Interview

"Wir haben uns beim Wachstum nicht verhoben"

15.03.2018 - 07:00 0 Kommentare

Eurowings-Geschäftsführer Oliver Wagner skizziert im Gespräch mit airliners.de die Langstreckenpläne der Lufthansa-Billigtochter und verrät, welche Baustellen die Airline in diesem Jahr noch vor sich hat.

Oliver Wagner:

Oliver Wagner: "Wir sind in der Lage, die Neuordnung am Himmel mitzugestalten." © airliners.de

Die Eurowings-Langstrecke erlebt stürmische Zeiten: Die bislang betriebene Flotte wird um Maschinen, die Brussels betreibt, ergänzt und gleichzeitig noch aufgeteilt - auf die Flughäfen Düsseldorf und München. Am NRW-Airport kommt auf fünf Strecken ab Ende April auch erstmal die eigene Business Class des Lufthansa-Billigfliegers zum Einsatz.

airliners.de: Wie unterscheiden sich die neuen "Bizz Class"-Sitze der Eurowings von den jetzigen Business-Class-Sitzen der Lufthansa?
Oliver Wagner:
Unser "Bizz Class"-Sitz unterscheidet sich zu Lufthansa gar nicht: Es ist 1:1 der gleiche Sitz. Unsere Philosophie im Low-Cost-Bereich ist ja gerade, dass wir nichts teuer entwickeln, sondern - wo immer möglich - Vorhandenes nutzen. In diesem Fall ist es erstens ein Super-Produkt und zweitens die günstigste Lösung für uns.

Die "Bizz Class" hebt Ende April ab - wann wird die buchbar sein?
Ab April.

Und es geht mit dem Sitz auf die Langstrecke ab Düsseldorf. Vergangenes Jahr hieß es noch, Eurowings wolle dort erst ausbauen, sobald das Infrastrukturproblem am Flughafen gelöst sei - Stichwort Gepäckbänder. Ist jetzt alles gut in Düsseldorf?
Die Insolvenz der Air Berlin ist die bisher größte im europäischen Luftverkehr, sie hat den Airline-Markt komplett durcheinandergewirbelt. Die Konsolidierung war notwendig und überfällig – und wir haben uns auf diese Konsolidierungsphase akribisch vorbereitet. Über das Plattform-Modell Eurowings sind wir jetzt schnell in der Lage zu wachsen und die Neuordnung mitzugestalten. Klar, dass wir da auch um den Flughafen Düsseldorf keinen Bogen machen. Was die Performance angeht, sind sich alle Beteiligten ihrer Verantwortung bewusst. Ich gehe davon aus, dass alle Stakeholder am Flughafen für die bestmögliche Performance an einem Strang ziehen werden.

Zum Interviewpartner

Der Manager: Oliver Wagner ist seit Herbst 2015 Geschäftsführer von Eurowings. Wagner kam 1995 zur Lufthansa und wart dort zuletzt als Leiter "Direct Services" für die Kranich-Operations an den deutschen Airports zuständig.

Die Airline: Die Lufthansa-Billigtochter Eurowings ist eine Plattform, an die viele andere Carrier andocken können - Eurowings Europe, Germanwings, Sun Express, Brussels. Eurowings ist mittlerweile die zweitgrößte Airline Deutschlands:

Der deutsche Markt
Angaben in Prozent
Lufthansa 34.6
Eurowings 14.8
Ryanair 7.5
Easyjet 5.8
Condor 3.8
Tuifly 2.0
Übrige Airlines 31.5

Die Grafik zeigt die Verteilung der für den Sommer angebotenen Sitzplatzkapazitäten verschiedener Airlines ab deutschen Airports. Angaben gerundet. "Übrige Airlines" sind jene mit jeweils weniger als zwei Prozent Anteil. Quelle: ch-aviation

Die Langstrecke in Düsseldorf wird zunächst von Brussels Airlines bedient. Was ist in dem Sektor weiter geplant?
Brussels bringt wichtige Erfahrungen im Langstreckengeschäft mit, davon wird die Eurowings-Gruppe erheblich profitieren. Deshalb werden wir in Brüssel ein Kompetenz-Center für unsere Langstrecken-Operations etablieren. Der erste Schritt ist, dass Brussels drei Flugzeuge für die Eurowings-Langstrecke in Düsseldorf bereedert. Alles Weitere definieren wir in den nächsten Wochen und Monaten, sobald ab April die neue Spitze von Brussels Airlines um CEO Christina Foerster im Amt ist.

Flugzeuge sollen im Sommer 190 unterwegs sein. Das sind ja weniger als die ursprünglich anvisierten 210 ...
Unser Etappenziel von 210 Flugzeugen bleibt unverändert. Für diesen steilen Wachstumspfad haben wir innerhalb weniger Monate die Kapazitäten von 77 Flugzeugen übernommen und bereits 2000 neue Mitarbeiter eingestellt. 90 Prozent der Crews, die wir für unsere Flotte in diesem Jahr benötigen, sind inzwischen an Bord.

Ab München werden aktuell Strecken gestrichen - hat sich Eurowings mit den Wachstumsplänen übernommen?
Wir wachsen sehr schnell und an all unseren Standorten - allein in München im Sommer um mehr als 140 Prozent beziehungsweise 1200 Flüge. Aufgrund des hochdynamischen Umfelds nach dem Air-Berlin-Aus nehmen derzeit allerdings fast alle Airlines leichte Anpassungen in ihren Flugplänen vor, darunter auch wir.

Einige zusätzliche Flugzeuge kann man ja über einen Lauda-Motion-Wet-Lease zurückbekommen ...
Über den Ausbau weiterer Eurowings Kapazitäten führen wir zurzeit Gespräche mit zahlreichen Airlines, darunter auch mit Lauda Motion. Die Verhandlungen sind aber noch nicht abgeschlossen.

Eurowings-Geschäftsführer Oliver Wagner (links) im Gespräch mit dem airliners.de-Redakteur Carlo Sporkmann. Foto: © airliners.de

Lauda Motion enthält die ehemalige Air-Berlin-Tochter Niki - Eurowings hat die andere Unternehmenstochter, LGW, aufgenommen. Deren 20 Dash-Maschinen fliegen auch unter der Marke Eurowings?
Genau, alle Maschinen sollen bis Ende April umlackiert sein. Jede Woche ist zurzeit eine im Paint-Shop. Gleichzeitig fliegt die LGW seit Dezember auch Airbus-Flugzeuge. Aktuell sind es bereits sechs Stück, damit ist das Team dort auch sehr gut ausgelastet.

Ebenfalls für Eurowings unterwegs ist Germanwings - der Flugcode ist weg, es wird lackiert?
Die ersten der 46 Airbus-Maschinen sind bereits im neuen Eurowings Design unterwegs. Die weiteren Jets sollen im Laufe des Jahres umlackiert werden. Es gibt zurzeit nicht ausreichend Slots in den Paint-Shops, als dass wir alles auf einmal machen könnten. Und es wird ja gerade sehr viel umlackiert - nicht nur bei Eurowings, auch bei Lufthansa.

Der Kranich-Konzern ist nach der Air-Berlin-Pleite in eine heftige Diskussion über die Preise auf innerdeutschen Routen hineingeraten - mit dem Start von Easyjet in Tegel ist die Debatte abgeflacht ...
Easyjet ist ja nur einer unserer großen Konkurrenten. Auf fast allen innerdeutschen Business-Strecken ist und bleibt die Bahn unser größter Wettbewerber. Zuletzt hieß es in Medien, dass auf der Strecke Berlin-München die Bahn teurer ist als das Flugzeug. Unser Wettbewerb ist bereits intensiv und wird weiter wachsen – auch auf innerdeutschen Strecken. Bei der Diskussion wird auch gern vergessen, dass die Airline-Ticketpreise über Jahre massiv und bisweilen unter das Niveau von Taxifahrten gefallen sind. Wenn unsere Preise in 2018 stabil blieben, wäre ich schon zufrieden.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Wagner.

Von: cs, br
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