Wirtschaft kontra Naturschutz: Braucht Coburg einen neuen Flugplatz?

03.02.2014 - 14:25 0 Kommentare

Ist in Coburg ein neuer Verkehrslandeplatz notwendig? Die Wirtschaft sagt: ja. Naturschützer sagen: nein. Sie verweisen dabei auf einen nahe gelegenen Flugplatz, der seit Jahren negative Schlagzeilen produziert.

Protest gegen den neuen Verkehrslandeplatz Coburg

Protest gegen den neuen Verkehrslandeplatz Coburg
© dpa - David Ebener

Protest gegen den neuen Verkehrslandeplatz Coburg

Protest gegen den neuen Verkehrslandeplatz Coburg
© dpa - David Ebener

Ein rostiges Modell eines Flugzeuges, das die fiktive Kennung "Nixda" trägt, liegt als Protest gegen den neuen "Verkehrslandeplatz Coburg" auf einer landwirtschaftlichen Fläche

Ein rostiges Modell eines Flugzeuges, das die fiktive Kennung "Nixda" trägt, liegt als Protest gegen den neuen "Verkehrslandeplatz Coburg" auf einer landwirtschaftlichen Fläche
© dpa - David Ebener

Tower am Flugplatz Coburg

Tower am Flugplatz Coburg
© CC - JFKCom

Im nordbayerischen Coburg laufen die Planungen für einen neuen Verkehrslandeplatz. Im Dezember haben auf dem Gelände etwa sieben Kilometer nordwestlich der Stadt Probebohrungen begonnen, um die Beschaffenheit der Flächen zu erkunden. Auch einen Zeitplan der Projektgesellschaft gibt es schon, noch 2014 soll der Antrag auf Beginn eines Planfeststellungsverfahrens eingereicht werden.

Doch bereits jetzt stehen sich Gegner und Befürworter des Projekts nahezu unversöhnlich gegenüber. Das Thema nimmt auch breiten Raum im Kommunalwahlkampf ein. Denn in der Stadt Coburg wird ein neuer Oberbürgermeister gewählt: Norbert Kastner (SPD), seit 1990 im Amt, tritt nicht mehr an. Er gilt als Befürworter des Projekts. Doch die Karten werden nun neu gemischt.

Bei den Planungen zum Verkehrslandeplatz prallen indes die unterschiedlichen Interessen von Wirtschaft und Naturschutz aufeinander. Wirtschaftsvertreter sagen, ein Landeplatz sei dringend notwendig für die ansässigen Firmen. So bleibe der Standort Coburg attraktiv und die Arbeitsplätze würden gesichert. Viele Unternehmen pflegten internationale Geschäftsbeziehungen, schreibt die Coburger Industrie- und Handelskammer (IHK) in einem Argumentationspapier. «Optimale Erreichbarkeit und schnelle Anbindung sind dabei für den Geschäftserfolg von gleich hoher Bedeutung.»

Ein Coburger Manager soll demnach möglichst schnell - also per Flugzeug - zu seinen internationalen Geschäftspartnern oder zu ausländischen Produktionsstätten reisen können. Unternehmen wie der Automobilzulieferer Brose gehören auch zur Projektgesellschaft und halten dort 30 Prozent der Anteile.

Instrumentenflug nur mit Ausnahmegenehmigung möglich

Derzeit gibt es in Coburg bereits einen Verkehrslandeplatz. Auf der Brandensteinsebene nahe der berühmten Veste. Instrumentenflug ist hier aber nur mit einer Ausnahmegenehmigung möglich, die nach Angaben der Behörden längstens bis 2019 gültig ist. «Ein richtlinienkonformer Ausbau der Brandensteinsebene ist nach mehreren gutachterlichen Aussagen definitiv nicht möglich», heißt es bei der IHK.

Dem widerspricht der Bund Naturschutz (BN). Man könne den bestehenden Platz sehr wohl ausbauen. Tom Konopka, BN-Regionalreferent für Oberfranken, findet zudem, grundsätzlich sei ein Flugplatz-Neubau das verkehrte Signal, weil Flugverkehr dem Klima schade: «Das wäre eine Fehlentwicklung. Wir wollen nicht, dass in Bayern noch ein Flugplatz dazukommt.» Er verweist auf den Flugplatz in Hof, der seit Jahren negative Schlagzeilen produziere: «Das ist ein totales Desaster.»

Der für Millionen ausgebaute Regionalflughafen Hof-Plauen hatte versucht, einen Linienverkehr nach Frankfurt am Main zu etablieren - mit kräftiger finanzieller Unterstützung der öffentlichen Hand. Inzwischen landen und starten nur noch Geschäftsflieger in Hof. Und auf der Start- und Landebahn laufen Tests für eine Motorsport-Serie.

Allianz mit Landwirten geschmiedet

Speziell in Coburg hat der BN bereits eine Allianz mit Landwirten geschmiedet. Denn auf einer Fläche von etwa 100 Hektar soll der Flugplatz gebaut werden. Bislang wird das Areal von Bauern bewirtschaftet. «Diese Fläche würde der Landwirtschaft entzogen», warnt Konopka. Der Flächenfraß im Freistaat dürfe nicht mehr so weitergehen.

Etwa 30 Millionen Euro, so die Schätzungen, dürfte der Bau insgesamt kosten. Geld, das vor allem die Steuerzahler der Region schultern müssten, fürchtet Konopka. Denn Stadt und Landkreis Coburg sind mit etwa 67 Prozent an der Projektgesellschaft beteiligt.

Ob die Staatsregierung sich an den Flugplatzkosten beteiligt, ist nach Angaben einer Sprecherin des Münchner Verkehrsministeriums noch völlig offen. So lange es noch kein Baurecht gebe, könne man nicht einmal prüfen, ob das Projekt überhaupt förderfähig sei, sagt sie. Die IHK hat zugesagt, dass sich auch die Wirtschaft an den Kosten beteiligen will - mit etwa fünf Millionen Euro.

Von: dpa
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