Interview

"Nach Air Berlin befindet sich Sylt gerade im Wiederaufbau"

11.05.2018 - 08:31 0 Kommentare

Der Flughafen Sylt ist besonders hart von der Air-Berlin-Pleite betroffen. Im Interview mit airliners.de spricht Geschäftsführer Peter Douven über neue Carrier, Kapazitätsprognosen und warum Ryanair für Sylt kein Thema ist.

Air-Berlin-Maschine am Flughafen Sylt - © © Flughafen Sylt -

Air-Berlin-Maschine am Flughafen Sylt © Flughafen Sylt

Der Flughafen Sylt hat im vergangenen Jahr mit Air Berlin ihren wichtigsten Kunden verloren. Die Berliner Airline war der erste große Carrier, der den Insel-Airport in ihr Programm aufgenommen hat. Den bisherigen Passagierrekord erreichte der Flughafen mit 217.000 Passagieren im Jahr 2014. Im Gespräch mit airliners.de spricht Geschäftsführer Peter Douven wie der Flughafen es geschafft hat, kurzfristig das Angebot für die Insel aufrecht zu erhalten.

airliners.de: Wie hart hat Sie die Pleite getroffen?
Peter Douven: Das war schon ein harter Einbruch. Air Berlin war ja unser Hauptpartner. Durch ihr Ausscheiden befinden wir uns gerade im Wiederaufbau. Das wird auch noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Wir sind nach der Insolvenz auf etwa 35 Prozent unserer Sitzplatzkapazitäten gesunken.

Was heißt das in konkreten Passagierzahlen?
Wir hatten vor der Insolvenz rund 141.000 Passagiere pro Jahr. In diesem Jahr können wir das nicht erreichen, ganz einfach, weil wir gar nicht mehr die Sitzplatzkapazitäten haben. Aber ganz liegen wir schon wieder bei 83 Prozent der Kapazitäten. Für das erste Jahr ist das gut und auch deutlich mehr als wir prognostiziert hatten.

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© Flughafen Sylt

Peter Douven ist Sylts Tourismus-Multifunktionär. Er ist seit 2005 Geschäftsführer am Flughafen Sylt. Gleichzeitig ist er auch Chef der Insel Sylt Tourismus-Service GmbH, die sich um die Vermarktung der Insel kümmert

Da haben Sie ja schon viel wieder aufgeholt. Mit wie viel Passagieren rechnen Sie dann für dieses Jahr?
Wir müssen sehen wo wir landen, aber gehen davon aus, dass es rund 110.000 Passagiere sein werden. Durch die Air-Berlin-Insolvenz haben wir jetzt eine größere Mischung an Partnern als vorher.

Das ist ja vielleicht auch ein Vorteil. Wie haben Sie es denn geschafft die Lücke innerhalb von so kurzer Zeit zu schließen?
Wir haben viele Gespräche geführt und sind auf die Airlines zugegangen. Bei Eurowings gab es den glücklichen Umstand, dass ich die Airline im vergangen Jahr erstmals für den Flughafen erschließen konnte. Eurowings ist im vergangen Sommer schon nach Köln geflogen. Das war insofern glücklich als zu dem damaligen Zeitpunkt noch nicht absehbar war, dass es dann doch so schnell mit der Air Berlin zu Ende gehen würde. Mit der funktionierenden Köln-Anbindung hat ein erstes Kennenlernen stattgefunden. Dabei lernt man sich dann auch als Geschäftspartner kennen. Das hat es uns bestimmt leichter gemacht, Eurowings so zeitnah zu überzeugen.

Und wie haben Sie Condor nach Sylt geholt? Deren eigentlicher Fokus liegt ja nicht gerade auf dem innerdeutschen Verkehr?
Das ist eigentlich Marktbeobachtung. Es war ja zu erkennen, dass auch die Condor-Geschäftsführung im Zuge der Neuaufteilung des deutschen Luftverkehrs nach neuen Geschäftsfeldern gesucht hat. Da sind wir dann von uns aus vorstellig geworden. Passend für beide Seiten ist ja, dass wir eine Ferienflug-Destination sind. Jetzt machen wir gemeinsam den Test, ob die Verbindung Düsseldorf-Sylt funktioniert.

Haben Sie denn auch mit Ryanair-Gespräche geführt? Schließlich fliegen die Iren ja gerne Regionalflughäfen an.
Nein, bisher gab es keine. Es gab mal vor 13 oder 14 Jahren Gespräche, aber danach nie wieder. Das war zu dem Zeitpunkt auch für mich kein Thema, da es rein vom Geschäftsmodell nicht diskutabel ist. Das betreiben wir auch nicht weiter, weil das eine Kannibalisierung unserer Partner darstellen würde. Da muss man gerade bei so einem kleinen Flughafen aufpassen.

Welche Airlines haben denn Sylt in diesem Sommer in ihren Flugplan aufgenommen?
Wir haben in diesem Sommer Lufthansa, Swiss, Eurowings, Condor, Skywork Airlines, Rhein-Neckar Air und ganz neu ein Startup-Unternehmen - Yourways. Das ist ein kleiner Carrier, der jetzt Hamburg und Wilhelmshaven mit anbindet. Und natürlich auch Sylt Air. Das ist ja auch eine kleine Airline, die aber bei uns ihren Heimatflughafen hat.

Direktverbindungen im Sommerflugplan ab Sylt

Condor (Düsseldorf); Eurowings (Düsseldorf, Köln/Bonn, Stuttgart); Lufthansa (Frankfurt, München), Rhein-Neckar Air (Mannheim); Skywork (Basel, Bern); Swiss (Zürich); Sylt Air (Hamburg); Yourways (Hamburg, Wilhelmshaven)

Das ist das Sommerprogramm. Wie sieht es denn bei Ihnen im Winter aus?
Pauschal kann man sagen, dass unsere Saison mit den Osterferien beginnt und bis zum Ende der Herbstferien andauert. In dieser Zeit fliegen sie alle mit. Im Winter verbleibt dann die Eurowings mit der täglichen Düsseldorf-Verbindung. Das hat die Air Berlin früher auch gemacht. Ausnahmen gibt es über Weihnachten und Neujahr. Da kommt dann die Lufthansa wieder mit dazu aus Frankfurt und München.

Jetzt haben Sie viele neue Carrier gewinnen können. Gibt es Ausbaupläne?
Nein, das brauchen wir nicht und da grenzen wir mich auch ganz bewusst von anderen Regionalflughäfen ab. Also bei uns gibt es weder Marmor noch viel zu große Kapazitäten, das wäre einfach unsinnig. Das sind Fixkosten, die drücken massiv aufs Ergebnis und das bringt nichts. Wir sind immer so gewachsen, wie der Verkehr es gerade notwendig machte, und mehr brauchen wir nicht.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Douven.

Von: br
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