosten beisteuern.
Frankreich treibt Airbus zugleich beim verspäteten Militärtransporter A400M zur Eile. Für Frankreich sei das neue Flugzeug absolut notwendig, sagte Premierminister Francois Fillon am Montag in Le Bourget. Die Verzögerungen bei der Entwicklung des Fliegers müssten so weit wie möglich aufgeholt werden. Airbus liegt mit dem Militärflieger wegen technischer Probleme mehr als drei Jahre hinter dem Zeitplan zurück und verhandelt derzeit mit den Auftraggeber-Staaten über Vertragsänderungen. Einen Termin für den Erstflug gibt es noch immer nicht.
US-Tanker-Auftrag erst Ende 2010
Gedulden muss sich der Airbus-Konzern EADS auch beim erhofften Jahrhundertauftrag der USA für 179 Tankflugzeuge im Wert von 35 Milliarden Dollar. EADS bietet gemeinsam mit Northrop Grumman/EADS den Tanker KC-45 auf Basis der Airbus A330 an. «Der Auftrag könnte vielleicht im März 2010 vergeben werden», sagte Paul Meyer, Sector Vice President von Northrop Grumman, auf der Luftfahrtmesse. Die US Air Force will langfristig 594 alte Tanker ersetzen und hatte den zunächst bereits an die Europäer vergebenen Auftrag auf politischen Druck zurückgezogen. Der erste Festauftrag soll über 68 Maschinen im Wert von zwölf Milliarden Dollar gehen.
Im zivilen Luftfahrtbereich sieht der Chef der Boeing-Sparte Verkehrsflugzeuge, Scott Carson, die Talsohle möglicherweise erreicht. Der Wiederaufschwung könnte in der zweiten Hälfte 2010 kommen. «Wir haben den Eindruck, es gibt Grund zur Hoffnung», sagte Carson. Unklar sei, wie steil der Aufschwung sein werde.
In diesem Jahr bislang kaum Bestellungen
In den ersten fünf Monaten 2009 war der Markt allerdings fast ausgetrocknet. Die großen Flugzeugbauer hatten kaum mehr Bestellungen hereingeholt, als sie über Stornierungen wieder verloren. Jedoch ist die Produktion von Airbus und Boeing auf ein halbes Jahrzehnt ausgebucht und für 2010 und 2011 sogar noch überbucht.
Wenn die Nachfrage in der zweiten Jahreshälfte 2010 anziehe, komme man ohne Kürzungen der Produktion aus, erklärte Boeing. Der US-Konzern, der zum Jahresanfang den Abbau von 10 000 Stellen ankündigte, hat bereits die Fertigung der Boeing 777 von sieben auf fünf im Monat verringert. Auch Airbus tritt auf die Produktionsbremse. Airbus-Chef Thomas Enders erwartet 2011 einen Rückgang der Auslieferungen um 15 bis 25 Prozent.
Der alle zwei Jahre stattfindende Internationale Luft- und Raumfahrt-Salon in Le Bourget bei Paris gilt als weltweit wichtigste Leistungsschau der Branche. In diesem Jahr feiert die Messe ihr 100-jähriges Bestehen. Sie dauert bis zum kommenden Sonnstag (21. Juni). Zunächst bleiben Aussteller und Kunden unter sich. Erst an den letzten drei Tagen öffnet die Messe der Öffentlichkeit ihre Pforten.
Stand: 15.06.2009 - 9:45 PM Uhr
Quelle: dpa, AFP, airliners.de
Anzeigen
Meistgelesen
- 1 Air Berlin wagt den Billigst-Tarif Neue Tarifstruktur
- 2 Lufthansa-A380 heißt «Berlin» Taufe in Tegel
- 3 A400M-Tests in Brandenburg beendet Testflüge verliefen «nicht nach Plan»
Anzeige

Airbus erwartet A380-Auftragsschub
Aluminium vor Renaissance im Flugzeugbau?
Airbus fixiert A330P2F-Umrüstprogramm