Wirtschaft und Politik kritisieren streikende Piloten

21.10.2014 - 11:01 0 Kommentare

Die Streiks der Lufthansa-Piloten könnten schwerwiegende Auswirkungen auf die Konjunktur hierzulande haben, warnt der Bundesverkehrsminister. Der Bundesverband der Deutschen Industrie und der Geschäftsreiseverband VDR kritisieren den Ausstand ebenfalls als "verantwortungslos und unverhältnismäßig“.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) - © © dpa - Rainer Jensen

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) © dpa /Rainer Jensen

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat angesichts der Streiks bei der Bahn und der Lufthansa vor schwerwiegenden Auswirkungen auf die deutsche Konjunktur gewarnt. "Wenn Menschen nicht zur Arbeit kommen und Güter nicht transportiert werden, dann leidet auch die Wirtschaft", sagte Dobrindt der "Bild". "Unsere Verkehrswege sind das zentrale Nervensystem unseres Landes. Daran hängen Wohlstand, Wachstum und Arbeitsplätze. Dieses Nervensystem darf nicht lange lahmgelegt werden, eine Dauerblockade würde der Konjunktur sehr schaden."

Kritik am Streik der Piloten und der Lokführer kam auch von Dieter Schweer, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Deutschen Industrie. „Der Streik der Lufthansa-Piloten schadet der gesamten Volkswirtschaft. Er ist unverhältnismäßig und unverantwortlich, denn er trifft nicht nur ein Unternehmen, sondern das ganze Land", teilte er mit.

Der Streik blockiere globale Logistikprozesse, den Tourismus und viele Geschäftsreisen. Es dürfe nicht sein, dass eine Berufsgruppe ihre strategische Bedeutung ausnutze und die gesamte Wirtschaft in Mitleidenschaft ziehe. "Nach dem unverhältnismäßigen Streik der Bahn darf der Logistik-Standort Deutschland keinen weiteren Schaden nehmen", forderte Schweer.

„Streikwelle hat ein unerträgliches Ausmaß angenommen"

Der Präsident des Geschäftsreiseverband VDR, Dirk Gerdom, bezeichnete den neuerlichen Ausstand der Lufthansa-Piloten als "verantwortungslos und unverhältnismäßig“. „Die Streikwelle hat ein unerträgliches Ausmaß angenommen; hier werden Partikularinteressen von Spartengewerkschaften an den Schaltstellen der Mobilität auf dem Rücken der Geschäftsreisenden und der deutschen Wirtschaft ausgetragen“, so Gerdom in einer Mitteilung.

Es sei an der Zeit, dass die Politik eingreife. Der Schaden für die deutsche Wirtschaft sei zu groß. „Wir fordern Verkehrsminister Alexander Dobrindt dazu auf, seinen Einfluss in der aktuellen Debatte im Parlament geltend zu machen. Die beteiligten Unternehmen und Gewerkschaften fordern wir zurück an den Verhandlungstisch, um eine schnelle Einigung herbeizuführen", erklärte der VDR-Präsident.

Bereits zuvor hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ihre Hoffnung auf eine schnelle Einigung der Tarifparteien bei Bahn und Lufthansa ausgedrückt. Sie hoffe, «dass diese Konflikte schnell beigelegt werden können», sagte der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter in Berlin. Aus Sicht der Kanzlerin zeigten die Streiks, «dass es viele gute Gründe gibt, ein Gesetz zur Tarifeinheit zu verabschieden». Laut Arbeitsministerium soll sich das Bundeskabinett am 3. Dezember mit einem entsprechenden Entwurf befassen.

© dpa, Arne Dedert Lesen Sie auch: «Luxusprobleme»: Kritik an Pilotenstreiks wird lauter

Im Tarifkonflikt bei der Lufthansa haben Piloten am Dienstag ihren Streik auf Langstreckenflüge ausgeweitet. Am vergangenen Wochenende hatten Lokführer mit einem bundesweiten Streik große Teile des Bahnverkehrs lahmgelegt. Beide Tarifauseinandersetzungen schwelen seit Monaten.

Alle Meldungen zum Lufthansa-Pilotenstreik.

Von: dpa, airliners.de
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